27.05.2010
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Prof. Juhani Ilmarinen: „Vorteile und Stärken von Alt und Jung nützen!“

Erst das Zusammenarbeiten von Jung und Alt fördert Innovationen, ist Juhani Ilmarinen überzeugt. Der finnische Professor und AK-Berater für Generationenmanagement sagt auch, weshalb „Arbeiten-bis-67“-Pläne zum Scheitern verurteilt sind.


Sie haben erforscht, das Miteinander der Generationen in der Arbeitswelt hängt primär an der sozialen Kompetenz der Vorgesetzten. Wie sehen Sie die Situation in Vorarlberg?

Prof. Juhani Ilmarinen: Ich habe etwas Bedenken, weil man hier nicht viel über Generationenmanagement spricht. Speziell in den Betrieben sehe ich so gut wie keine Aktivitäten. Der Bedarf an Lösungen ist klar vorhanden, doch die Unternehmen sind hier sehr passiv. Erst wenn konkrete Probleme im Raum stehen, wird gehandelt. Es wird aber nicht präventiv gearbeitet. Das wäre auch Teil von Führungskompetenz.

Wenn beim Generationenmanagement nichts passiert, was hat das für Auswirkungen?

Der große Vorteil bei der Zusammenarbeit zwischen den Generationen ist, dass neue Produktivität geschaffen wird und in den Grenzzonen Innovationen entstehen: Unterschiedliche Generationen bedeuten auch viele Unterschiede. Dadurch entsteht der größte Nutzen. Wenn Generationen als einzelne Säulen in den Betrieben gehandhabt werden, dann fehlen auch die Innovationen und die großen Würfe.

Was fordern Sie von den Führungskräften konkret ein?

Die Führungskräfte müssen tolerant sein, was die unterschiedlichen Generationen anbelangt. Die unterschiedlichen Vorteile und Stärken sind ein Kapital, das man verstehen, akzeptieren und benützen muss. Da muss ein Umdenken stattfinden, das sehr lange dauert, wir gehen von ca. zehn Jahren aus. Bis dahin muss etwas geschehen. Es gibt keine Alternative.

Inwiefern muss man auch die Politik zur Verantwortung ziehen?

Oft herrscht die Tatsache vor, dass zuerst Negativ-Politik und erst dann Positiv-Politik gemacht wird. Das bedeutet, dass man z. B. sagt, das Pensionsalter wird auf 67 angehoben. Alle müssen so lange arbeiten, aber es wird nicht gesagt, wie das funktionieren soll. Die finnische Politik ist anders: Sie schafft zunächst gute Voraussetzungen, dass die Menschen länger arbeiten können, wollen und dürfen. Wenn das funktioniert, wird das Rentenalter erhöht, nicht davor. Zuerst die süßen Dinge und dann erst die bitteren. In Österreich funktioniert das genau umgekehrt und deshalb werden die Politiker nie die Bevölkerung auf ihrer Seite haben. Sie verstehen ihre Möglichkeiten nicht. Es muss eine gute Balance zwischen allen Aspekten geben. Wenn Gesundheit nicht passt, stürzt das ganze Gebilde ein. Insgesamt müssen drei Fragen gestellt werden: Was kann die Politik, was können die Betriebe und was kann ich selbst verändern? Die Menschen fragen sich häufig, was sie selbst verändern können, damit sie so lange wie möglich arbeiten können – aber die Verantwortung liegt eben nur zum Teil bei ihnen selbst.

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