18.6.2018
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Nachhilfe: Mehr Bedarf, weniger Ausgaben

Das Thema Nachhilfe bleibt ein heißes Eisen. Rund 10.000 der 48.000 Schüler in Vorarlberg bekamen im laufenden Schuljahr eine bezahlte oder unbezahlte Nachhilfe. Zwölf Prozent der Schüler wird die Nachhilfe von der Schule nahegelegt. Auch wenn insgesamt die Kosten für bezahlte Nachhilfe sinken, der Bedarf hat zugenommen. 

Pünktlich vor den großen Ferien legt das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) die große Nachhilfestudie im Auftrag der AK vor. Die Gesamtbelastung für Nachhilfe beläuft sich für Vorarlbergs Haushalte auf 3,9 Millionen Euro, verringert sich also gegenüber 2017 um 15 Prozent. Beim Leiter des AK-Bildungsbereichs, Gerhard Ouschan, hält sich die Freude des Rückgangs angesichts der Tatsache, dass der tatsächliche Bedarf für Nachhilfe nicht gesunken ist, in Grenzen. „Insbesondere die Verdoppelung der Nachhilfe in der Volksschule bereitet uns Kopfzerbrechen.“ „Nicht nur, dass 15 Prozent der Volksschüler Nachhilfe nehmen müssen, 11 Prozent der Volksschüler erhalten diese Empfehlung direkt von der Schule.“ Ouschan versteht nicht, dass Eltern bereits in der Volksschule für den Schulerfolg ihrer Kinder neben den Steuerabgaben auch noch zusätzlich investieren müssen.

Es liegt nicht an den Eltern 

„Eltern müssen sich oft anhören, dass sie mehr mit ihren Kindern lernen sollen. Tatsächlich stellen wir bei der Befragung wiederum fest, dass das zeitliche Engagement sehr hoch ist“, bemerkt Ouschan. Zwei Drittel der Eltern von Volksschülern üben täglich oder mehrmals in der Woche mit ihren Kindern. In der Neuen Mittelschule sind es immer noch 54 Prozent und in der AHS-Unterstufe immerhin noch 43 Prozent. 

Eltern wollen qualitativ gute Förderung 

Einen sehr positiven Effekt zur Eindämmung der Nachhilfe hat sowohl bundesweit als auch in Vorarlberg die schulische Nachmittagsbetreuung – entweder im Rahmen der Ganztagsschule oder in einer anderen Form. Das sehen auch die Eltern so. „Sie gaben der Nachmittagsbetreuung in Vorarlberg sehr gute Noten“, sagt Gerhard Ouschan. „Die Qualität der schulischen Förderung spielt beim Nachhilfebedarf eine wesentliche Rolle und kann nur im Zusammenspiel mit dem Unterricht gesteigert werden.“ Deshalb fordert der Leiter der AK-Bildungspolitik den Ausbau ganztägiger, schulischer Angebote, bei denen Unterricht, Freizeit, individuelle Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen über den Tag verteilt stattfinden. Diese Forderung kommt auch aus jedem zweiten Haushalt – unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern – eine Forderung, die jedes Jahr bei den Eltern stärker wird. 

Besonders hervorzuheben ist, dass externe Nachhilfe vor allem jene Eltern für ihre Kinder benötigen, die selbst keinen hohen Schulabschluss haben und sich damit auch schwerer tun, den Kindern in schulischen Belangen zur Seite zu stehen. „Das ist zugleich auch jene Gruppe von Eltern, die für externe Nachhilfe nicht sehr große finanzielle Ressourcen zur Verfügung hat“, so Ouschan. 

„Qualitative Schulentwicklung muss die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse unserer Kinder berücksichtigen. Dementsprechend brauchen wir differenzierte Maßnahmen der Unterstützung. Leistungsstarke und eben auch leistungsschwächere Kinder benötigen die für ihre individuelle Leistungsentwicklung adäquate Förderung und das sollte nicht in Bildungsreformpapieren festgeschrieben werden müssen“, plädiert Ouschan für eine indexbasierte Schulfinanzierung nach sozialen Kriterien und den Ausbau der Ganztagsschulen.

Nachhilfe-Studie 2018 der AK Vorarlberg – Die wichtigsten Ergebnisse  

  • Ein Fünftel der Vorarlberger Schüler/-innen nimmt im laufenden Schuljahr Nachhilfe in Anspruch. Das ist eine Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwölf dieser 20 Prozent greifen auf bezahlte Nachhilfe zurück, acht Prozent auf unbezahlte. 
  • Die bezahlte Nachhilfe ist rückläufig (-2 Prozent). Damit liegt Vorarlberg erstmals deutlich unter dem Bundesschnitt (15 Prozent).  
  • Insgesamt geben die Vorarlberger Eltern bis Ende des laufenden Schuljahres weniger Geld (3,9 Millionen Euro) für bezahlte Nachhilfe als noch im vergangenen Jahr aus (4,6 Millionen Euro).  
  • Für die bezahlte Nachhilfe wurden in Vorarlberg im laufenden Schuljahr zu deutlich höheren Anteilen Studenten/-innen (28 Prozent) und Mitschüler/-innen eingesetzt. Dieser Trend zeigt sich auch bundesweit. Ein Drittel der bezahlten Nachhilfe erfolgt in Vorarlberg über Lerninstitute, in drei von zehn Fällen wurde eine Lehrkraft engagiert. 
  • Die durchschnittlichen Kosten pro Nachhilfe-Schüler belaufen sich im laufenden Schuljahr und in den letzten Sommerferien auf etwa 670 Euro (2017: 690 Euro). 
  • Von jenen Eltern, die keine bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder in Anspruch genommen haben, hätten sechs Prozent gerne auf bezahlte Nachhilfe während des Schuljahres zurückgegriffen. Dieser Wert hat sich gegenüber 2017 verdoppelt.
  • Für 29 Prozent (-7 Prozent) der Schulkinder wird Nachhilfe für eine Nachprüfung organisiert oder dafür, eine negative Note zu verhindern. Bei Schülern mit bezahlter Nachhilfe trifft das auf 39 Prozent (-2 Prozent) zu.
  • 15 Prozent der Volksschüler/-innen erhalten Nachhilfe, davon die Hälfte bezahlt. Für zwölf Prozent der Volksschüler, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, wird diese organisiert, um die Aufnahme ins Gymnasium zu ermöglichen. 
  • Mathematik ist nach wie vor jenes Fach, für das am häufigsten – wenn auch stark rückläufig – Nachhilfe benötigt wird (55 Prozent; 2017: 66 Prozent). Um elf Prozent auf 35 Prozent gestiegen ist der Nachhilfebedarf in Deutsch. 
  • 42 Prozent der Haushalte, die für externe Nachhilfe zahlen müssen, beschreiben sich dadurch als finanziell sehr stark bzw. spürbar belastet.  
  • Zwölf Prozent der Vorarlberg Schüler/innen wurde seitens einer Lehrkraft eine externe Nachhilfe nahegelegt.
Forderung der AK Vorarlberg

Ausbau von Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht und Qualitätskontrollen. Die Entwicklungen müssen sich an den Kompetenzen orientieren, die unsere Kinder auf dem Weg zum Erwachsenwerden benötigen. Also mehr als fachgebundenes, kognitives Wissenstraining. Erst dann entsteht ein Gesamtpaket aus kultureller, praktischer, sozialer und personaler Bildung.


Zudem benötigen Eltern mehr Informationen darüber, was unter „verschränkter“ Ganztagsklasse (Unterricht, Üben, Sport und Freizeit sind über den ganzen Tag verteilt) zu verstehen ist. Das Nachhilfe-Monitoring zeigt ganz klar, dass Nachhilfe durch die Ganztagsschule eingedämmt werden kann.


Eine indexbasierte Mittelverteilung in der Schulfinanzierung soll sicherstellen, dass alle Kinder bestmögliche Chancen erhalten, unabhängig vom sozialen Status ihrer Familien. Dadurch können Schulen verstärkt auf diese Situationen reagieren und durch eine ergebnisorientierte Autonomie die notwendigen Akzente setzen und Ressourcen bedarfsgerecht einsetzen. Das wiederum bedeutet auch, dass Schule „vernetzter“ gedacht werden muss. Um die Qualität der Schulstandorte zu verbessern, braucht es das Zusammenwirken aller Interessenpartner zum Wohl unserer Kinder.


Aufwertung der Elementarpädagogik und frühen Bildungsjahre. Je besser die pädagogische Qualität im Kindergarten und dann in der Volksschule ist, desto größer sind die Bildungschancen der Kinder und damit später auch die Chancen am Arbeitsmarkt und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Insbesondere die qualitative Ausgestaltung des Übergangs zwischen Kindergarten und Volksschule muss den Eltern die Sicherheit geben, dass ihr Kind mit dieser Situation auch tatsächlich zurechtkommt und die notwendige Unterstützung erfährt.


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