27.2.2014
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„Vorarlberg muss in Sachen Bildung mutiger vorangehen“

Nachhaltige Bildungspolitik wäre auch auf Landesebene möglich, insbesondere bei der Schulautonomie, wo Vorarlberg als Modellregion etwas zeigen könnte. Tatsächlich aber herrscht Chaos in der Bildungspolitik des Landes.

Bei einem Test in Mathematik, der Bildungsstandards an Volksschulen sichtbar machen sollte, belegten Vorarlberger Kinder den letzten Platz. Die Einführung der Bildungsstandards und deren regelmäßige Überprüfung soll den Fokus auf die Kompetenzen der Schüler richten und zur Reformierung des Schulwesens beitragen.

Eine öffentliche Diskussion der Einzelergebnisse wird vermieden, um einen „Wettbewerb zwischen Bundesländern oder Schulen erst gar nicht aufkommen zu lassen“, heißt es dazu aus dem Unterrichtsministerium. Konkrete Zahlen werden unter Berufung auf den Datenschutz nur den Schulen mitgeteilt, die so auf ihre Schwachstellen aufmerksam gemacht werden und damit arbeiten sollen. 

Zurück zur Tagesordnung

„Eine Überprüfung des Lernfortschrittes und definierter Standards ist nicht falsch, aber man sollte schon vorher wissen, was man mit den Ergebnissen letztlich machen will. Bei uns wird einfach erhoben, ein bisschen was wird öffentlich gemacht, der mediale Wirbel hält ein paar Wochen an und danach kehren alle zurück zur Tagesordnung“,sagt der Bereichsleiter der AK-Bildungspolitik, Gerhard Ouschan.

Man dürfe die Frage der Volksschule auch nicht losgelöst von der Bildungslaufbahn davor und danach betrachten. Vielmehr müsse von der Elementarpädagogik bis hin zur Trennung der Kinder mit zehn Jahren in differenzierte Schultypen alles auf den Prüfstand gestellt werden. 

Warten bis Mai 2015

Die Landesregierung hat in der Schulfrage im Moment eine ganz klare Position, nämlich abzuwarten. Erst sollen die Ergebnisse eines Projektes ausgewertet werden, das sich mit der Schule der 10- bis 14-Jährigen auseinandersetzt. Das heißt warten bis Mai 2015. Damit spart man sich eine Diskussion der brisanten Bildungsfragen bis zur Landtagswahl am 21. September diesen Jahres. „Dabei zeigt dieses Forschungsprojekt auf, wo angesetzt werden muss“, so Gerhard Ouschan, der sich in einem Workshop selbst von der Qualität des Projektes überzeugen konnte. Häufig wird die Tatenlosigkeit auch mit dem Verweis auf die Zuständigkeit des Bundes erklärt. Dabei könnte das Land auch ohne Einbindung des Bildungsministeriums einige Dinge autonom regeln. 

„Wir gehen zu wenig weit“

Die Pflichtschulen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Auf die Frage des Standortes und der Zusammensetzung der Klassen wird bei der Personalzuweisung zu wenig Rücksicht genommen. Dazu Silvia Benzer, Direktorin einer Volksschule in Wolfurt und Bildungssprecherin für die Freiheitlichen im Landtag, im Gespräch mit der AKtion: „Vorarlberg ist in der Frage des Personalschlüssels in Ausnahmefällen flexibel, sonst könnten Kleinschulen bei uns schon lange nicht mehr existieren. Aber wir gehen zu wenig weit. Den Schulen wäre enorm geholfen, wenn  es eine sozialindexierte Personalzuweisung geben würde.“

Heißt: Man betrachtet die spezifische  Situation an den Schulstandorten, reagiert darauf und schafft so mehr Chancengerechtigkeit für Kinder mit ihren individuellen Bedürfnissen. In anderen Regionen, wie  Zürich oder Holland, zeigt eine Personalpolitik dieser Art große Erfolge.

Direktoren können derzeit nur sehr  eingeschränkt autonom reagieren. Es ist jedoch notwendig, dass der Personaleinsatz rasch und  unbürokratisch vor Ort entschieden  werden kann und nicht durch Formulare und Ansuchen verzögert wird. „Autonomie für die Schulen und Freigabe von Stundenkontingenten könnten Probleme von heute auf morgen lösen. So müssen vor  allem im Schuleingangsbereich zwei statt einem Lehrer in den Klassen zum Einsatz kommen. Dafür müsste man nur die Stundenkontingente freier gestalten können“, so Benzer.

Es sei auch eine Frage des Festhaltens an Zuständigkeiten. Wenn Probleme auftauchen, müsse man oft lange zuwarten, bis die Situation sich bessert, zum Schaden des Kindes und auch des Klassenverbandes. Durch den Abbau von Bürokratien und die Stärkung der Führungskräfte an den Schulen wäre ihrer Meinung nach ein großer Schritt getan. Unter anderem brauche es auch eine weitere Initiative zur administrativen Entlastung der Schulleiter, damit erfolgreiche  Schulentwicklung vor Ort stattfinden könne.

Für Ouschan reagiert das Land zu zögerlich auf die Herausforderungen. „Man stopft Löcher wo sie sich gerade auftun, ruft Programme ins Leben die das gröbste abfedern. Einen klaren Plan vermisse ich allerdings. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und damit um unsere Gesellschaft insgesamt. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, Schritte zu setzen. Der Bund hinkt schulisch müde hinterher, trauen wir uns mutig voranzulaufen und den Rest mitzuziehen“, so Ouschan.

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