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Europawahl am 26. Mai

Grafik zur Europawahl 2019 © Grafik: Keystone-SDA, Quelle: EU-Parlament, APA, BMI


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Wahlberechtigte

Balkendiagramm Wahlberechtigte in Österreich © Grafik: Keystone-SDA, Quelle: EU-Parlament, APA, BMI

Historiker Meinrad Pichler

Vorarlberg sähe ohne Europa ziemlich alt aus

Der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler zeigt auf, wie die europäischen Beziehungen Vorarlberg über die Jahrhunderte hinweg beflügelt haben.

Seit der Antike war Europa ein gemeinsamer Kultur- und Wirtschaftsraum. Dieser wurde zwar zu unterschiedlichen Zeiten von diversen Abhängigkeiten geprägt, doch selbst diese Herrschaftsverhältnisse und die Sprachgrenzen konnten das Gemeinsame nicht scheiden. Die katholische Kirche in ihrer Universalität trug dazu ebenso bei wie die säkulare Wissenschaft. 

Die Ländergrenzen waren recht durchlässig, bevor im 19. Jahrhundert die europäischen Nationalstaaten gegründet wurden. Nun brauchte man nicht nur Reisedokumente, auch in wirtschaftlicher Hinsicht versuchten die Staaten, dem Warenaustausch Schranken zu setzen.Ohne diesen traditionellen europäischen Zusammenhang wäre ein Vorarlberg, wie es sich heute zeigt, undenkbar.

Vorarlberg brauchte seit der frühen Neuzeit einen überregionalen Arbeitsmarkt. Die Menschen in den Alpentälern wären verelendet, wenn sie nicht in entwickelteren Gebieten Arbeit gefunden hätten: als saisonale Bauhandwerker in Süddeutschland, in der Schweiz und in Frankreich; als Krautschneider im Elsass und in Ungarn; als Heuerinnen und Hütekinder in Schwaben oder als Söldner europäischer Könige und Fürsten. Unzählige Handwerksburschen erweiterten auf ihrer Walz durch halb Europa ihre berufliche Expertise und ihren Horizont.

Ausländisches Knowhow

Der internationale Transfer bestimmte auch die umwälzenden wirtschaftlichen Entwicklungen im Zeitalter der Industrialisierung. Schottische und Schweizer Unternehmer brachten Kapital und Know-how ins Land, weil sie hier günstige Wasserrechte erwerben und billige Arbeitskräfte rekrutieren konnten. Die Masse an Textilien, die in den Folgejahren auch in den Fabriken von einheimischen Industriellen erzeugt wurden, ging fast ausschließlich in den Export. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung aber blieb in Vorarlberg.

Import von Arbeitskräften

Als in der zweiten Industrialisierungswelle gegen Ende des 19. Jahrhunderts das einheimische Reservoire an Arbeitskräften ausgeschöpft war, importierte man solche aus wirtschaftlichen Krisengebieten, im 20. Jahrhundert mussten sogar Arbeitsmigranten aus außereuropäischen Gebieten die Konjunkturspitzen abdecken. Der möglichst ungehinderte Transfer von Kapital, Waren und Arbeitskräften war und ist das Fundament des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg.

Auch die Vorarlberger Landwirtschaft war und ist von Auslandsbeziehungen abhängig. Die sogenannten Lechtaler Geldverleiher, die im 19. Jahrhundert die Bregenzerwälder Landwirtschaft am Leben hielten und den Ausbau der Milchwirtschaft ermöglichten, sind ein treffendes Beispiel für die europäische Verwobenheit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren arme Kleinhäusler aus dem Lechtal als Hausierer mit Textilwaren durch Deutschland und bis in die Niederlande gezogen. Dort brachten es einige schließlich als Großhändler zu Reichtum. Diesen wollten sie aber daheim genießen, bauten in ihren Herkunftsdörfern repräsentative Häuser und verliehen den Rest ihrer Kapitalien. So verschränkt waren schon damals die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Europa.

Auch der Käse, der in Vorarlberg erzeugt wurde, ging nur zum geringsten Teil an einheimische Konsumenten. Natürlich kamen auch die Verfahren zur Herstellung von Hartkäse aus dem Ausland, besonders aus der Schweiz und aus Schweden. Jodok Fink besuchte einen Melkkurs in Dänemark, weil die dänische Methode euterschonender war. In Schulungen gab er diese Technik an die Bauern weiter. Und auch der Export von Holz und Zuchtvieh bildete durchgehend ein wesentliches Standbein der Vorarlberger Landwirtschaft.
Die europäische Dimension unserer Geschichte wäre nicht vollständig, wenn man den kulturellen Aspekt außer Acht ließe. Nicht nur Wissenschaftler wie Joachim Rhetikus aus Feldkirch sind im europäischen Ausland zu anerkannten Größen gereift, auch die höhere Bildung musste auswärts erworben werden. Bereits im Mittelalter finden sich Vorarlberger Studenten in Padua, Bologna und Paris; später an den Universitäten Wittenberg, Prag oder Löwen.
Schließlich sei noch darauf verwiesen, dass nahezu das gesamte Musikleben in den Vorarlberger Städten am Ende des 19. Jahrhunderts von böhmischen Musikern getragen war: als Musikschuldirektoren, als Chor- und Orchesterleiter und als Musiker. Einer von ihnen hat die Landeshymne komponiert.

Gastkommentar von Erwin Mohr

Europa in der Champions League

In fast allen Staaten formieren sich nationalistische Parteien und arbeiten daran, Europa zu schwächen und die Nationen vermeintlich zu stärken. Deren Führer sind bekannt: Farage, Orbán, Kaczyński, Le Pen, Salvini. 

Sie sehnen ihre Nationen zurück ins vorige Jahrhundert des Nationalismus: mit wirtschaftlichem Rückschritt und schmerzlichen Folgen für die Menschen dort, wie die Beispiele Großbritannien oder Ungarn heute schon zeigen. Und dass Salvini in Italien als Gegner der EU die Zukunft seiner Bevölkerung, vor allem der Jugend, an die Chinesen verscherbelt, ist ein Skandal. Ein besonderes Lehrbeispiel für dumpfen Nationalismus ist auch die Türkei unter Erdogan, die einen beispiellosen Rückschritt in vielen Bereichen erlebt. 

Die EU ist ohne Zweifel verbesserungsfähig, aber sie ist die einzige Möglichkeit, unserem Kontinent und seinen Staaten im Wettbewerb mit den USA, Russland, China oder Indien einen angemessenen Platz zu garantieren. Nur wenn wir geschlossen und mit einer Stimme auftreten, spielen wir international in Zukunft noch eine Rolle.

Champions League oder Landesliga? Wir haben es bei dieser Wahl in der Hand! Und offen gefragt: In welchem Erdteil und welchem politischen System würden Sie derzeit denn lieber leben als in Europa?

E-Mail: mohr.wolfurt@outlook.com
Erwin Mohr vertrat die Interessen der Gemeinden auf europäischer Ebene als Präsidiums-Mitglied im Ausschuss der Regionen und als Vizepräsident im Rat der Gemeinden und Regionen Europas. 

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Balkendiagramm Wahlberechtigte in Österreich © Grafik: Keystone-SDA, Quelle: EU-Parlament, APA, BMI