29.2.2016
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Die Trikolore weht auf Halbmast

Mit einer Fläche von 547.000 Quadratkilometern und 66 Millionen Einwohnern ist Frankreich eines der größten Mitgliedsländer der EU. Seit den Anschlägen von Paris steht das Land als Symbol der Freiheit schwere Zeiten durch.

Daten und Fakten © Quelle: Französisches Innenministerium, Deutsches Statistisches Bundesamt, Grafik & Foto: KEYSTONE

Terror im Land von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit

Verheerende Terroranschläge haben 2015 Frankreich erschüttert und halten das Land bis heute in Atem. Frankreich hat sich seither gewandelt, politische Extreme bestimmen die Debatte. Die Frage ist: Lässt sich die Gesellschaft spalten?

WIE IM KRIEG. Frankreich im Winter 2015/16. Ein Land zwischen islamistischem Terror und Front National. Im öffentlich-rechtlichen Sender „France Inter“ sagt Premierminister Manuel Valls: „Die Rechtsextremen predigen Spaltung. Eine Spaltung, die zum Bürgerkrieg führen kann.“ Das ist das Gegenteil einer „république une et indivisible“, der einigen und unteilbaren Republik. Exakt diesen Nerv wollten die Attentäter treffen, und sie haben ihn getroffen.

Ein Rückblick:

7. Januar 2015: Beim Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden in Paris zwölf Menschen getötet. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zum Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida. Ein dritter Täter erschießt in Paris eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er bekennt sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

19. April: Nach der Ermordung einer Frau in Villejuif bei Paris wird ein Student festgenommen. Der 24-Jährige mit Kontakt nach Syrien soll mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistolen und Revolvern Anschläge auf Kirchen geplant haben.

26. Juni: Ein 35-jähriger Islamist wird überwältigt, als er in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion verursachen wollte. Er hatte zuvor seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt.

21. August: Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel-Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November: Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

14. November: Erste Spuren weisen nach Belgien. Bei einer Razzia in Brüssel-Molenbeek werden mehrere Menschen festgenommen.

17. November: In Hannover wird das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande abgesagt. Später stellt sich heraus, dass es konkrete Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu Bombenanschlägen im Stadion und am Hauptbahnhof gab.

18. November: Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris nimmt die Polizei sieben mutmaßliche Komplizen der Attentäter fest. Drei weitere Verdächtige kommen ums Leben – einer war an den Attentaten von Paris beteiligt.

21. November: Belgiens Behörden rufen nach konkreten Hinweisen auf einen geplanten Anschlag für die Hauptstadt Brüssel die höchste Terrorwarnstufe aus. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen.

23. November: Bei einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz werden in Brüssel 16 Personen vorläufig festgenommen. In den folgenden Wochen gibt es in Belgien Razzien mit Festnahmen von Verdächtigen.

24. Dezember: Französische Muslime bewachen in der Stadt Lens Gottesdienste am Heiligabend.

7. Januar 2016: Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

Frankreich hat ein Jahr des Terrors, bewegender Trauerfeiern und Aufmärsche erlebt. Ende 2015 ist die Debatte über soziale Missstände in den Vorstädten verstummt. Im Winter 2015/16 geht es um sicherheitspolitische Antworten.

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