22.11.2013
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Niedrigqualifizierte: Zweite Chance durch Weiterbildung

Rund 15.000 Personen in der Altersgruppe von 15 bis 39 Jahren verfügen in Vorarlberg über keinen weiterführenden Lehr- oder Schulabschluss.

Viele dieser formal Niedrigqualifizierten besitzen aber berufspraktische Fähigkeiten, die bis an das Niveau von Facharbeitern heranreichen können. Diese Fähigkeiten sind aber oft formal nicht anerkannt, sodass ihr Potenzial für gezielte Weiterqualifikation ungenutzt bleibt. Die AK Vorarlberg hat im Rahmen ihres Schwerpunktthemas „Niedrigqualifizierung“ Dr. Eva Häfele und Dr. Kurt Greussing mit einer Studie beauftragt, die die Lernwege für Niedrigqualifizierte in Vorarlberg aufzeigen soll.

Die vorliegende Studie macht deutlich, dass die Übergänge zwischen angelernter Arbeit und Facharbeit immer breiter werden. „Kommunikation, Verständnis für Betriebsabläufe, Problemlösungsbewusstsein und kooperative Fähigkeiten sind nur einige der Kompetenzen, die auch im Bereich der niedrigqualifizierten Arbeit heute notwendig sind und durchwegs verlangt werden“, bestätigt Studienautorin Dr. Eva Häfele.

Studie als konkrete Grundlage

Fast 30.000 Menschen gehen in Vorarlberg einer niedrigqualifizierten Tätigkeit nach, nämlich als Hilfskräfte, Anlage- und Maschinenbediener oder Montierer. Im Bundesländervergleich ist das mit 17 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen der dritthöchste Wert hinter Oberösterreich und Tirol. „Mit dieser Studie haben wir Grundlagen geschaffen, mit denen konkret gearbeitet werden kann. Wir ermutigen daher alle Beteiligten, an jenen Hebeln anzusetzen, die für sie sofort greifbar sind. Hier ist niemand ausgenommen: Eltern, Lehrer, Betriebe, Betroffene und natürlich in erster Linie die Politik, die zeigen kann, dass sie gewillt ist, für die Zukunft die notwendigen Weichen zu stellen und Reformen auf Schiene zu bringen“, sagt AK-Präsident Hämmerle.

Ein Kompetenzort verschiedener Institutionen sei wegweisend, um ein Netzwerk für betriebliche und  Überbetriebliche Höherqualifizierung von Niedrigqualifizierten herzustellen. Die Ergebnisse der Studie zeigen klar, dass es der Anwendung neuer Bildungsmethoden bedarf, die Niedrigqualifizierte dort abholen, wo sie stehen und sie in ihrer Grundmotivation fördern. Im Hinblick auf eine spätere Berufsorientierung ist ein kindgerechter Kontakt mit der Arbeitswelt bereits während der Kindergarten- und Grundschulzeit sinnvoll und notwendig.

Hier geht es keineswegs, wie Kritiker einwenden könnten, um eine Zurichtung der Kinder auf die Erfordernisse der Erwerbswelt, sondern um das mitgestaltende Erleben von Arbeitswelten, wie es früher für Kinder in Handwerks- und Bauernfamilien selbstverständlich war.

Angebote schon im Kindergarten

„Kinder setzen sich mit ihren Sinnen mit der Welt auseinander, daher ist ein Besuch in einer Tischlerei oder Bäckerei sinnvoller als Bilder einer Hobelmaschine an die Wand zu projizieren. Der Geruch von frisch gebackenem Brot oder das Berühren von glatt geschliffenem Holz bleibt tiefer im Bewusstsein, als dies Bilder vermitteln können“, so AK-Präsident Hämmerle. Im Bereich der Elementarpädagogik müssen altersgerechte Angebote geschaffen werden, die Kinder mit der praktischen Arbeitswelt in Berührung bringen und sie unmittelbar erlebbar machen.

Wichtig wäre auch, für alle Schulen der Sekundarstufe 1 ein Pflichtmodul „Berufs- und Bildungswahl“ zu konzipieren, um frühzeitig die Möglichkeiten der weiteren Ausbildung aufzuzeigen. Weiters sind die Berufsorientierungsangebote der 9. Schulstufe auf die 7. und 8. Schulstufe auszuweiten ohne Ausklammerung der allgemeinbildenden höheren Schulen. „Die Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig die betriebliche Aus- und Weiterbildung ist. Deshalb erachtet es die AK Vorarlberg als unentbehrlich, dass die Zielgruppe der Niedrigqualifizierten in den Fokus der Personalentwicklung und der betrieblichen Weiterbildungsplanung rückt. Betriebe müssen sich angesichts dieser Zielgruppe nicht nur als Produktions-, sondern auch als Lernort verstehen“, so Hämmerle.


Endstation Bildungsabbruch?

Zweite Chance Bildung. Lernwege für Niedrigqualifizierte in Vorarlberg

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen
Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK