27.11.2014
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6 von 10 Vorarlbergern gegen Sonntagsarbeit

In 15 Jahren ist die Zahl der Befürworter einer generellen Freigabe der Sonntagsarbeit nur um ein Prozent auf 25 gestiegen. 60 Prozent der befragten Vorarlberger sagen „Nein“ und wollen freie Sonntage behalten.

Soll der Sonntag als Arbeitstag freigegeben werden? Noch erklärt das Feiertagsruhegesetz aus 1957 die Sonntage zu gesetzlichen Ruhetagen. Doch der Widerstand der Wirtschaft wächst: Immer mehr Kaufkraft wandere ins Internet ab, heißt es. Die Innenstädte veröden, wenn der Handel nicht bald flexibel die Kurve kratze …

Die Befürworter des arbeitsfreien Sonntags wie Bischof Benno Elbs und AK-Präsident Hubert Hämmerle sehen diese Entwicklung auch. Aber sie schätzen den freien Sonntag als „Zeitwohlstand und Lebensqualität“ (Elbs) zu sehr, um ihn leichtfertig preiszugeben. Was sagt die Bevölkerung?

Widerstand schwindet

Vor 15 Jahren erteilten noch 66 Prozent der Vorarlberger der Sonntagsöffnung eine klare Absage, heute sind es 60 Prozent. Die Zahl der Befürworter wuchs zwar nur von 24 auf 25 Prozent, dafür ist es heute zwölf Prozent der Befragten einfach egal. Ihre Zahl wuchs in 15 Jahren um ein Drittel an. 

Dass heute fast jede dritte Frau den Sonntag als Arbeitstag freigeben würde (1999 waren es 18 Prozent), erstaunt zunächst. Aber, so Meinungsforscher Berndt: „Frauen erheischen einen leichteren Einstieg ins Berufsleben durch Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigungen am Sonntag.“

Umfrage zur Sonntagsarbeit © AK, AK

Wie in den Urlaubsländern

Und wie begründen die Befürworter ihre Zustimmung zur Freigabe des Sonntags? Fast jeder Dritte (29 Prozent) schätzt die Einkaufsmöglichkeit. Diese Zahl ist seit 1999 (3 Prozent) enorm angestiegen. Urlaubserlebnisse stehen Pate, in den USA und in Japan ist Einkaufen am Sonntag normal. Auch der Vorarlberger Handel blieb nicht untätig: Schon lange gibt es Einkaufstage bis 20 Uhr, die Öffnungszeiten am Samstag wurden massiv verlängert, da scheint der Sonntag der logische nächste Schritt.

32 Prozent der Befürworter von Sonntagsarbeit sagen heute: Arbeiten am Sonntag gehört längst zum Beruf. Schon jetzt arbeiten 722.000 Menschen in Österreich – deutlich mehr als die Hälfte davon Frauen – regelmäßig am Sonntag. Das geht aus den zuletzt verfügbaren Daten aus 2012 hervor. Und die Gruppe der Betroffenen wächst. Ein Argument derer, die am Sonntag arbeiten, lautet: „Gleiche Rechte und Pflichten für alle.“ Doch so einheitlich präsentiert sich die Riege der Befürworter nicht. Dass ein freier Werktag mehr bringt als der Sonntag, glauben nur noch 16 gegenüber 38 Prozent der Befürworter. Auch das höhere Gehalt führen nur mehr neun Prozent gegenüber 19 ins Treffen.

Planbare Freizeit im Vordergrund

Und die Anhänger des freien Sonntags? Die sehen weder eine wirtschaftliche Notwendigkeit (24 Prozent) noch finanzielle Vorteile für die Arbeitnehmer (10 Prozent). Statt 52 Prozent 1999 führen 2014 nur mehr 36 Prozent der Befürworter familiäre Gründe für den freien Sonntag ins Treffen. Die Zahl der Erholungssuchenden unter den Befürwortern stieg indessen von 26 auf 33 Prozent, die Zahl derer, die aus Gewohnheit und Tradition auf den freien Sonntag nicht verzichten wollen, sank von 22 auf 8 Prozent der Befürworter.  Für AK-Präsident Hämmerle unterstreicht die Umfrage die Brisanz des Themas. Er bezweifelt, dass mit dem Sonntag die Umsätze steigen. In Summe würden die Kleinunternehmer zugunsten der Großen draufzahlen. „Das kann auch Arbeitsplätze kosten.“


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