AK warnt vor „Präsentismus“ aus Angst um den Arbeitsplatz

Immer mehr arbeiten krank

Immer mehr Österreicher gehen krank arbeiten. „Dass die Arbeitslosenzahlen täglich steigen, macht den Menschen Angst“, sagt AK-Präsident Hubert Hämmerle und warnt: „Krank zur Arbeit gehen, darf sich nicht ausbreiten. Es gefährdet andere. Und so halten die Menschen nicht bis zur Pension durch.

“14.511 Menschen waren zuletzt in Vorarlberg auf Arbeitssuche, 6845 Frauen und 7666 Männer. Dass Gastronomie und Tourismus in der Pandemiebekämpfung heruntergefahren wurden, lässt die Zahl täglich steigen. „Diese Menschen brauchen zuvorderst unsere Hilfe“, betont der AK-Präsident, „damit der Zeitraum der Arbeitslosigkeit so rasch und so würdevoll wie möglich vorüber geht.“ Dazu zählt in seinen Augen auch die dringend nötige Erhöhung des Arbeitslosengeldes von 55 auf 70 Prozent für die ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit und dann eine schrittweise Absenkung auf 60 Prozent.

Dass die anderen, die noch Arbeit haben, immer öfter Raubbau an ihrer Gesundheit treiben, macht Hämmerle zusätzlich Sorgen. Der aktuelle Fehlzeitenreport belegt, dass immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich krankmelden. Im Frühjahr ist die Zahl sogar um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen – und das trotz des erleichterten Zugangs durch die telefonische Krankenstandsmeldung. Langfristig gesehen sind die Fehlzeiten von 17,4 Krankenstandstagen pro Kopf in den 80er Jahren auf ein Niveau von rund 13 Tagen pro Kopf gesunken. Einer der Gründe: Die Menschen arbeiten immer häufiger krank.

Der sogenannte „Präsentismus“ also das Phänomen, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit arbeiten gehen, spielt nicht erst seit dem Lockdown eine große Rolle mit sehr nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit der Arbeitenden und die Volkswirtschaft. So liegt nach dem Fehlzeitenreport von 2018 die Zahl der Präsentismustage durchschnittlich bei 4,5 Tagen pro Kopf und Jahr. Durch das Homeoffice hat sich diese Tendenz noch verstärkt, wie eine Studie des IFES für die AK zeigt. Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 Prozent) arbeitet eher von zu Hause als in den Krankenstand zu gehen. Beunruhigend ist der Anstieg der psychischen Erkrankungen. Sie machen laut aktuellem Fehlzeitenreport mehr als neun Prozent der Krankenstandstage aus, seit den 1990er Jahren hat sich diese Zahl fast verdreifacht!

Krankenstandsmissbrauch kommt vielleicht in Einzelfällen vor, ist aber ein absolutes Randphänomen. Deshalb begrüßt die AK, dass mit der neuen Krankenordnung endgültig klargestellt ist, dass die Krankenstandskontrollenicht in der Wohnung stattfinden muss und dass Krankenstände nicht rückwirkend vom Chefarzt storniert werden können.


„Die Beschäftigten leiden unter dem immer größer werdenden Druck. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr“, warnt der AK-Präsident. Gerade jetzt in der Pandemie zeigt sich: „Klare Regeln zum Krankenstand sind dafür da, den Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Krank arbeiten gehen, darf sich nicht ausbreiten, so halten die Menschen nicht gesund bis zur Pension durch.

“BU: Krank arbeiten gehen darf sich nicht ausweiten, warnt AK-Präsident Hubert Hämmerle.

Newsletter

Ihre Rechte als Arbeitnehmer:in, Konsumentenschutz, Steuertipps, Weiterbildung u.v.m.

Newsletter

Ihre Rechte als Arbeitnehmer:in, Konsumentenschutz, Steuertipps, Weiterbildung u.v.m.