27.02.2013
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Lehrerausbildung steht vor großer Reform

Eine neu geregelte Ausbildung für Pädagogen soll ab dem Studienjahr 2016/2017 mehr junge Menschen für den Lehrerberuf begeistern und auch Quereinsteigern einen schnelleren Einstieg ermöglichen.


Im Vorschlag des Entwicklungsrates für die „Pädagogenausbildung NEU“ an die Bundesregierung gibt es mehrere mögliche Varianten, die sich in drei Bereiche aufgliedern lassen: Elementar- beziehungsweise Primarbereich, Sekundarstufe und der Quereinstieg von bisher nicht pädagogisch gebildeten Fachkräften.
Noch ist es aber nicht mehr als ein Vorschlag, der teilweise heftig kritisiert wird. So sehen die Uni-Rektoren durch die verpflichtende Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen Tür und Tor für politische Einflussnahme geöffnet. Experten bemängeln zudem, dass ohne ein neues Dienst- und Besoldungsrecht die Attraktivität des Berufes nur in begrenztem Maße ansteige.

Theorie und Praxis

Anfangs soll die Eignung der Kandidaten durch „entsprechende Verfahren“ geprüft werden. Wie genau das aussehen soll, wird im Vorschlag nicht beschrieben. Dies könnte aber auch durch eine Verordnung geregelt werden. Der Gedanke liegt aber nahe, dass es Einstufungstests geben wird, möglicherweise mit einem anschließenden kommissionellen Gespräch, in dem Motivation und Kompetenz des jeweiligen Bewerbers festgestellt werden.
Allem voran steht ein Bachelorstudium, welches acht Semester dauern und jeweils 240 ECTS-Punkte (siehe Kasten „Stichworte“ am Ende des Artikels) umfassen soll. Danach folgt eine ein- bis zweijährige Induktionsphase, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Verpflichtend für eine weitere Anstellung ist für alle das abschließende Masterstudium.

Die Studiengänge für den Elementar- beziehungsweise Primarbereich und die Sekundarstufe sind sehr ähnlich geplant, was eine höhere Durchlässigkeit versprechen würde. Künftig müssten für einen Wechsel zwischen verschiedenen Schultypen möglicherweise nur noch stufenbezogene Elemente in Form von einzelnen Modulen nachgeholt werden. Das System sieht auch eine Trennung der Sekundarstufe in zwei Typen vor, was sich allerdings erst beim Masterstudium durch den Umfang der ECTS-Punkte bemerkbar machen würde. In der Sekundarstufe liegt der Fokus auf schulfachbezogenen Fachwissenschaften und Didaktik, im Elementar- bzw. Primarbereich auf den Anforderungen an den Altersbereich der unterrichtet werden soll.

Die Masterstudien in beiden Bereichen umfassen mindestens 60 ECTS-Punkte und muss, wie es im Vorschlag heißt, „Bezug zur pädagogischen Tätigkeit und zur Wissenschaft“ haben. Die ECTS-Punkte erhöhen sich auf jeweils 90, wenn Elementar- und Primarbereich abgedeckt werden sollen oder wenn der Anwärter die Möglichkeit haben will, beide Sekundarstufen unterrichten zu dürfen.

Leichter Quereinstieg

Interessant könnte das neue System auch für Quereinsteiger besonders im berufsbildenden Bereich werden. Hier werden auch angehende Pädagogen ohne tertiären Hintergrund angesprochen. So kann eine facheinschlägige Berufsabschlussprüfung, wie beispielsweise die Meisterprüfung oder eine Konzessionsprüfung, 180 ECTS-Punkte ersetzen. Das Bachelorstudium würde bei entsprechender zusätzlicher Berufserfahrung nur noch 60 Punkte erfordern.

Im selben Maß können auch tertiär ausgebildete Anwärter maximal 180 Punkte ersetzen, wie zum Beispiel Absolventen aus den Bereichen Wirtschaft oder Agrar und Umwelt. Mit zusätzlichen 60 Punkten können so Wirtschaftspädagogen oder Agrar- und Umweltpädagogen ausgebildet werden.
Damit eine Umsetzung der neuen Lehrerausbildung aber tatsächlich 2016/2017 starten kann, ist ein Beschluss noch vor dem Sommer diesen Jahres nötig.

Stichworte
Elementarbereich
Kindergarten und Vorschulbereich

Primarstufe
Volksschule und Sonderpädagogische Anstalten derselben
Schulstufe

Sekundarstufe I
Mittelschulen, Polytechnische Schulen, Sonderpädagogische
Anstalten derselben Schulstufe, Allgemeinbildende Unterstufen

Sekundarstufe II
Allgemein- und Berufsbildende Mittel- und Oberstufen (AHS,
BORG, HTL, HLW, …), Berufsschulen

Tertiärbereich
Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen,
Kollegs, Akademien

Induktionsphase
Begleitete Einführungsphase für neue Lehrer, in der sie von der Pädagogischen Hochschule oder der Universität „gecoacht“ werden. Sie muss positiv abgeschlossen werden, um das Master-Studium anschließen zu können.

ECTS-Punkte
ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) ist ein europaweit gültiges Punktesystem und drückt das durchschnittliche Arbeitspensum oder den Arbeitsaufwand für Lehrveranstaltungen in Punkten aus. Ein ECTS-Punkt
bedeutet 25 Echtstunden an tatsächlichem Arbeitsaufwand
der Studierenden.


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