28.4.2017
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Firmen müssen Ältere einplanen

Neue Studie der AK Vorarlberg zum Generationenmanagement zeigt: „Best-practice-Beispiele“ machen weitgehende Konzeptlosigkeit nicht wett.

Überraschen kann die Entwicklung niemanden mehr. Denn auch Vorarlberg altert: Während die absoluten Zahlen der unter 14-jährigen Bevölkerung seit 1995 sinken, steigt die Zahl der 60-Jährigen und Älteren seit 1985 konstant an und wird 2075 ihren Höhepunkt erreichen. Dann wird jeder Dritte Vorarlberger 60 Jahre oder noch mehr Lenze zählen.

Mehr Ältere in den Firmen

Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Künftig werden Frauen und Männer über 50 Jahren die stärkste Gruppe innerhalb der Erwerbsbevölkerung bilden. Der Anteil der jüngeren Erwerbstätigen dagegen schwindet. Das liegt an der längeren Ausbildung der Jugendlichen, aber auch an geburtenschwachen Jahrgängen.
Eigentlich müsste daraus wie selbstverständlich folgen, dass Unternehmen sich strategisch auf eine ältere Belegschaft einstellen. Das tun aber nur wenige. Da setzt die Kritik des Sozialwissenschaftlers Prof. Heinrich Geißler an.

Altersstruktur in Unternehmen © Grafik: KEYSTONE, Quelle: AKV

Zusammen mit Gabriele Graf von der AK Vorarlberg hat er zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 Unternehmensvertreter und Betriebsratsvorsitzende befragt. Die Studienautoren gingen in drei Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten, fünf Mittelbetriebe zwischen 100 und 500 Beschäftigten und sechs Kleinbetriebe unter 100 Mitarbeitern. Recherchiert wurde in den Branchen Metall, Chemie, Lebensmittelproduktion, Gesundheit, Altenpflege, Sozialversicherung, Weiterbildung, Logistik, Technik-Großhandel, Kanaldienstleistungen, Verkehr und Banken. Zusätzlich gab es sechs Expertengespräche (Arbeitsinspektorat, AMS, Verein 45+, fit2work, Arbeitsmediziner).

Lösungen, aber anlassgetrieben

In den zahlreichen Gesprächen traten viele Beispiele altersgerechter Arbeitsgestaltung zutage. „Allerdings waren gerade die Entlastungsmodelle für Ältere bei Pflege und Kinderbetreuungspflichten als Reaktion auf einen individuellen Bedarf entwickelt worden und nicht das Ergebnis systematischen Generationenmanagements“, sagt Geißler. Als wesentliche Gestaltungsfelder entpuppten sich Arbeitszeit, körperliche und psychische Entlastung, Weiterbildungsmaßnahmen, der Erhalt des Erfahrungswissens Älterer und die Optimierung der Kooperation unter den Generationen.

Als konkrete Maßnahmen bietet die AK Vorarlberg im Juni und im September von Unternehmen und Betriebsräten gewünschte Info-Seminare zur altersgerechten Arbeitsgestaltung an. Die Teilnehmer lernen Modelle für Arbeitsgestaltung, Arbeitszeiten und Schichtsysteme sowie lebensphasengerechte Weiterbildung kennen. 

Infos und Anmeldung:

AK-Betriebsreferat, Gabriele Graf, Telefon 050/258-1526 bzw. gabriele.graf@ak-vorarlberg.at.

200 Bewerbungen und kaum Antwort 

Beispiel eines 53-jährigen Angestellten macht das Dilemma älterer Arbeitsloser deutlich

Er hat sich bei AK-Präsident Hubert Hämmerle in der Sprechstunde gemeldet. Nicht einmal so sehr, weil er Hilfe wollte. Sich einmal den Frust von der Seele reden, das bedeutete ihm schon viel. Denn der 53-Jährige sucht Arbeit. Ziemlich aussichtslos. Der Mann hat als Buchhalter gearbeitet. In ein- und derselben Firma, lange schon. Dann ging das Unternehmen pleite. War wohl nicht seine Schuld. Vielleicht hatte ja der Markt „regulierend eingegriffen“, wer weiß? Jedenfalls sucht er seither einen neuen Job. Er ist gesund und arbeitswillig. „Aber nach rund 200 erfolglosen Bewerbungen ist der Unterländer um ein paar Illusionen ärmer“, sagt Hubert Hämmerle. „Er durfte sich mit einer Handvoll Ausnahmen nirgends vorstellen. Die meisten Firmen haben ihm nicht einmal geantwortet.“ So viel zur Lage der Über-50-Jährigen am Arbeitsmarkt.

Was der Generation 50 plus gut täte

50 Prozent der älteren Arbeitnehmer glauben nicht daran, bis zur Pension durchzuhalten

Linzer Forscher haben sich mit der Frage beschäftigt, welche Angebote ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben halten könnten.

Wenige zuversichtlich

Laut Arbeitsklimaindex, den die AK erheben lässt, zweifelt die Hälfte der österreichischen Beschäftigten über 50 Jahre wegen körperlicher oder psychischer Belastungen daran, bis zur Pension durchzuhalten. Nur 17 Prozent der Generation 50 plus fühlen sich in sehr guter Verfassung. Rückenschmerzen und Muskelverspannungen zählen zu den häufigsten körperlichen Problemen.

Und was könnte sie zum Weiterarbeiten motivieren?

23 Prozent der 698 Befragten zwischen 50 und 64 Jahren wünschten sich eine Verringerung ihrer Arbeitszeit. Das passt zu aktuellen Zahlen des AMS, wonach Altersteilzeit auch im Ländle boomt: 2013 waren 390 Vorarlberger in Altersteilzeit, 2016 waren es 674.

16 Prozent der Befragten gaben an, dass der Wechsel in einen weniger belastenden Beruf den Verbleib im Erwerbsleben erleichtern würde, 14 Prozent würden sich mehr Zustimmung und Wertschätzung durch den Arbeitgeber wünschen. 

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