29.4.2016
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Ungarn und der Traum von Größe

Die Zeit der romantischen Verklärung von Paprika und Csárdás sind längst passé – heute führt ungarischer Nationalismus die EU wieder und wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

ABSCHOTTUNG. Anfang November ist es 60 Jahre her, dass im Zuge der gescheiterten Revolution gegen das kommunistische Regime rund 200.000 Ungarn in Österreich Schutz suchten. Geblieben sind letztendlich 18.000. Die anfängliche Welle der Hilfsbereitschaft machte in Österreich rasch einer wachsenden Überforderung Platz. Die Bilder von damals und heute ähneln sich. Auch die der Zäune übrigens: Hat doch ein Grenzzaun den kommunistischen Nachbarn bis zum Juni 1989 umgeben, bis zu jenem schicksalshaften Tag, an dem die damaligen Außenminister Alois Mock und Gyula Horn symbolisch die Zangen ansetzten.

Österreich und Ungarn – das war zu allen Zeiten ein zutiefst emotionales Verhältnis. Mehr als 1000 Jahre ist es her, dass die magyarischen Reiterheere halb Europa in Angst und Schrecken versetzten. Mit dem ersten christlichen König Stephan I. begann die Blütezeit in der pannonischen Tiefebene. Unter König Matthias Corvinus (regierte 1458-1490) erreichte Ungarn seine größte Ausdehnung und umfasste kurzzeitig sogar Ostösterreich, Mähren und Schlesien.

Wechselvolle Geschichte

Ungarn stand über 100 Jahre lang unter türkischer Herrschaft, ehe die Habsburger sich etablierten. 1867 errangen die liberalen Kräfte die weitgehende ungarische Selbstverwaltung im Rahmen der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, die nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 unterging. Ungarn hat die Folgen dieses Krieges nie verwunden und ging ein verhängnisvolles Bündnis mit dem nationalsozialistischen Großdeutschland ein. Nach dem Einmarsch der Roten Armee fiel Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg der sowjetischen Einflusssphäre zu; die Ungarische Volksrepublik wurde ausgerufen.

1989 fiel der Eiserne Vorhang. Für Ungarn stellte der Umbau der kommunistischen Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft eine große Herausforderung dar. Heute verfolgt die ungarische Regierung ehrgeizige Ziele: die Schaffung von einer Million neuer Arbeitsplätze in zehn Jahren und die Umgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Ungarn zur „wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft in Europa“ zu machen. Auf der demokratiepolitischen Bühne ist Ungarn hingegen im Rückwärtsgang unterwegs. Nach massiven Eingriffen in Justiz und Medienfreiheit feiert der Nationalismus unter Ministerpräsident Viktor Orbán fröhliche Urständ. Obwohl Nettoempfänger von Mitteln aus dem europäischen Budget schwächt die ungarische Politik die EU seit Jahren.
Zuletzt hat Orbán Brüssel in der Asylfrage den Kampf angesagt. Er will die Pläne der EU-Kommission zur Verteilung der Flüchtlinge nicht akzeptieren. Derzeit tourt er durch viele europäische Länder auf der Suche nach Verbündeten. An der österreichisch-ungarischen Grenze wächst indessen wieder ein Zaun empor. Dieses sogenannte Grenzmanagement soll helfen, die Flüchtlingsströme endgültig zu stoppen.

EU-Mitgliedstaaten: Dänemark

Das glückliche Land mit der kleinen Meerjungfrau wird seit Sommer 2015 von der Partei Venstre als MiniMinderheitsregierung geführt.

EU-Mitgliedstaaten: Frankreich

Mit einer Fläche von 547.000 Quadratkilometern und 66 Millionen Einwohnern ist Frankreich eines der größten Mitgliedsländer der EU.

EU-Mitgliedstaaten: Polen

Nach sehr umstrittenen Reformen in Polen will die EU-Kommission mögliche Gefahren für den Rechtsstaat überprüfen.

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