25.2.2015
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Motiviert, aber nicht anerkannt

14 von 24 Abteilungen über alle Krankenhäuser hinweg beklagen fehlende Wertschätzung.

Anerkennung.

Auf Wunsch der Mitarbeiter hat die AK im Sommer 2014 zusammen mit Prof. Heinrich Geißler, den Betriebsräten und der Universität Dresden die Arbeitsbedingungen an den Vorarlberger Landeskrankenhäusern erhoben.  Die über 200 Seiten dicke Studie benennt in ihrem Titel „zfrieda schaffa im Krankahus“ das Ziel der Bemühungen. Eines der Hauptprobleme – das ergab die Auswertung von 1532 Fragebögen – ist die fehlende Anerkennung durch Vorgesetzte. 

Drei Viertel der Befragten bestätigten hohe Belsastungen durch Zeitdruck und Arbeitsmenge. Aber nur die Hälfte der Beschäftigten ist mit der erfahrenen Anerkennung zufrieden. Bringt ein bisschen mehr Lob die Waage wieder ins Gleichgewicht? Prof. Geissler warnt davor, das Thema herunterzuspielen. Er hat sich gesundheitsfördernde Führung und Generationen-Management zum Lebensthema gemacht und behauptet: Fehlende Anerkennung kann krank machen, das Gegenteil macht Arbeitskräfte fitter. 

Wer ist gefährdet? 

Hohe Anerkennung ist in vielen Studien als bedeutendste Gesundheitsressource und als Unterstützung der Arbeitsbewältigungsfähigkeit nachgewiesen. „Personen, die unter fehlender Anerkennung leiden und das sind zwei von fünf Befragten, haben ein erhöhtes Burnout-Risiko, höhere Präsentismuswerte, ein schlechteres körperliches Befinden, eine deutlich geringere Arbeitsfähigkeit und haben deutlich geringeres Vertrauen in das Management“, weiß Geißler. Dabei stützt er sich u. a. auf Arbeiten des Schweizer Medizinsoziologen Johannes Siegrist, der das Thema seit den 1980er Jahren erforscht. „Anerkennungskrisen erwischen vor allem Mitarbeiter mit hoher Verausgabungsbereitschaft“, sagt Geissler. „Genau diejenigen, die das Unternehmen gern hat, sind gefährdet.“ 

Risiken wachsen 

Siegrist fand in Längsschnittstudien heraus, dass das Herzinfarktrisiko bei Mitarbeitern mit hoher Verausgabung und geringer Anerkennung um das Zweieinhalbfache steigt, bei Übergewichtigen mit Anerkennungskrise sogar um das Siebeneinhalbfache. Die Neigung zu Diabetes II steigt um das Eineinhalbfache, wenn es an Wertschätzung gebricht. Das Problem ist: Die gefährdeten Kollegen fallen kaum auf. Sie werden lange nicht krank, erheben keine Beschwerden.  „Die Vorgesetzten müssen sich genau um jene kümmern, die unauffällig brav ihren Job machen.“ Dienste schieben ohne Ende und vielleicht in Wahrheit längst im Geheimen an Schlafstörungen leiden oder Rückenschmerzen.

Belastungen wachsen 

Im Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfahl Geissler im November 2014, in den Landeskrankenhäusern Schritt für Schritt eine Anerkennungskultur zu entwickeln. Fünf Punkte sind es, die sich seiner Ansicht nach die Krankenhausbetriebsgesellschaft zu Herzen nehmen sollte:

  •  Die Mitarbeiter müssen in Entscheidungen einbezogen werden
  •  Systematische Gesprächsbereitschaft
  •  Mehr Transparenz von Zukunftsplänen
  •  Gleichbehandlung der Standorte
  •  Mehr Kümmern um Arbeitsbedingungen

Dass sich der Aufwand bezahlt macht, kann man in der Fachliteratur  nachlesen. Eine elf Jahre währende Studie in Finnland, die Prof. Juhani Ilmarinen durchgeführt hat, zeigt auf, was die Anerkennung durch Vorgesetzte bewirken kann: „Bei älteren Arbeitnehmern verbesserte sich ihre Arbeitsfähigkeit um das 3,6-Fache.“ Fehlende Anerkennung ließ die Arbeitsfähigkeit um das 2,4-Fache sinken.

Spitäler stellen sich der umfassenden Diagnose

In Workshops wollen Mitarbeiter der fünf Landesspitäler ihre psychischen Belastungen und Lösungsvorschläge diskutieren.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links


Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK