27.6.2016

Briten grenzten sich immer ab

Einfach anders. Die Briten gelten seit jeher als extravagant, selbstbewusst, eigenständig und leicht verschroben. Die Küche ist furchterregend, das Land schön, der Humor schwarz, das Wetter anders und die Tradition allgegenwärtig.
Wen wundert‛s? Die englische Krone war einmal Weltmacht mit immensen Streitkräften, umtriebigen Handelsgesellschaften, zahlreichen Kolonien, enormem Reichtum und Macht. Das ist zwar schon einige Zeit her, aber das Inselvolk zehrt bis heute von verblichener Größe. Auch im Verhältnis zu Europa.

Daten und Fakten © Quelle: BBC, Deutsches Statistisches Bundesamt, Grafik & Fotos: KEYSTONE

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Europa? Das ist Übersee

Allein die Existenz als Insel trug viel dazu bei. Tatsächlich geschieht heute noch alles, was sich jenseits von Großbritannien abspielt, dem Empfinden der Briten nach „overseas“, also in „Übersee“. Ein Brite empfindet die See als natürliche Grenze, über die einzudringen sich jedermann hüten sollte. Schließlich ist man mit den Römern, Spaniern, Franzosen, Deutschen fertig geworden … Das eigenwillige Inselvolk hat über die Jahrhunderte hervorragende Seefahrer hervorgebracht. Das hinterließ auch friedliche Spuren. Bis heute gelten britische Yachtkapitäne im ganzen Mittelmeerraum als die renommiertesten im Charter-Business.

Unter dem Motto „Britannia rule the waves!“ beherrschten die Engländer ganze Kontinente. Seehelden wie Lord Nelson traten stets rechtzeitig auf den Plan. Und dass sein Schiff aus der Schlacht von Trafalgar 1805, die HMS „Victory“, bis heute dem Ersten Seelord Großbritanniens als Flaggschiff dient, spricht Bände über die britische Seele. Ob er mit dem 200 Jahre alten Segelschiff auslaufen würde im Bedrohungsfall? Zuzutrauen wäre es den Briten.

Das britische Empire

Das Empire, das einst auch Kanada, Australien und ein riesiges Kolonialreich rund um den Globus umfasste, ist längst Geschichte. Und doch hat man annähernd überall dort, wo der Union Jack einst britisches Hoheitsgebiet kennzeichnete, Englisch als Amtssprache behalten. Das Land nennt sich „Great Britain“. So lautet seit 1707 die amtliche Bezeichnung für den Machtbereich der Krone auf der britischen Insel, das Königreich England, das (ehemalige) Königreich Schottland und das Herzog­tum Wales umfassend.  Großbritannien ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie, kennt aber keine geschriebene Verfassung. Das Wort „Kingdom“ (Königreich) kommt selbst Gegnern der Monarchie vorbehaltlos über die Lippen. Denn der britische Untertan steht zu seinem Herrscherhaus; mag die Boulevardpresse noch so lästern. 

So hat selbst die Wirtschaftkrise der 1970er und die starke Abwertung des englischen Pfund nichts am britischen Selbstbewusstsein verändert. Auch nicht die Tatsache, dass britische Identifikationsmarken wie Rolls Royce und  Bentley nur durch ausländische Übernahmen zu retten waren.

Fazit: Briten sind eigen. Der monatelange Kampf um ihr Ausscheiden aus der EU zeigte überdeutlich, wie gefährlich es ist, wenn der Gedanke an ein Europa auf Augenhöhe diese Eigenheiten einfach ignoriert.


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