2.7.2015
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Viele Betroffene wollen nach langer Krankheit wieder arbeiten dürfen

Bis heute gibt es in Österreich für Menschen nach langer Krankheit keine sanfte Rückkehr an den Arbeitsplatz. 100 Prozent oder gar nicht, verlangt das System. Menschen, die ihre Krankheit besiegt haben, sind so zum Scheitern verurteilt. Seit Jahren kämpft die AK Vorarlberg deshalb für das Betriebliche Eingliederungsmanagement. Jetzt ist die Idee auf Bundesebene angekommen.

ANGEKOMMEN. Manche Dinge dauern eben länger. Bereits 2011 fanden sich in Vorarlberg auf Initiative der AK die wichtigsten Partner zusammen. AK und ÖGB Vorarlberg, Wirtschaftskammer, Ärztekammer sowie die Gebietskrankenkasse waren sich einig: Das Modell des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) würde Menschen in Langzeitkrankenständen den Wiedereinstieg in den Job erleichtern. Vier Jahre später ist das Thema endlich auf Bundesebene angekommen. Die Bundesarbeitskammer als Dachorganisation der Arbeiterkammern aller neun Bundesländer fordert den Gesetzgeber nun auf, Menschen nach langen Krankenständen endlich den sanften Wiedereinstieg in den Job zu ermöglichen. Betroffen sind immer mehr Arbeitnehmer. Schlaganfallpatienten, psychisch Kranke, Krebspatienten und Opfer schwerer Unfälle – sie alle brauchen die Möglichkeit einer schrittweisen Rückkehr an den Arbeitsplatz. Fast niemand ist nach langen Krankenständen in der Lage, gleich wieder 100-prozentig Leistung zu erbringen. Ihnen allen käme die Idee des Eingliederungsmanagements zugute.

Für AK-Präsident Hubert Hämmerle ist enorm wichtig, dass das Thema endlich auf Bundesebene Gehör findet. Drei Punkte sind für ihn wesentlich: „Im Rahmen des Krankenstandes müssen Arbeitsversuche möglich sein.“ Die Leistungsfähigkeit des genesenden Menschen müsse Maßstab bleiben. Und vor allem darf der Wiedereinstieg der Betroffenen in die Arbeitswelt nur auf Freiwilligkeit beruhen, und zwar für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Einen entsprechenden Antrag haben alle Fraktionen der Hauptversammlung einstimmig beschlossen.

Der AK-Präsident forciert die Idee aus gutem Grund mit Blick über die Grenze: In der Schweiz ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement in großen Unternehmen bereits etabliert. Bei der SBB etwa wurde eine spezielle Einheit eingerichtet, die sich um diesen Prozess kümmert. Zuständig ist Dr. Urban Studer. Bei rund 30.000 Beschäftigten gab es 2014 seiner Auskunft nach „1450 Personen, um die wir uns gekümmert haben“. Die SBB sind aufgrund der Vielzahl an Berufsbildern überdurchschnittlich stark von Langzeitkrankenständen betroffen.

2014 ist es dem Team um Urban gelungen, 59 Prozent der Betroffenen wieder in ihre angestammte Tätigkeit zurückzuführen. „13 Prozent konnten in eine andere Tätigkeit vermittelt werden“, sagt Studer zur AKtion. Nur bei 16 Prozent musste das Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen, bei zwölf Prozent aus anderen Gründen aufgelöst werden.

Wofür steht BEM?

Die Abkürzung BEM steht für „Betriebliches Eingliederungsmanagement“. Dieses System würde den sanften Einstieg in die Arbeitswelt nach einem Langzeitkrankenstand ermöglichen. Wie? 

  • Im Rahmen des Krankenstandes müssen Arbeitsversuche möglich sein.
  • Die Leistungsfähigkeit des genesenden Menschen muss der Maßstab sein.
  •  Der Wiedereinstieg muss auf Freiwilligkeit beruhen. Zwang richtet nur Schaden an.
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