Pflegerin mit Seniorin © Adobestock
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AK-Modell für die Pflege daheim

Pflegende Angehörige sollen angestellt und ausgebildet werden – AK sucht Gespräche mit dem Land.

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Die AK schlägt eine Anstellung und Ausbildung der pflegenden Angehörigen analog zu einem Pilotprojekt im Burgenland vor. „Denn diese Menschen sind das Rückgrat des Pflegesystems“, betont AK-Präsident Hubert Hämmerle. Gäbe es sie nicht, wäre Pflege schlichtweg unfinanzierbar. 

Österreichweit gibt es Schätzungen zufolge eine Million pflegende Angehörige. In Vorarlberg werden an die 80 Prozent der zu Pflegenden von ihren Angehörigen zuhause versorgt. Diese Arbeit geschieht „unsichtbar“. Sie pflegen ehrenamtlich. Oft tun sie das bis zur totalen Erschöpfung. Unterstützt werden die Familien durch mobile Dienste wie die Hauskrankenpflege mit ihren 66 Vereinen, die Mobilen Hilfsdienste und die 24-Stunden-Betreuung. „Doch das Vorarlberger Pflegemodell gerät zusehends an seine Grenzen“, sagt Hämmerle. 


Kleinfamilien, Einpersonenhaushalte und beengte Wohnverhältnisse erschweren oder verunmöglichen häusliche Pflege in der gewohnten Qualität. Pflege ist zu 73 Prozent noch immer Frauensache. Aber immer mehr Frauen wollen und müssen berufstätig sein. Die Lücken durch stationäre Angebote auszufüllen, wäre viel zu teuer. „Zudem wollen Untersuchungen zufolge mehr als 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen daheimbleiben.“ 

Die AK Vorarlberg schlägt deshalb ein Pilotprojekt analog zur seit 2019 existierenden Lösung im Burgenland vor. Hämmerle: „Pflegende Angehörige im erwerbsfähigen Alter werden über eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Vorarlberger Hauskrankenpflegeverbands je nach Höhe der Pflegestufe in Vollzeit oder Teilzeit angestellt.“ Bei Pflegestufe 3 umfasst das Anstellungsverhältnis 20 Wochenstunden, bei Pflegestufe 4 sind es 30 Stunden und ab Pflegestufe 5 erfolgt die Anstellung in Vollzeit mit 40 Wochenstunden. Eine Vollzeitanstellung wird mit 1700 Euro netto entlohnt. „Zur Abdeckung der Kosten behält das Land Vorarlberg die Pension des zu Pflegenden über dem Ausgleichszulagenrichtsatz (derzeit 966,65 Euro) und 80 Prozent des Pflegegeldes ein. Den Rest deckt das Land.“

Binnen eines Jahres nach Dienstantritt sieht das AK-Modell verpflichtend den Abschluss des Vorbereitungslehrgangs zur HeimhelferInnenausbildung (100 Stunden) vor. Freiwillig können die pflegenden Angehörigen auch die gesamte Ausbildung (400 Stunden) absolvieren. Die gesamte HeimhelferInnenausbildung stellt das Land kostenlos zur Verfügung.

Warum ist das so wichtig? „Alle Pflegeverhältnisse enden eines Tages. Mit einer entsprechenden Ausbildung können die Betroffenen nach beendeter Pflege ihres Angehörigen zu Hause am Arbeitsmarkt Fuß fassen“, betont Hämmerle. Sie können im Bereich der Pflege und Betreuung weiterarbeiten und haben den ersten Schritt zur Pflegeassistenz bereits getan, weil die Heimhilfeausbildung auf die Ausbildung zur Pflegeassistenz angerechnet werden kann. Aufgrund des aktuellen und künftig zu erwartenden Personalmangels im Pflegebereich würde das Modell der AK Vorarlberg helfen, den Arbeitsmarkt zu entlasten. Das Pilotprojekt ist vorerst auf zwei Jahre angelegt und muss dann evaluiert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich bei 200 Teilnehmern auf 7,4 Millionen Euro. Die Ersparnis gegenüber einer stationären Pflege liegen bei 1,1 Millionen Euro. Die AK sucht nun Gespräche mit dem Land, um das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln.

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