AK-Umfrage zeigt großes Interesse an Aus- und Weiterbildung

38% der Arbeitssuchenden wollen sich weiterbilden, 44% sind bereit, den Beruf zu wechseln und jede/r Zweite in Kurzarbeit ist an der Weiterbildungs-Option interessiert!

Ende Oktober, beziehungsweise Anfang November 2020 waren etwa 15.500 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger auf der Suche nach Arbeit, davon nicht ganz 2.200 in einer Qualifizierungsmaßnahme. Die Kurzarbeit ging in Phase 3, die Möglichkeit einer geförderten Weiterbildung ein Teil davon. 

Die AK Vorarlberg wollte es genau wissen und beauftragte das Meinungsforschungsinstitut Dr. Berndt mit der Durchführung einer umfangreichen Befragung. Es wurden in diesem turbulenten Zeitraum von Oktober bis Anfang November 2020 also 375 Arbeitslose und 370 Kurzarbeitende, ein für Vorarlberg repräsentatives Sample, befragt.

Wo und wie wollen sie sich weiterbilden? Finden Angebot und Nachfrage zueinander? Was sind die Hindernisse und was, die Voraussetzungen für eine gelungene Qualifizierungsoffensive?

Das möglichst rasche Up-Skilling von unmittelbar arbeitslos gewordenen Personen ist der effektivste Ansatz aktiver Arbeitsmarktpolitik. „Koste was es wolle“, darf nicht nur Betriebe gelten! Auch die Arbeitnehmer müssen möglichst gestärkt aus der Krise herauskommen. Vor Corona war die rasche Vermittlung oberste Prämisse in der Beratung von Arbeitssuchenden. Heute ist die rasche Zusatzqualifizierung mindestens so wichtig.

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Zahl der Schulungsteilnehmer*innen steigern

Das Potential ist groß: Mit 17.700 Arbeitslosen, davon in etwa 2000 in Schulung (Ende Dezember 2020) startet Vorarlberg ins neue Jahr 2021. Das sind in etwa +60% Arbeitslose und (Corona-bedingt) nur +0,2% Schulungsteilnehmer/innen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Über 20.000 Personen sind in Kurzarbeit.

Wie gefragt sind Weiterbildungsmaßnahmen bei den Arbeitssuchenden und Kurzarbeitenden? 

  • 14% der befragten Arbeitssuchenden haben, seit sie ihre Arbeit verloren haben, bereits an einer Maßnahme teilgenommen
  • 18% haben es in den nächsten eins bis sechs Monaten vor  
  • und auf 6% trifft beides zu.

Demnach haben 38% aller Arbeitssuchenden konkrete Weiterbildungspläne oder setzen diese bereits um. Bei Arbeiter/innen trifft das auf jede/n Dritte/n zu, bei Angestellten auf fast jede/n Zweite/n. Passend dazu: 38% der Arbeitssuchenden sehen eine berufliche Weiterbildung als eine große oder sehr große Chance.

  • Nur 7% der befragten Kurzarbeitenden haben seit Beginn der Kurzarbeit bereits an einer Maßnahme teilgenommen,
  • 14% haben es in den nächsten ein bis sechs Monaten vor
  • und auf 7% trifft beides zu.

Demnach haben 28% aller Kurzarbeitenden konkrete Weiterbildungspläne oder setzen diese bereits um.

Die Anteile entsprechen in etwa der Zahl derer, die bereits an einer Berufsorientierung, -beratung oder Karriereplanung teilgenommen haben oder es in Zukunft vor haben: 35% der Arbeitssuchenden und 26% der Kurzarbeitenden.

Frage: Haben Sie (seit Sie arbeitslos sind / während Ihrer Kurzarbeit) an einer Aus-/Weiterbildung (Umschulung) teilgenommen? Wollen Sie in den nächsten 1-6 Monaten eine Aus-/Weiterbildung bzw. Umschulung absolvieren? 

