Zwei Personen bei der beruflichen Weiterbildung © micromonkey, stock.adobe.com
Berufliche Weiterbildung © micromonkey, stock.adobe.com
13.3.2018

Weiterbildung im Sinn der Arbeitnehmer

Durch den technologischen Fortschritt und den verstärkten internationalen Wettbewerb verändern sich auch die Anforderungen in der Arbeitswelt. Technologien und Arbeitsprozesse werden komplexer und schnelllebiger. Dementsprechend steigen auch die Lern- und Qualifikationsanforderungen an Arbeitnehmer.

Dabei müssen auch Unternehmen ihren Teil leisten, um den Fachkräftemangel zu bewältigen. So wird bis dato offensichtlich die mittelfristige Wichtigkeit von betriebsinterner Weiterbildung verkannt. Statt Personal nur taktisch anzulernen, müssen Unternehmen sich vielmehr damit auseinandersetzen, welche Fähigkeiten ihre Mitarbeiter benötigen, um auch in fünf Jahren noch veränderte Aufgabenstellungen im Betrieb erfüllen zu können, und sie bei der Entwicklung entsprechender Kompetenzen unterstützen.

Betriebliche Weiterbildung

Doch betriebliche Weiterbildung wird derzeit viel eher nur höher qualifizierten Mitarbeitern ermöglicht, die in größeren Unternehmen beschäftigt sind, da dies mit Kosten und Arbeitsausfall verbunden ist. Niedriger qualifizierte und ältere Arbeitnehmer werden höchstens mit Neuerungen im Produktionsprozess vertraut gemacht, weil von ihnen keine größeren Produktionssteigerungen erwartet werden. Auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) fehlen oft die Ressourcen, sich mit der Frage der Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter auseinanderzusetzen.  

Lernen darf kein Privileg einer bereits gut ausgebildeten Minderheit sein. Es muss mehr Fokus auf die Bedürfnisse von Menschen gelegt werden, die wenig Erfahrung mit dem formellen Bildungssystem haben oder schon lange nicht mehr gelernt haben. Bildungskonzepte müssen dies widerspiegeln, indem auf lange Unterrichtsphasen verzichtet wird und die Anwendung von erworbenem Wissen im Vordergrund steht. Schlussendlich brauchen Menschen aber auch Überblick und Orientierung in der komplexen (Weiter-)Bildungslandschaft Vorarlbergs, um den persönlich richtigen Weg zu finden.

Kompetenzen und Fähigkeiten

Viele Menschen haben keinen Lehrabschluss, aber eine Menge Berufserfahrung, praktische Fähigkeiten und Wissen über ihren Beruf. Derzeit haben Arbeitnehmer, besonders aber ungelernte Hilfsarbeiter, kaum Möglichkeiten, ihre tatsächlichen Lernerfahrungen objektiv darzustellen. Diese informell erworbenen Kompetenzen können am Arbeitsmarkt nur schwer nachgewiesen werden, könnten bei Gehaltseinstufungen aber eine wichtige Rolle spielen. Das „Sichtbarmachen“ der eigenen Fähigkeiten stärkt zudem das Selbstvertrauen und ist besonders wichtig für Menschen, die wenig formelle Lernerfahrung besitzen. Aktuell wird zwar am Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) zur Einordnung von Bildungsabschlüssen gearbeitet, aber zur Ausweitung auf informell erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen noch Umsetzungskonzepte.

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Broschüre

Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Wir brauchen angepasste Weiterbildungsangebote und -förderungen, damit Menschen im Berufsleben und mit Betreuungspflichten Weiterbildung möglich ist.

„Bildungskonto“  

Mit 1. Jänner dieses Jahres trat eine neue Fördermöglichkeit im Rahmen des Vorarlberger Bildungszuschusses in Kraft. Wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden, kann nun auch für ein Lehrverhältnis in Vorarlberg ein „Bildungskonto“ in Anspruch genommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass man vor Beginn der Lehre ein Jahr gearbeitet hat – davon die letzten sechs Monate in Vorarlberg - und einen wesentlichen Einkommensverlust hinnehmen muss.

