11.6.2013
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Österreich steht im EU-Vergleich gut da

Österreich steht im EU-Vergleich relativ gut da. Mit 4,9% haben wir die niedrigste Arbeitslosenquote (April-Wert ist letzter verfügbarer Wert; EU-Durchschnitt: 11%). Die Beschäftigung ist in den vergangenen Jahren laufend angestiegen, mit einer Beschäftigungsquote von 72,5% (2012) liegen wir im obersten Fünftel der EU 27. Mit ein Grund für die bessere Krisenbewältigung ist, dass die Regierung in enger Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern rasch Maßnahmen gesetzt hat. Dabei hat sich Österreich dafür entschieden, viele Empfehlungen von OECD und EU-Kommission nicht umzusetzen, sondern einen anderen Weg zu gehen. Deshalb steht Österreich besser da.

„Dennoch gibt es auch bei uns Handlungsbedarf. Um gut zu bleiben, müssen wir in einigen Bereichen besser werden“, stellen der Präsident der Bundesarbeitskammer, Rudi Kaske und der Präsident der AK Vorarlberg, Hubert Hämmerle, klar. Gemeinsam fordern Kaske und Hämmerle eine Qualitätssicherung bei der Lehrausbildung. Zugleich brauche es auch Maßnahmen, um die Betriebe zur Schaffung alternsgerechter Arbeitsplätze zu bewegen.

Die Fakten
  • Bei der Lehrlingsausbildung gibt es Handlungsbedarf. Von den 57.511 Lehrlingen, die 2011 zur Abschlussprüfung antraten, fielen 10.071 Lehrlinge durch. 3.000 bis 4.000 traten Schätzungen zufolge gar nicht an. Beinah jeder vierte Lehrling stand also am Ende seiner Ausbildung ohne Abschluss da.

  • Die Beschäftigung der Personen über 55 Jahren ist in den vergangenen Jahren zwar angestiegen – allerdings weit weniger als die Arbeitslosigkeit. Von 2008 auf 2012 ist die unselbstständige Beschäftigung der Altersgruppe „55+“ um 20% angestiegen, allerdings ist die Zahl der Arbeit Suchenden Personen (inkl. Menschen, die sich in Schulungen des AMS befanden) um 35% gestiegen!

  • Die Beschäftigungsquote der älteren ArbeitnehmerInnen liegt in der unteren Hälfte der EU-27. 2012 betrug die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen in Österreich 43,1%, im EU-Durchschnitt lag sie bei 48,9%. Spitzenreiter ist Schweden mit 73%.

Für die Wiedereinführung eines Bonus-Malus-Modells

Die Erfahrung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein Schatz. Sie tun sich dennoch extrem schwer am Arbeitsmarkt. „Einmal arbeitslos, ist es für ältere wesentlich schwieriger, wieder einen Arbeitsplatz zu finden“, sagt der Präsident der Bundesarbeitskammer, Rudi Kaske.

„Man kann einen Zustand beklagen und die Hände in den Sack stecken. Oder man kann intelligente Lösungen umsetzen“, gibt sich Hämmerle mit dem Los einer steigenden Zahl an Menschen nicht zufrieden, angeblich „zu alt“ für einen Job zu sein. Kaske und Hämmerle fordern deshalb die Wiedereinführung eines Bonus-Malus-Modells. Mit einer sozialversicherungs-rechtlichen Änderung soll zweierlei erreicht werden: Einerseits sollen Unternehmen belohnt werden, wenn sie Personen der Generation 50+ einstellen, andererseits sollen ältere Mitarbeiter länger im Betrieb gehalten werden.

Kluge Betriebe setzen auf Generationen-Management

Damit die Alterung in unserer Gesellschaft auch in der Arbeitswelt entsprechend abgebildet wird und die Betriebe alternsgerechte Arbeitsplätze schaffen, braucht es Verhaltensänderungen in den Betrieben ebenso wie ein nachhaltiges aktives Generationen-Management. „Es geht darum, die Zusammenarbeit älterer und jüngerer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu fördern und die Stärken und Schwächen der verschiedenen Generationen mehr zu berücksichtigen“, sagt Hämmerle.

Ebenfalls nicht genug gefördert werden könne die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). „Dabei handelt es sich nicht um den berühmten gesunden Apfel, sondern vielmehr um einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem es vor allem auch um wertschätzenden Umgang untereinander oder um Führungsverhalten geht“, erklärt der Präsident der AK Vorarlberg. Auch eine Studie der Bundesarbeitskammer bestätigt den Nachholbedarf vieler Betriebe. Bei der Erhebung aus dem Jahr 2009 gaben 70 Prozent der befragten ArbeitnehmerInnen an, in den vergangenen fünf Jahren an keinen Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung teilgenommen zu haben.

Sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren

Die körperliche Leistungsfähigkeit von Menschen nimmt mit zunehmendem Alter ab. Gleichzeitig nimmt die Erholungsfähigkeit im Alter ab. „Es ist daher ein Gebot der Stunde, dafür zu sorgen, dass Menschen möglichst lange gesund an ihrem Arbeitsplatz tätig sein können. Deshalb fordern wir auch vehement die Einführung einer sechsten Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren und zwar unabhängig davon, ob sie beim selben Dienstgeber geleistet wurden oder nicht“, erklärt Hämmerle.

Funktionieren soll das Ganze analog der Abfertigung neu: Die Arbeitsjahre werden wie in einem Rucksack gesammelt und von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz mitgenommen. Sind 25 Jahre erreicht, gibt es die sechste Urlaubswoche. Hämmerle: „Diese Änderung ist einfach notwendig, weil mit den modernen Karriereverläufen immer weniger Menschen über 25 Jahre beim gleichen Arbeitgeber arbeiten. Andererseits zeigt der Arbeitsindex der AK Vorarlberg deutlich, dass Belastungen wie zu hohes Arbeitsvolumen, Termin-, Zeit- und Verantwortungsdruck in den Betrieben immer weiter ansteigen.“

Qualität in der Lehrausbildung fördern

Die duale Ausbildung österreichischer Prägung gilt international als anerkannt und außerordentlich erfolgreich und hat wesentlichen Anteil daran, dass sich die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich auf niedrigem Niveau bewegt. Im April 2013 betrug die Jugendarbeitslosigkeit österreichweit 8%, während sie im EU-Durchschnitt bei 23,5 %lag.

„Dennoch dürfen wir nicht die Augen vor Mängel bei der Lehrlingsausbildung verschließen. Dass so viele Lehrlinge bei der Abschlussprüfung durchfallen, ist für mich ein Alarmsignal. Wir brauchen mehr Qualitätssicherung in der Lehrausbildung“, verlangt der Präsident der Bundesarbeitskammer, Rudi Kaske. Deshalb verlangt Kaske die laufende verpflichtende Aus- und Weiterbildung der AusbildnerInnen, einen auf die Lehrabschlussprüfung anrechenbaren Qualitäts-Check bereits während der Lehrzeit und die Koppelung der Lehrstellenförderung im letzten Lehrjahr an das Antreten zur Lehrabschlussprüfung.

„Wir brauchen Investitionen in die Qualitätssicherung der dualen Ausbildung“, ist auch der Präsident der AK Vorarlberg, Hubert Hämmerle, überzeugt. „Die jungen Menschen müssen nach ihrer Ausbildung fit sein für ihre Berufe. Und wir müssen sie dabei unterstützen, sich erfolgreich weiter entwickeln zu können. 

„Bildungskonto neu“

Hämmerle verweist in diesem Zusammenhang auf die Vorarlberger Ausbilderakademie oder die Aktion „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ bzw. das „Bildungskonto neu“.  Beim „Bildungskonto neu“ handelt es sich um ein Projekt, das von der GPA-Jugend in Vorarlberg ausgearbeitet wurde. Es hat die leistbare Weiterbildung für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Ziel, ohne dafür Schulden machen oder Knebelverträgen zustimmen zu müssen.

Zu Beginn der Lehre könnte sich der Lehrling ein Konto einrichten, auf das er monatlich einen gewissen Betrag überweist. Jeder Euro, der eingezahlt wird, würde von Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, AMS sowie dem Land  verdoppelt. Bis zum Ende der Lehrzeit könnte sich der Auszubildende so das Geld für die spätere Weiterbildung ansparen. Die Vorteile: Zum einen würde sich die Förderung selbst refinanzieren, da besser qualifizierte Arbeitnehmer mehr verdienen und somit die Steuerleistung steigt. Zum anderen würde sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken, betont Hämmerle.

Kaske und Hämmerle abschließend: „Es ist eine moralische Verpflichtung, unserer Jugend bestmögliche Ausbildungschancen zu bieten. Zugleich hängt davon auch unsere Wettbewerbsfähigkeit ab. Denn nur mit ausgezeichneten Fachkräften wird die österreichische Wirtschaft auch in Zukunft mit Qualitätsarbeit punkten können.“

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