25.02.2010
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

AK-Präsident Hubert Hämmerle im Interview

Sparen ist in aller Munde. Der Bund, das Land und auch die Arbeitgeber suchen verzweifelt nach Möglichkeiten, wie sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Geld einsparen können. Es stellt sich für AK-Präsident Hubert Hämmerle jedoch die Frage, weshalb immer häufiger die Arbeitnehmer/innen zur Kassa gebeten werden.

Die aktuelle Diskussion bezüglich der Abschaffung der Überstundenzuschläge ist erneut aufgeflammt. Wie beurteilen Sie dieses Thema als Arbeitnehmer-Vertreter?

Mir stellt sich zuallererst die Frage, ob es den Arbeitgebern hier wirklich vordergründig um eine weitere Flexibilisierung im Bereich Arbeitszeit geht oder ob eine reine Kostenreduktion im Vordergrund steht. Sollte zweites der Fall sein, so erwarte ich mir, dass das auch dezidiert ausgesprochen wird. Das wäre dann einmal mehr ein klassischer Fall, wie Einsparungen alleine zu Lasten der Arbeitnehmer/innen gehen.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass der gesetzliche Rahmen ausreichende Möglichkeiten bietet, um flexibel – auch auf Auftragsschwankungen – zu reagieren.

Keineswegs. Das Arbeitszeitrecht ist ja gleichzeitig ein Arbeitnehmerschutzrecht. Das heißt, es soll die Arbeitnehmer/innen vor übermäßiger Beanspruchung schützen. Der Überstundenzuschlag stellt dabei einen Ausgleich in finanzieller Form oder eben in zusätzlicher Freizeit für die Mehrbelastung dar. Daneben gibt es aber viele Möglichkeiten – entweder im Zuge der Kollektivvertragsverhandlungen oder mittels Betriebsvereinbarungen – sich in dem sehr breiten Rahmen zu bewegen.

Diese Bestimmungen halten Sie für ausreichend?

Ja, definitiv. Wie bereits vorhin erwähnt, sind bei den Kollektivvertragsverhandlungen die Sozialpartner gefragt, geeignete Modelle aus zu verhandeln – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wobei der Rahmen des Arbeitszeitgesetzes natürlich eingehalten werden muss. Würde beispielsweise am Überstundenzuschlag gerüttelt, sind die Konsequenzen absehbar. Das würde für die Arbeitnehmer/innen mehr Arbeit und gleichzeitig weniger Geld bedeuten.

Und das spricht gegen die „Schutzbestimmungen“?

Das Arbeitszeitrecht als Arbeitnehmerschutzrecht limitiert die Grenzen der zulässigen Maximalarbeitszeit. Es gibt die Rahmenbedingungen zum Abbau von Zeitguthaben vor, welche durch die Überschreitung der achtstündigen Normalarbeitszeit entstanden sind. Stellen Sie sich vor, dem wäre nicht mehr der Fall! Dann würde der Ausbeutung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nichts mehr im Wege stehen.

Was hat es eigentlich mit dem Durchrechnungszeitraum auf sich?

In wirtschaftlichen Krisenzeiten liegt ja das Problem in der Überkapazität und nicht am Personalmangel. In diesem Fall eignet sich das Modell des Durchrechnungszeitraumes von bis zu einem Jahr, um die Beschäftigungsschwankungen auszugleichen. Das kommt allerdings nur dann zur Anwendung, wenn der Kollektivvertrag diese Möglichkeit vorsieht. Am Beispiel Saisonarbeit verdeutlicht, heißt das, dass Auftragsschwankungen auf der einen Seite durch Mehrarbeit und auf der anderen Seite mit mehr Freizeit ausgeglichen werden können. Wo dieses Modell nicht ausreicht beziehungsweise vorgesehen ist, bietet sich die Kurzarbeit an, die aber leider in der Vergangenheit von nur wenigen Betrieben im Land genutzt wurde.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK