24.2.2017
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Flexible Arbeitszeit: AK fürchtet Verluste

Totale Verfügbarkeit zum Nulltarif? – Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhandeln bis 30.
Juni Spielregeln für Zwölf-Stunden-Arbeitstage – AK-Präsident Hämmerle: Das darf nur die Ausnahme sein!

ARBEITSZEIT. Seit Langem bemühen sich Unternehmer, die tägliche Arbeitszeit etwa für die Abwicklung von Großaufträgen auf zehn bis zwölf Stunden auszuweiten. Und zwar, ohne Überstunden dafür bezahlen zu müssen. Nun hat die Regierungskoalition in Wien in ihrem neuen Arbeitsprogramm den Streitpunkt an die Sozialpartner weitergereicht. Die sollen bis 30. Juni eine Lösung finden, andernfalls werde die Regierung eine Regelung verordnen.

Arbeitszeitgesetz achten

Jetzt steht viel auf dem Spiel. „Die Arbeiterkammer befasst sich lange schon mit der Arbeitszeitflexibilisierung“, betont AK-Präsident Hubert Hämmerle und verweist auf bereits bestehende Möglichkeiten. „Zwölf Stunden tägliche Arbeitszeit sind jetzt schon als Ausnahme möglich, aber zeitlich begrenzt, gut begründet und in einer ordentlichen Vereinbarung abgesichert.“ AK und Gewerkschaft lassen keinen Zweifel daran, dass „Zwölf-Stunden-Tage Ausnahmen bleiben müssen“. Ansonsten verliert das Arbeitszeitgesetz seine Schutzfunktion für die Arbeitnehmer. Der Preis wäre entschieden zu hoch.

Einfach ohne Bezahlung?

In den Augen von AK-Präsident Hubert Hämmerle drohen nun der Arbeitnehmerseite unverantwortbare Verluste. Derzeit leisten Österreichs Arbeitnehmer 200 Millionen Überstunden jährlich. Sollten die Überstundenzuschläge unter den Tisch fallen, dann bedeutete das einen Einkommensverlust von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro für die Arbeitnehmer.
Ganz zu schweigen davon, dass Zwölf-Stunden-Tage, auch wenn sie anständig bezahlt werden, Stress pur bedeuten:

  • Zum einen für die Betroffenen selber. „Kein Mensch kann auf Dauer zwölf Stunden täglich konzentriert arbeiten.“ Körper und Geist müssen sich erholen. Sonst passieren Fehler, und die können erst recht teuer werden. Überlastete Mitarbeiter werden krank. Sie können nicht wie Maschinen repariert werden.
  • Zum Zweiten für das unmittelbare Umfeld: „Was bedeutet es für die Familie, wenn ein Elternteil abends völlig fertig nach Hause kommt?“ Wie viel Mühe nimmt eine alleinerziehende Mutter auf sich, der keine Kinderbetreuung der Welt Zwölf-Stunden-Arbeitstage abdeckt?
  • Zum Dritten für die Gesellschaft. Zwölf-Stunden-Tage sind das geeignetste Mittel, um das Ehrenamt massiv zu beschädigen. „Wer seine Freizeit nicht mehr planen kann, wird auch bei Vereinen nicht mehr mitwirken können.“ 

Dass auch Arbeitnehmer der Arbeitszeitflexibilisierung das Wort reden, kann der AK-Präsident gut verstehen. Er weiß aber auch, „dass Chefs und Mitarbeiter oft nicht das Gleiche meinen“. Der Firmenboss hat die Auftragslage vor Augen. Er will Arbeitsspitzen abfangen. Dafür wünscht er sich die totale Verfügbarkeit seiner Belegschaft. Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter haben ganz andere Bedürfnisse: etwa den Aufbau einer Existenz. Das erfordert mehr Geld. Da kommen Überstunden sehr gelegen. Wenn freilich die Belastungsgrenze im letzten Drittel eines Arbeitslebens sinkt, brauchen Betroffene längere Erholungsphasen. Auch hier könnten flexible Arbeitszeiten helfen, nur eben in die andere Richtung.
Der AK-Präsident ortet in der gegenwärtigen Diskussion Tabus. Die Arbeitszeit verlängern, aber die Überstundenzuschläge unter den Tisch fallen lassen, kommt für ihn nicht in Frage. Auch dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer einteilt, wie er’s gerade braucht, ist in den Augen von AK-Präsident Hämmerle indiskutabel. „Arbeitnehmer sind keine Manövriermasse. Ihre  Gesundheit ist wenigstens so wichtig wie der Lohnzettel“, betont der AK-Präsident. 


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