3.7.2015
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Wenn die Briten die EU verlassen

Bertelsmann-Stiftung spielt drei Szenarien durch – immer zahlt Großbritannien drauf – 2018 muss sich das Volk zum zweiten Mal für oder gegen EU entscheiden.

SCHLÜSSELFRAGE. Während alle miterleben, wie Griechenland sich aus der Eurozone verabschiedet, wird das Thema eines völligen EU-Ausstiegs im Norden Europas immer brisanter. Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigte nach seiner Wiederwahl an, die Briten bis spätestens Ende 2017 über einen Verbleib in der EU abstimmen zu lassen.

Brennpunkt Zuwanderung

Cameron ist unzufrieden mit der Rolle, die Großbritannien derzeit in der EU spielt. Er verlangt Reformen von Brüssel: weniger bürokratische Regulierungen und dafür mehr Freiraum etwa im Asylrecht oder bei Einschränkungen von Sozialleistungen für EU-Zuwanderer.
Vor allem das europäische Prinzip der Reisefreiheit ist den Briten ein Dorn im Auge. Seit 2004, als insgesamt acht Länder der Europäischen Union beitraten, kommen jährlich rund 170.000 Zuwanderer auf die Insel. Zwischen 1991 und 2003 waren es lediglich 61.000 pro Jahr. Weil die britische Wirtschaft boomt, boomt auch die Einwanderung, vor allem aus den krisengeschüttelten Ländern des Kontinents.

Das unterkühlte Verhältnis der Briten zur EU wurzelt freilich tiefer. Seit dem Beitritt des Vereinigten Königreichs zur Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1973 ist das Verhältnis der Briten zur EU kritisch distanziert. Bereits 1975 gab es ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft. Es mündete freilich in dem überwältigend positiven Ergebnis von 67 zu 33 Prozent der Stimmen.

1984 erwirkte die damalige Premierministerin Margaret Thatcher mit den mittlerweile legendären Worten „I want my money back!“ einen Rabatt für die britischen Beiträge an den EU-Haushalt, den die EU noch immer gewährt. Das Schengener Abkommen von 1995, das die Abschaffung der Passkontrollen an den Grenzen zwischen den beteiligten EU-Ländern beinhaltet, hat Großbritannien bis heute nicht unterzeichnet.

Großbritannien und die EU © AK, AK

Unabsehbare Folgen

Was aber wären die Folgen, wenn sich die Briten 2017 gegen den Verbleib in der EU entschieden? Szenarien gibt es viele. Die deutsche Bertelsmann-Stiftung zeichnet drei. In allen verliert Großbritannien seine momentanen Handelsprivilegien gegenüber der EU:

  1. Sanfter Ausstieg: Großbritannien wird wie die Schweiz und hat ein Handelsabkommen mit der EU. Es gibt nicht-tarifäre Handelshemmnisse, aber keine Zölle.
  2. Tiefer Schnitt: Kein Handelsabkommen, dafür höhere nicht-tarifäre Handelshemmnisse als auch Zölle im Handel mit der EU. 
  3. Isolierung: Das Land verliert alle Privilegien, die sich aus den 38 existierenden Handelsabkommen mit der EU ergeben. 

Die Experten der Bertelsmann-Stiftung kommen zum Schluss: „Falls das Vereinigte Königreich die EU im Jahr 2018 verlassen sollte, würde dies die Exporte des Landes reduzieren und Importe verteuern. Je nach Ausmaß der handelspolitischen Abschottung wäre das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner in Großbritannien im Jahr 2030 zwischen 0,6 und 3,0 Prozent geringer als bei einem Verbleib in der EU. Werden die dynamischen Effekte berücksichtigt, die die wirtschaftliche Integration auf das Investitions- und Innovationsverhalten hat, könnten die BIP-Einbußen auf bis zu 14 Prozent steigen.“

In dieser Serie:

Teil 1 - Ein Tag in Europa
Teil 2 - So funktioniert die EU
Teil 3 - So finanziert sich die EU
Teil 4 - Der Fall Griechenland
Teil 5 - Wie viel verträgt der Arbeitsmarkt?
Teil 6 - Wenn die Briten die EU verlassen
Teil 7 - Einsätze der EU im Ausland


Wie viel verträgt der Arbeitsmarkt?

Österreich nimmt 28.000, Deutschland über 200.000 Asylbewerber auf, Portugal nur 500 – EU will Flüchtlinge gerechter verteilen.

EU und Griechenland

Finden EU und Griechenland noch einen Ausweg aus der Krise? Pyrovolikos Panagiotis erzählt über sein Griechenland.

So finanziert sich die EU

Der EU-Haushalt umfasst das Geld, das die 28 Mitgliedsstaaten jedes Jahr der Europäischen Kommission anvertrauen.

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