13.3.2018

Veränderte Nachfrage durch Digitalisierung

Technische Neuerungen haben die Wirtschaft seit jeher geprägt, die digitale Vernetzung wird allerdings grundlegende Veränderungen mit sich bringen. Schrittweise Automatisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen werden dafür sorgen, dass alte Jobs verschwinden. Durch neue digitale Produkte und Dienstleistungen werden aber auch neue Jobs entstehen. Über das genaue Ausmaß dieser Arbeitsmarkteffekte gehen die wissenschaftlichen Meinungen auseinander. Allerdings wissen wir, dass Berufe, die stark durch Routinetätigkeiten geprägt sind, tendenziell eher automatisierbar sind, etwa in der Fertigung oder auch im Bankgeschäft.

Die grundlegende Erkenntnis hier ist, dass wir darüber entscheiden, wie diese Entwicklungen stattfinden sollen. Technischer Fortschritt als auch die Wirtschaft sind Prozesse, die sich innerhalb von gestaltbaren Rahmenbedingungen bewegen und dadurch beeinflussbar sind. Rechtliche Vorschriften, Kontrollen und Anreize für Unternehmen als auch das Herstellen von ausgewogenen Machtverhältnissen kann viel dazu beitragen, die Digitalisierung so positiv wie möglich zu gestalten. Denn nur wenn alle betroffenen Akteure die Prioritäten dieser Prozesse festlegen können, kann aus technischem und wirtschaftlichem Fortschritt auch sozialer Fortschritt werden.

Jeder Arbeitsplatz, der durch die Digitalisierung entsteht, ist prinzipiell zu begrüßen – hier sehen wir die wichtigsten Aufgaben in der Qualitätssicherung. Gute Arbeitsbedingungen und der Arbeitnehmerschutz müssen gewährleistet bleiben, sowohl bei traditionellen als auch bei neuen Formen der Beschäftigung. Im aktuellen Kapitel gilt unsere Aufmerksamkeit vor allem jenen Arbeitsplätzen, die durch die Digitalisierung verloren gehen werden.

Hier ist es ein Trugschluss zu glauben, dass Arbeitnehmer mit wegrationalisiertem Tätigkeitsbereich Ballast sind, den man beim technologischen Fortschritt über Bord werfen kann. Mit jedem Arbeitnehmer, der durch den digitalen Wandel langfristig aus dem Erwerbsleben fällt, wird wirtschaftliches Wachstum weniger nachhaltig und gerecht. Demnach verstehen wir die Aufgabe von aktiver Arbeitsmarktpolitik nicht lediglich im „Auffangen des Ballasts“ von Unternehmen. Vielmehr geht es darum, vorausschauend zu agieren, Verantwortung vonseiten der Wirtschaft einzufordern und Arbeitslose als mündige Menschen in ihren Wiedereingliederungsprozess miteinzubeziehen.  

Um auf die Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung optimal reagieren zu können, setzen wir uns für verstärkte Diagnostik und Prognose des Kompetenzbedarfs in Unternehmen ein. Können so jene Tätigkeitsprofile identifiziert werden, die mittelfristig abgebaut werden sollen, helfen zeitgerechte Weiterbildung und Vermittlung dabei, Perioden tatsächlicher Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Arbeitsstiftungen sind ein gutes Mittel, um diese Ziele wirksam umzusetzen und die Verantwortung dafür gerecht aufzuteilen. Durch Beiträge von Unternehmen und anderen Finanzierungspartnern wie etwa dem Arbeitsmarktservice (AMS), dem Land oder den Gemeinden werden Maßnahmen – etwa zur raschen Qualifizierung – für Mitarbeiter finanziert, deren Arbeitsplatz durch Digitalisierungsprozesse in naher Zukunft vernichtet wird. Die betroffenen Mitarbeiter sind jedenfalls von Kostenbeiträgen befreit. Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument bietet große Handlungsvielfalt: Je nach Betroffenheit können regionale, branchenspezifische oder unternehmensgebundene Stiftungen eingerichtet werden.


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Wir brauchen Mittel, um die negativen Effekte der Digitalisierung am Arbeitsmarkt frühzeitig zu erkennen und auszugleichen.

Forderung

Wir fordern den Einsatz von Wirtschaftsgewinnen für Digitalisierungsverlierer.

Verstärkter Einsatz von Arbeitsstiftungen in Verbindung mit einem Ausbau von Diagnostik- und Prognoseinstrumenten im Personal- und Kompetenzmanagement.