19.4.2018
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Vorarlberger Erspartes bald für Defizite anderer

Für Ärztekammer-Präsident Michael Jonas ist das Spiel allzu durchsichtig: „Zentralisierungsbestrebungen werden häufig hinter Qualitätsvorgaben versteckt“, sagt er. „Durch die Festlegung entsprechend hoher Fallzahlen im österreichischen Strukturplan werden dann Strukturen im Land zerstört, wie z. B. bei der Kinderonkologie in Dornbirn.“
Selbstverständlich brauchen seiner Ansicht nach seltenere Erkrankungen im Sinne der Qualitätssicherung eine intensive Zusammenarbeit der Ärzte im Zentrum und an der Peripherie. Zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung ist jedoch bei Änderungen von Qualitätsvorgaben höchste Achtsamkeit erforderlich. Es brauche für viele Erkrankungen nicht immer ein Team von Superspezialisten, es genüge häufig ein motiviertes Fachärzteteam mit einem Superspezialisten für die Therapie der entsprechenden Erkrankung. Aber darüber würde nach dieser Reform in Wien entschieden.

Rücklagen in Gefahr

Dabei zählt die GKK Vorarlberg heute noch zu jenen Kassen, die nicht über ihre Verhältnisse leben, sondern sogar Rücklagen ansparen können. „Diese Guthaben werden vermutlich künftig dazu gebraucht, um die Defizite anderer Kassen, die weitaus schlechter gewirtschaftet haben, auszugleichen“, ist der Ärztekammerpräsident verärgert.

Vorarlberg beispielhaft

Aus Sicht des Ärztekammer-Präsidenten gibt es im österreichischen Gesundheits-System eine ganze Reihe an Reformen, bei denen sich der Bund Vorarlberg als Beispiel nehmen könne. Etwa die Darmkrebs-Vorsorge, die nur in Vorarlberg nach internationalen Qualitätskriterien flächendeckend durchgeführt wird. Das spart das Land jährlich 5,7 Millionen Euro. „Auf österreichischer Ebene könnten Millionen eingespart werden, wenn unser Vorsorgeprogramm flächendeckend ausgerollt würde.“

Mögliches Opfer Ausgabestelle der VGKK

Werkstatt und Ausgabestelle der VGKK sind in Österreich einmalig und deshalb akut gefährdet

Ausgabestelle der VGKK in Zahlen © AKVbg

Rollstühle, Rollatoren, Medikamente, Windeln, Verbände – in der Ausgabestelle der VGKK können mehr als 2000 Artikel direkt bezogen werden. In der hauseigenen Werkstatt werden Leihgeräte wie Rollstühle oder Sauerstoffgeräte repariert. Das spart viel Geld. Im Vergleich zu anderen Krankenversicherungsträgern ohne eigene Ausgabestelle erzielt die VGKK einen jährlichen Kostenvorteil von rund 800.000 Euro. Doch die Ausgabestelle könnte als Erstes der Reform zum Opfer fallen. Es gibt so ein Angebot nämlich in keinem anderen Bundesland. Da die vom Bund geplante Kassenfusion auch eine Leistungsharmonisierung vorsieht, könnte dieses Alleinstellungsmerkmal der VGKK bald der Vergangenheit angehören.

Auch AUVA im Visier von Türkis-Blau

Nächster Kniefall vor der Wirtschaft: Trotz lauter Kritik will Sozialministerin auch AUVA zerschlagen.

Neben der Zerschlagung der Gebietskrankenkassen soll jetzt auch überfallsartig die AUVA aufgelöst, deren Agenden auf die anderen Versicherungen aufgeteilt werden. Und das darum, weil utopische Sparvorgaben nicht eingehalten werden können. Die AUVA sollte bis Jahresende Sparvorschläge in Höhe von 500 Millionen Euro einbringen, damit die Beiträge für die Unternehmen von 1,3 auf 0,8 Prozent gesenkt werden können. „Das ist etwa so, als ob man einer Schildkröte befiehlt, fünf Meter hoch zu springen, und sie umbringt, weil sie es leider nicht schafft“, ärgert sich AK-Präsident Hubert Hämmerle über die regelrecht boshaften Vorgaben der Regierung. Schlussendlich werde das fehlende Geld dann halt beim Steuerzahler, also vor allem von den arbeitenden Menschen geholt. Er erwartet sich von den Vorarlberger Abgeordneten von Türkis und Blau, dass sie klar für eine Vorarlberger Lösung bei der Reform der Sozialversicherung eintreten.

„Gesundheitsversorgung wird schlechter“

Neues Gutachten zeigt die wahre Auswirkung der geplanten Zerschlagung der VGKK – Föderalismus-Experte Bußjäger warnt eindringlich vor Reform und massiver Zentralisierung bei den Krankenkassen

Angesichts der drohenden Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen zeigt das Gutachten des Föderalismus-Experten Peter Bußjäger die drohenden Folgen einer Zentralisierung auf. Seine Stimme hat Gewicht. „Durch eine Zentralisierung der Krankenkassen ist zu befürchten, dass es zu Verschlechterungen am Standort Vorarlberg kommt“, stellte Bußjäger im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs von AK, Ärztekammer und Wirtschaftskammer klar. Auch Patientenanwalt Alexander Wolf steht dahinter. Echte Reformen unterliegen nämlich Grundsätzen: So müsste in Bezug auf die Gebietskrankenkassen grundsätzlich die Beitragsautonomie bestehen bleiben. Es brauche regionale Landesstellen mit echter Budgethoheit. Das bedeutet: Sie müssen auch Entscheidungen fällen können, um mit den Vertretern der Ärztekammer als entscheidendem Gegenüber in Verhandlungen zu treten. „Zudem müssen die Gebietskrankenkassen dem Land als Partner beim regionalen Strukturplan Gesundheit zur Verfügung stehen“, fordert der Föderalismus-Experte. 

Türkis-Blau demoliert mutwillig die VGKK

Angebliche Reform der Sozialversicherung wird Versorgung der Versicherten verschlechtern, die Gelder aus Vorarlberg nach Wien spülen.

SV-Reform

AK-Hämmerle: „Macht soll verschoben, Sozialpartner eliminiert werden“

Hände weg von unserer GKK!

Die Krankenkassen müssen Landessache bleiben. Dafür machen wir uns stark.

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