26.6.2014
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Früher Bildungsabbruch: Für Migranten ist das Risiko hoch

Jugendliche, deren Umgangssprache nicht Deutsch ist, haben in Vorarlberg ein sechsfach höheres Risiko, nach der Pflichtschule keine weiterführende Ausbildung zu absolvieren. 

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat für die Arbeiterkammer eine Untersuchung über den Bildungsabbruch und dessen Gründe in Österreich durchgeführt. Rund 75.000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren konnten im Jahr 2012 nach der Pflichtschule keinen weiterführenden Abschluss machen. Das sind fast acht Prozent der gesamten Altersgruppe. 

„Diese Ergebnisse müssen wir ernst nehmen und für Vorarlberg genau analysieren“, sagt Gerhard Ouschan, Leiter des AK-Bildungsbereichs. Deshalb wolle man im Herbst die Studienautoren nach Vorarlberg holen, um deren Einschätzung über die Aussagekraft der Untersuchung für das Ländle in der Breite diskutieren zu können. 

Kleine Erfolge

Seit 2008 lässt die Arbeiterkammer regelmäßig untersuchen, wie sich der Anteil der so genannten frühen Bildungsabbrecher an allen Jugendlichen in Österreich entwickelt. Einen kleinen Erfolg gibt es: Im Jahr 2008 hatten genau zehn Prozent der 15- bis 24-Jährigen keinen weiterführenden Abschluss nach der Pflichtschule, im Jahr 2012 waren es nach der vorliegenden Untersuchung 7,9 Prozent. Das sind aber immer noch 75.000 Betroffene. 

„Jeder Einzelne, der aus dem Bildungssystem ohne vollwertigen Abschluss ausscheidet, ist einer zu viel. Das verursacht Kosten in vielen nachfolgenden Systemen, wie etwa dem Sozialsystem oder beim Arbeitslosengeld und verstärkt bei den Betroffenen das Gefühl der Ungerechtigkeit“, so Ouschan. 

Schere in Vorarlberg weit geöffnet

Dramatisch ist vor allem, wer vom frühen Bildungsabbruch betroffen ist: Besonders schwer haben es Kinder, deren Eltern selbst nur die Pflichtschule abgeschlossen haben. Von ihnen haben 18,2 Prozent keinen weiterführenden Abschluss. Unter den Kindern von Zugewanderten sind in der ersten Generation 22,6 Prozent frühe Bildungsabbrecher, in der zweiten Generation 13,4 Prozent. 

In Vorarlberg ist die Schere so weit geöffnet wie in keinem anderen Bundesland. 2,8 Prozent der deutschsprachigen Schüler bleiben ohne Pflichtschulabschluss, bei den nichtdeutschsprachigen sind es 16,9 Prozent (Österreichdurchschnitt: 2,7 und 9,6 Prozent). Dabei handelt es sich um Jugendliche, die im Schuljahr 2008/09 14 Jahre alt waren und bis 2010/11 noch keinen positiven Pflichschulabschluss erreicht haben. 

Einen direkten Zusammenhang sieht die Studie auch mit dem Ausmaß der Überrepräsentation von Migranten in Sonderschulen. In Vorarlberg sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte mit 73 Prozent in Sonderschulen sehr häufig anzutreffen, der durchschnittliche Wert für Österreich liegt bei 52 Prozent. „Es ist beschämend, dass wir in Österreich im 21. Jahrhundert alle Hebel auf Exklusion stehen haben und intelligente, lernwillige junge Menschen in einen Teufelskreis schicken, aus dem sie nur sehr schwer und mit Glück wieder herauskommen“, so Ouschan.

Zweite Chance durch Weiterbildung

Neue AK-Studie „Endstation Bildungsabbruch? Zweite Chance Bildung. Lernwege für Niedrigqualifizierte in Vorarlberg.“ soll Lösungen aufzeigen.

Bildungszuschuss

Wei­ter­bil­dung für mög­lichst viele Per­so­nen

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