Balkengrafik, Interesse an Weiterbildung © AK Vorarlberg


  

Probleme beim Matching von Angebot und Nachfrage

Anscheinend gibt es Probleme beim Matching von Angebot und Nachfrage, denn wie vorhin beschrieben, ist der Anteil der Kurzarbeitenden mit konkreten Weiterbildungsaktivitäten wesentlich geringer (28%) als es die positive Einstellung vermuten lässt. 60% der Kurzarbeitenden sehen eine berufliche Weiterbildung als sehr große oder große Chance. Rechnet man diejenigen heraus, die bereits konkrete Weiterbildungspläne haben, sind es immer noch 56%, die darin eine (sehr) große Chance sehen.


Wie groß ist das Interesse an einer beruflichen Qualifizierung während der Kurzarbeit? 

In diesem Zusammenhang sind auch die Angaben der Kurzarbeitenden zu ihren Weiterbildungsplänen im Rahmen der Kurzarbeit beeindruckend. Die AK Vorarlberg hat konkret nachgefragt, wie groß das Interesse an einer beruflichen Weiterbildung während der Kurzarbeit ist - (sehr) groß sagt jede/r Zweite (49%).

Kreisdiagramm: Jede/r Zweite hat ein (sehr) großes Interesse an beruflicher Weiterbildung während der Kurzarbeit! Nur 28% setzen es um. © AK Vorarlberg

Weiterbildung während Kurzarbeit von Arbeitgebern nur wenig beworben

Da in Phase 3 der Kurzarbeit die Weiterbildung durch den Arbeitgeber angeordnet werden muss, hat die AK Vorarlberg auch gefragt, wie groß das Engagement der Arbeitgeber ist und was davon bei den Arbeitnehmern angekommen ist. Lediglich 23% haben angegeben, dass ihr Arbeitgeber seit Beginn der Kurzarbeit eine Bildungsmaßnahme nahegelegt hat. Das AMS hat für den gesamten Zeitraum 2020 nur 84 Anträge von Unternehmen für die Weiterbildungsförderung von Arbeitnehmern erhalten. Und das obwohl Arbeitgeber in der aktuellen Kurzarbeitsphase 60 Prozent der Ausbildungskosten vom AMS ersetzt bekommen würden. 

Besonders brisant bei den Arbeitssuchenden: Obwohl 55% der Befragten (sehr) zufrieden mit ihrem vorherigen Job waren, glauben nur 27%, ihren alten Beruf innerhalb des nächsten halben Jahres wieder ausüben zu können (Frauen: 23%, Männer 30%).

Große Bereitschaft, den Beruf zu wechseln

Es ist keine Überraschung, dass 44% der Arbeitssuchenden eine große oder sehr große Bereitschaft, den Beruf zu wechseln, angegeben haben (Männer 41%, Frauen 48%). Jede/r Zweite gibt als Grund dafür ein “geringes Einkommen” an, gefolgt von “Wirtschaftliche Situation”, “Unzufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit” und “schlechten Arbeitsbedingungen”, alle mit Anteilen von über 30%.

Frauen leiden unter Barrieren

Je höher der Bildungsabschluss, umso offener sind Personen gegenüber Qualifizierungsmaßnahmen. Es gibt einen markanten Unterschied bei den Geschlechtern. Frauen haben wesentlich mehr Barrieren beim Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen angegeben als Männer und sprechen unterschiedlich stark und teilweise auf andere Unterstützungen an als Männer

Die Bildungs-Offensive der AK Vorarlberg

Die AK Vorarlberg setzt in der Bewältigung dieser beispiellosen Krise auf eine Qualifizierungsoffensive. 

"Wir müssen jetzt in die Zukunft der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger investieren. Nur so können wir den bereits fortschreitenden Strukturwandel aktiv mitgestalten und möglichst viele Menschen wieder im Arbeitsmarkt integrieren.“

AK-Präsident Hubert Hämmerle und AK-Direktor Rainer Keckeis unisono

Was jetzt getan werden muss

Es gilt ein Umfeld zu schaffen, in dem es möglich ist, sich weiterzubilden oder neu zu orientieren, ohne dabei seine Existenz bzw. die der Familie zu gefährden. Hier die wichtigsten Forderungen der AK.

Die AK-Bildungsoffensive

Die AK tritt der Jobkrise mit einem umfangreichen Bildungsangebot und einem eigenen Stipendium entgegen.

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