Weiterbildungsförderungen

Abschließend muss die Treffsicherheit von Weiterbildungsförderungen sichergestellt werden. Einkommensabhängige Förderungen wie das Weiterbildungsgeld oder das Fachkräftestipendium reichen bei niedrigem Einkommen oft nicht aus, um eine Weiterbildung tatsächlich zu finanzieren. Da diese Förderungen abhängig vom Arbeitgeber sind, können Menschen, die ihren Arbeitsplatz häufig wechseln, oft nicht davon profitieren. Und um andere öffentliche Förderungen, wie den Vorarlberger Bildungszuschuss, kann meist erst angesucht werden, nachdem große Kostenpunkte wie Kursgebühren angefallen sind. Auch die Unentschlossenheit der Politik hinsichtlich des Budgets und der Förderungswürdigkeit verschiedener beruflicher Fachausbildungen ist ein großes Hemmnis. 

Gruppe von Menschen mit einem Pfeil nach oben © Benno Hagleitner, Fotograf

Vorarlberger Bildungszuschuss

Unsere Forderungen

  • Ein Recht auf Weiterbildung für alle Arbeitnehmer.

Ein rechtlicher Anspruch auf Bildungskarenz und Bildungsteilzeit gegenüber dem Arbeitgeber. Der Anspruch auf betriebliche Weiterbildung im Ausmaß von mindestens 35 Stunden jährlich bei Fortzahlung des Entgelts. 

  • Das Qualifizierungsgeld als universelle Weiterbildungsförderung. 

Zusammenführen aller bestehenden Förderungsmaßnahmen. Ein Förderkonto, auf das über die Jahre von Arbeitnehmer und Arbeitgeber beliebig eingezahlt wird. Verdopplung des Guthabens am Konto durch verschiedene Träger (Land, WK, AK). Entsprechend dem detaillierten Modell der Bundes-AK.

  • Verstärktes betriebliches Kompetenzmanagement. 

Strategische Förderung und Weiterentwicklung der Fähigkeiten von Mitarbeitern als Aufgabe und Verantwortung der Betriebe. Schaffung von dualen Weiterbildungsangeboten durch öffentliche Bildungsanbieter für verbesserte betriebliche Integration von Kompetenzentwicklung. Unterstützungsangebote zur Verbesserung der betrieblichen Diagnostik. Pilotprojekte für überbetriebliche Fortbildungsprogramme speziell für KMUs.

  • Einen Zertifizierungsrahmen für informell erworbene Fähigkeiten.

Die Einführung eines „Kompetenzpass 4.0“ zum Nachweis und Vergleich für informell erworbenes Wissen und Fähigkeiten. Dazu eine unabhängige Datenbank zur Dokumentation von betrieblichen und anderen Schulungsmaßnahmen. Die AK Vorarlberg als „Qualifikationsverantwortliche Stelle“ (QVS) entsprechend dem Nationalen Qualifikationsrahmen.

„Du kannst was“ – der Weg zum Lehrabschluss für Hilfskräfte.

Mittels Kompetenzchecks und punktgenauer Weiterbildung kommen Hilfsarbeiter und ungelernte Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung zum Lehrabschluss. Eine hohe Wirksamkeit und ein praktischer Vorteil für die Zielgruppe ergeben sich besonders durch das Vermeiden einer theoretischen Prüfung und individuelle Unterstützung am Weg zum Lehrabschluss.

„Wieweiter.at“ – Bildungsberatung mit System.

Orientierung und praktische Hilfestellung bei der Beantwortung aller Bildungsfragen unserer Mitglieder. Keine Nischenberatung, sondern lösungsorientierter, rascher Überblick und Vernetzung mit anderen Beratungs­einrichtungen. Einfacher, klarer Zugang zu Informationen sowohl online als auch im persönlichen Beratungsgespräch.