AK-Umfrage zeigt erschreckende Ergebnisse

Große Belastungen im Ländle - Psychische & finanzielle Belastungen gestiegen

Innerhalb von etwas mehr als einer Woche haben uns fast 1.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zu den Auswirkungen des zweiten Lockdown Fragen beantwortet und uns ihre ganz persönlichen Sorgen geschildert.

Wir wollten wissen, inwiefern sich die aktuelle Situation zum vergangenen Lockdown im Frühling vergleichen lässt. Fällt es leichter oder gar schwerer, die Einschränkungen hinzunehmen und was sind die Auswirkungen davon? Haben sich die Sorgen geändert oder sind es immer noch die gleichen Themen, die uns schlaflose Nächte bereiten?

Wir haben also die UmfrageteilnehmerInnen gebeten, an den Lockdown im Frühjahr zurückzudenken und Vergleiche anzustellen.

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Die Arbeitssituation

Während im Frühjahr lediglich 39% der Befragten an ihrem Arbeitsplatz im Betrieb arbeiten konnten, sind aktuell wieder 52% am Arbeitsplatz wie gewohnt. Am zweithäufigsten gaben die TeilnehmerInnen an im Homeoffice zu arbeiten, im Lockdown 1 waren es 28%, aktuell sind es 22%. In Kurzarbeit sind aktuell nur noch 9% der Befragten, was in etwa einer Halbierung gegenüber dem Frühjahr entspricht, da waren ganze 18% von ihnen in Kurzarbeit. Im Einklang mit den kürzlich präsentierten Arbeitslosenzahlen, mussten auch 10% der TeilnehmerInnen unserer Umfrage angeben, dass sie sowohl im ersten als auch im zweiten Lockdown entweder arbeitslos waren oder als Folge der Einschränkungen gekündigt wurden.

Ein weiterer interessanter und gravierender Unterschied: Im Lockdown 1 haben doppelt so viele Leute angegeben, Sonderurlaub oder Urlaubstage beansprucht zu haben als im Lockdown 2.

"Totale Überbelastung am Arbeitsplatz im Krankenhaus"

"Arbeite im Einzelhandel. Kunden sind sehr agressiv, keine Geduld und sehr unfreundlich. Jeder Tag ist momentan eine Zumutung."

 

"Die anhaltenden finanziellen Einbußen und psychosozialen Folgen der Pandemie stellen für viele eine große Herausforderung dar und werden uns als Gesellschaft wohl noch länger beschäftigen. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes um Existenzen zu sichern ist dringend notwendig!"

Dominic Götz, AK VorarlberG

 

Die größten Sorgen

Viel ist passiert seit dem letzten Lockdown im Frühjahr: Stundungen, Hilfen, Fonds und andere Maßnahmen, die die Auswirkungen der Gesundheits- und in weiterer Folge Wirtschaftskrise, lindern sollten. Die Sorgen und vor allem ihre Bedeutung sind aber anscheinend gleich und in manchen Fällen sogar drastischer geworden. Verbesserungen gab es keine im Vergleich zum Frühjahr.

Auswertung zum Thema größte Sorgen, Balkendiagramm © AK Vorarlberg
  • 34% haben (sehr) große Sorgen wegen ihren Finanzen (keine Veränderung)
  • 65% machen sich (sehr) große Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung, das sind um 5 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr
  • 43% haben (sehr) große Sorgen wegen den Folgen der sozialen Isolation bzw. Einsamkeit (keine Veränderung)
  • von 46 auf 50% große bis sehr große Sorgen wegen psychischer Belastung (Anstieg!)

"2020 war noch zu stemmen. Alle waren anfangs positiv gestimmt. 2021 ist kein Ende in Sicht. Das zermürbt - sowohl wirtschaftlich, als auch zwischenmenschlich!"

"Durch Doppelbelastung (100% Arbeit und Pflegefall ohne fremde Hilfe daheim) dazu Corona Situation, stressig und beängstigend"


Finanzielle Not und psychische Belastung

Wir haben es geahnt und daher gleich genauer nachgefragt. Finanzielle Not und psychische Belastung spielen im zweiten Lockdown noch immer, wenn nicht sogar noch eher eine größere Rolle:

  • 30% können die derzeitige Situation eher schlecht bis gar nicht seelisch / psychisch bzw. emotional bewältigen. Der Anteil steigt auf 41% für Angestellte in der Branche Beherbergung & Gastronomie
  • 28% erwarten, dass sich ihre finanzielle Lage in den nächsten 6 Monaten etwas oder sehr verschlechtern wird
  • Nur 52% der UmfrageteilnehmerInnen haben angegeben, eine unvorhergesehene Zahlung in der Höhe von 1.000 € leisten zu können. In der Branche Beherbergung & Gastronomie sind es lediglich 20%.
  • Dazu passend geben 34% an, dass ihr derzeitiges Einkommen „gerade ausreicht“, weitere 10 Prozent geben an, dass es „nicht ausreicht“
Diagramm, Auswertung zur Frage finanzielle Not © AK Vorarlberg

"Hatte keinen Job mehr ... wir verbrauchten unser ganzes Erspartes, arbeite jetzt in einem Unternehmen, wo mir die Arbeit Null spass macht, wir haben keinen Ausgleich zu unserem stressigen Arbeitstag mehr.... soziale Kontakte werden auch immer weniger"

"Arbeitsverlust bleibt, Geldreserven aufgebraucht"


Hilfeleistung und Sonderzahlungen

Apropos Hilfeleistung und Sonderzahlungen. Auch danach haben wir gefragt und mussten feststellen, dass nur 24% der UmfrageteilnehmerInnen eine Sonderzahlung oder Beihilfe erhalten haben. In Anbetracht der oben beschriebenen Sorgen viel zu wenig. Doch selbst Angestellte der Branche Beherbergung & Gastronomie, die bekanntermaßen überdurchschnittlich hart von Arbeitslosigkeit betroffen sind, bekamen nur zu 25% finanzielle Hilfe.

"Familienhärtefonds haben wir angesucht nur leider wurde es abgewiesen."

"Versprochene Prämie vom Unternehmen nie erhalten, da freiwillig"



Erwartungen an die Zukunft

Hier ein kleiner Auszug an Kommentaren der UmfrageteilnehmerInnen zu ihren Erwartungen an die Zukunft:

"2020 beängstigend. 2021 Ungewissheit"

"Arbeit (noch) nicht verloren. Zukunft ungewiss"

"Mir graut es davor was uns wirtschaftlich und somit finanziell noch blüht"

"Viele Pleiten, Arbeitslose, Bildungsschere geht auch bei (Nicht-Migranten) stärker auseinander"

"Ich erwarte gar nichts und versuche gesund zu bleiben, zu überleben."

"Kann nur besser werden"

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Um Menschen in der aktuellen Krise aufzufangen, intensivieren AK, ifs und Caritas ihre Zusammenarbeit. Hier finden Sie eine Übersicht der Hilfsangebote, Kontaktdaten sowie weiterführende Links.

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Grundsatzpapier

Grundsatzpapier zur gemeinsamen PK von AK, Caritas und ifs

Härtefonds - Antragsfrist verlängert

Mit dem Härtefonds der AK Vorarlberg helfen wir schon seit Beginn der Krise Familien in besonderen Notlagen und werden diesen wieder bis ins nächste Halbjahr 2021 verlängern.

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