24.4.2015
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Viele verdienen weniger als 1500 Euro brutto

Die Statistik Austria hat im Auftrag der AK die Entwicklung seit der Krise 2009 ausgewertet. Demnach erhielten 2013 noch immer 12.491 vollzeitbeschäftigte Vorarlberger monatlich weniger als 1500 Euro brutto.

ZIEMLICH MAGER. Sie arbeiten Vollzeit wie viele andere auch – allein ihr Gehalt am Ende des Monats bleibt beschämend mager: Der Anteil der Vollzeit-Niedrigeinkommen ist bundes- und vorarlbergweit noch immer hoch, obwohl die Gewerkschaften in den vergangenen Jahren deutliche Lohn- und Gehaltserhöhungen erkämpft haben. Deshalb fordert die AK 1500 Euro Mindestlohn bei Vollzeit in jeder Branche. Davon sind wir freilich noch immer weit entfernt.

260.000 Österreicher darunter

Beinah 260.000 österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhielten 2013 für ihre Vollzeitarbeit monatlich weniger als 1500 Euro brutto. Davon bleiben laut Online-Rechner des Finanzministeriums einem Angestellten exakt 1159,08 Euro netto übrig. 

Vorarlberger Vollzeitbeschäftigte mit weniger als 1500 Euro monatlich © Quelle: Statistik Austria, AKOÖ, AK

260.000 Niedrigverdiener – das sind knapp zwölf Prozent der Vollzeitbeschäftigten! Frauen (17,9 Prozent) sind häufiger betroffen als Männer (8,5 Prozent). Die absolut meisten Vollzeit-Niedrigeinkommen gibt es in Wien (rund 51.800), Oberösterreich (rund 46.500), Niederösterreich (rund 46.000) und der Steiermark (rund 38.800). In Vorarlberg waren es 6888 Frauen und 5603 Männer, die 2013 weniger als 1500 Euro brutto monatlich verdienten. Damit weist das westlichste Bundesland mit mehr als 13,2 Prozent den höchsten Niedrigverdienst-Anteil in Österreich auf, wobei 22,5 Prozent der Frauen und 8,8 Prozent der Männer in Vollzeitbeschäftigung betroffen waren.

260.000 Österreicher darunter 

Die Sonderauswertung für Vorarlberg, die von der AK Oberösterreich angefertigt wurde, zeigt Details und Entwicklung des Lohngefüges. So verdienten 2009, im Jahr der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, noch mehr als 15.000 Vorarlberger (16,5 Prozent) weniger als 1500 Euro brutto im Monat, vier Jahre später lag der Anteil der Niedrigverdiener bei 13,2  Prozent (12.491 Menschen). Mehr als zwei Drittel der Vorarlberger Niedrigentlohnten (knapp 8600 Personen) arbeiteten 2013 in Warenherstellung, Handel, Gastronomie und Bau.

Vollbeschäftigte mit weniger als 1500 Euro im Monat © Quelle: Statistik Austria, AK OÖ, AK

Ausmaß noch weit höher

Auffallend ist, dass von allen Beschäftigten in Hotel- und Gastgewerbe 2013 noch immer 40 Prozent, also 988 Frauen und 453 Männer, so wenig verdient haben. Allerdings müsste man auch alle Teilzeitbeschäftigten in dieser Branche mitberücksichtigen, um das volle Ausmaß zu erfassen. Wie viele das genau sind, weist die Datenlage nicht aus.
Im Handel lag der betroffene Beschäftigtenanteil 2013 bei 21 Prozent, in absoluten Zahlen mussten sich 1757 Frauen und 868 Männer mit weniger als 1500 Euro brutto zufrieden geben. Das freilich hat sich inzwischen gebessert: Aufgrund lohnpolitischer Verhandlungserfolge der Gewerkschaften sind Jahr für Jahr immer weniger von niedriger Entlohnung betroffen. Etwa im Handel wurde von der Gewerkschaft ein ab heuer geltendes Vollzeit-Mindestgehalt von 1500 Euro brutto erreicht.

Forderungen der AK

Für eine wirksame und nachhaltige Anhebung von Niedrigeinkommen ist laut AK ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig.

  • Anhebung aller KV-Mindestlöhne und -gehälter auf 1500 Euro
  • Faire Lohn- und Gehaltserhöhungen zur Stärkung der Kaufkraft
  • Gleicher Lohn für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit für Frauen und Männer
  • Korrekte Einstufungen laut Kollektivvertrag
  • Korrekte Bezahlung der Über- und Mehrarbeitsstunden
  • Informationspflicht bei Unterbezahlung (durch Gebietskrankenkasse und Finanzamt nach Kontrollen) sowie Abschaffung kurzer Verfallsfristen
  • Wirksame Umsetzung des Lohn- und Sozialdumping-Gesetzes durch verstärkte Kontrollen mit entsprechender Personalausstattung
  • Modernisierung des Arbeitsrechts: Erweiterung des Arbeitnehmerbegriffs – für sogenannte „Scheinselbstständige“ muss der kollektivvertragliche Schutz gelten.





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