27.2.2018

Optimale Förderung bereits zu Beginn

Die Voraussetzung für jede höhere Ausbildung und vollwertige gesellschaftliche Teilhabe sind Grundkompetenzen und Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen, soziale Kompetenzen. Alle Jugendlichen sollten diese beim Eintritt ins Arbeitsleben beherrschen – tatsächlich gibt es hier aber ernsthafte Defizite. Die Ausbildungspflicht bis 18 ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dass das Lernen aber ab der Geburt beginnt und nicht erst mit dem Schuleintritt, wird dabei vergessen. Wie viel Unterstützung und Förderung ein Kind im jungen Alter erhält, entscheidet sehr stark darüber, ob es später eine gute Ausbildung macht und dementsprechend, was für ein Leben es später führen kann. Besonders bei Kindern, die zuhause nicht Deutsch lernen, oder deren Eltern selbst keinen höheren Bildungsabschluss haben, wirkt eine gute Frühpädagogik als essentieller Ausgleichsfaktor, der für den langfristigen sozialen Aufstieg nicht durch Direktzahlungen ersetzbar ist.

Grafik Schulbildung  © Quelle: Altzinger/WU Wien, AK Vorarlberg
Grafik Schulbildung © Quelle: Altzinger/WU Wien, AK Vorarlberg

Frühförderung und Elementarpädagogik

Die Wirkungsfähigkeit von Frühförderung und Elementarpädagogik hängt maßgeblich von der Ausbildung der Pädagogen ab. Frühpädagogen werden derzeit an einer Berufsbildenden Höheren Schule oder an einem Kolleg ausgebildet, Lehrer für Pflichtschulen und höhere Schulen hingegen universitär – diese Berufe werden dementsprechend höher entlohnt und gesellschaftlich geschätzt. Darüber hinaus entscheiden Platz, Ausstattung, Anzahl und Aufgaben der Pädagogen stark darüber, ob den Bedürfnissen der Kinder entsprochen werden kann. In der Verteilung der Gelder für elementarpädagogische Einrichtungen wird neben einem Grundbetrag pro Einrichtung nur auf die Anzahl der Betreuungsplätze Rücksicht genommen. Zusätzliche Mittel, um auf den unterschiedlichen Förderbedarf der Kinder – etwa aufgrund der sozialen Herkunft oder der Muttersprache – eingehen zu können, gibt es dabei nicht. 

Pflichtschulbereich

Ähnlich gestaltet sich die Situation im Pflichtschulbereich. Auch dort fehlen die Mittel, um erhöhten Förderbedarf abzudecken. Bereits nach den ersten vier Schuljahren sind die Unterschiede im Lernerfolg der Kinder gravierend und hängen eindeutig mit Bildungsherkunft und Migrationshintergrund zusammen. Bekommen Kinder nicht ausreichend Förderung im Unterricht, fallen sie in der Regel auf Nachhilfe zurück. Dabei liegt auf der Hand, dass gerade die Eltern der Kinder mit dem meisten Bedarf sich Förderung zusätzlich zum Regelunterricht meist nicht leisten können. Auch deren Eltern sind selten in der Lage, die nötige Unterstützung zu bieten, haben doch auch sie überwiegend keinen höheren Schulabschluss.

Ganztagsschule

Die Ganztagsschule ist hier das wohl effektivste Mittel, um Chancengerechtigkeit herzustellen und Eltern sowohl finanziell als auch zeitlich zu entlasten. Dabei finden Unterricht, Freizeit, individuelle Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen über den Tag verteilt statt. Durch gezielte Förderung im Rahmen der schulischen Nachmittagsbetreuung können Defizite ausgeglichen und Stärken gefördert werden und der Bedarf für teure, private Nachhilfe minimiert werden. Das hat sich bereits bestätigt: Parallel zum Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung haben sich die Ausgaben für Nachhilfe in Vorarlberg reduziert. Und schlussendlich sind auch Eltern zufrieden: Sie bewerten die Nachmittagsbetreuung im Land als sehr gut. 



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Grafik Nachhilfekosten Schuljahr 2016/2017 © Quelle: IFES, AK Vorarlberg
Grafik Nachhilfekosten Schuljahr 2016/2017 © Quelle: IFES, AK Vorarlberg

Wir brauchen ein Bildungssystem, in dem alle Kinder die Förderung bekommen, die sie für die besten Zukunftschancen benötigen.

Wir fordern

  • Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit Bedarf.

Bei Feststellung von besonderem Förderbedarf – etwa aufgrund Muttersprache oder Bildungshintergrund – zielgruppenspezifische Ausweitung der Kindergartenpflicht auf ein zweites Jahr. Ohne Selbstbehalt für Eltern.

  • Die Ausbildung von Elementarpädagogen als FH-Studiengang.

Eine fundierte pädagogische Ausbildung, absolviert in einem Alter, das diesem anspruchsvollen Beruf angemessen ist. Dabei ausreichende Möglichkeit der praktischen Übung, um die Anforderungen des Berufs mit den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten vergleichen zu können.

  • Bedarfsorientierte Finanzierung für pädagogische Einrichtungen.

Die Verteilung der finanziellen Mittel entsprechend eines „Chancenindex“, der den sozioökonomischen Hintergrund und die Erstsprache der Kinder berücksichtigt. Monitoring von Schulstandorten mit hohem Anteil an Schulabbrechern. Zusätzliche Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen bei Bedarf. Siehe das umsetzbereite Modell der AK.

  • Den Ausbau der verschränkten Ganztagsschule. 

Für universelle Vorteile: über den Tag verteiltes, individuelleres Lernen für Kinder. Entlastung der Eltern durch Einsparen von Nachhilfekosten. Bessere Vereinbarkeit und mehr qualitativ hochwertige Zeit für Eltern und Kinder gemeinsam. Prävention von späteren, teureren Maßnahmen zur Unterstützung für Schulabbrecher.