1.10.2015
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Lehre wird deutlich aufgewertet

Die AK hat nicht umsonst gemahnt: Land und Sozialpartner haben beschlossen, die Lehre deutlich aufzuwerten. In allen 150 Lehrberufen wird vorarlbergweit die Zwischenprüfung zur Halbzeit wieder eingeführt. Ausbildungsunterstützer sollen den kleinen Firmen unter die Arme greifen.

FÜR DIE JUGEND. Letztendlich fanden alle an einen Tisch: Land, Arbeiterkammer und ÖGB, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung, AMS und der „Lehrlingspapst“ Egon Blum. Alle sind sich einig: Die Lehre ist ein Erfolgsmodell. Jeder zweite Vorarlberger Jugendliche entscheidet sich dafür. Aber sie ist auch in Gefahr. Seit 2008 sank auch in Vorarlberg die Zahl der Ausbildungsbetriebe, von 2314 auf 2038. Die Zahl der Lehrlinge brach bundesweit ein; 22.372 Lehrplätze gingen verloren. Und auch die Qualität der Ausbildung litt. In Gewerbe und Handwerk etwa fiel 2014 jeder fünfte Vorarlberger Lehrling durch die Abschlussprüfung.

Was also tun? Auf breiter Basis haben alle Beteiligten nun ein Maßnahmenpaket geschnürt. Bis Ende des Jahres wollen die Sozialpartner dafür umsetzungsreife Konzepte auf den Tisch legen. 

Zwischenprüfung kehrt zurück

Es gab sie schon mal, „dann haben die Wiener sie abgestochen“, formuliert es Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein salopp. Nun kehrt wenigstens Vorarlberg, wie von AK-Präsident Hubert Hämmerle vehement gefordert, zur Zwischenprüfung in der Hälfte der Lehrzeit zurück. Geht denn das? „Ja“, sagt Landshauptmann Markus Wallner, „Den Weg gehen wir auch alleine, wenn’s sein muss.“ Die Zwischenprüfung ist für ausbildendes Unternehmen und Lehrling eine wichtige Standortbestimmung. „Ziel ist es, dass alle Lehrlinge und Unternehmen an der Zwischenprüfung teilnehmen.“ Der Lehrlingsexperte und Russpreisträger Egon Blum ist da ganz optimistisch.

Vier neue Unterstützer

Vorarlberg ist von Klein- und Mittelbetrieben durchwachsen. Fast die Hälfte (48,2 Prozent) aller Betriebe bildet nur einen Lehrling aus. Natürlich liegen da die Schwerpunkte auf der täglichen Arbeit. „Diese Betriebe brauchen keine Schuldzuweisung“, sagt Hubert Hämmerle, „sondern Unterstützung.“ Er ist sich mit Manfred Rein einig, dass jeder Lehrbetrieb einen verantwortlichen Ausbildner benötigt. Künftig wollen Land und Sozialpartner neben dem bislang einzigen Ausbildungsberater vier weitere Ausbildungsunterstützer in die Betriebe schicken. Sie werden aktiv auf die Betriebe zugehen und ihre Hilfe anbieten.

Hilfe für die Lernschwachen

Wie hilft man jenen Jugendlichen, denen das Rüstzeug für eine Lehre fehlt? Bernhard Bereuter vom Arbeitsmarktservice (AMS) entnimmt seiner Datenbank, dass zur Zeit 45 Prozent aller vorgemerkten Arbeitslosen keinen höheren Abschluss als die Pflichtschule vorweisen können.
Da wollen Land und Sozialpartner das Ausbildungsstarthilfemodell forcieren. Die zu diesem Projekt zugelassenen Jugendlichen beginnen ihre Ausbildung im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ). Während der ersten sechs Monate wird neben der fachlichen Grundausbildung großer Wert auf die Verbesserung der Kernkompetenzen (Rechnen, Schreiben, Lesen etc.) und auf die Stärkung der Sozialkompetenz gelegt. Vor Ablauf von sechs Monaten entscheidet sich in Absprache mit dem Unternehmen, ob der Jugendliche die Lernziele erreicht hat und in das Unternehmen wechseln kann.

Lehre und Matura

Dieses Angebot gibt es in beide Richtungen: Maturanten sind auf Lehrplätzen willkommen, Lehrlinge werden in der Vorbereitung auf die Matura nach Kräften unterstützt. „Leider wird dieses Angebot nicht so angenommen, wie es eigentlich möglich wäre“, bedauert Landeshauptmann Wallner. Dieses österreichweite Vorzeigemodell soll wieder stärker beworben werden. Das trüge auch zur Imageverbesserung der Lehre bei.

Sozialpartner treffen sich

Nun sind die Sozialpartner am Zug. Sie werden sich regelmäßig zum Thema treffen und wollen bis Ende 2015 Konzepte zur Umsetzung dieser Pläne vorlegen. Für Egon Blum ist es eine Augenweide, wie Sozialpartnerschaft auch funktionieren kann. „So etwas“, sagt der langjährige Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, „hab ich nur in Vorarlberg erlebt“.

Auch die Trabis auf Trab bringen

AK-Präsident Hubert Hämmerle ist mit den Ergebnissen des Lehrlingsgipfels sehr zufrieden. „Unsere großen Forderungen sind erfüllt worden.“ Im Dienst der Jugendlichen kann nun gemeinsam viel erreicht werden. 

  • Der Landeshauptmann verglich die Lehrausbildung mit einer Perle. Ist das Schmuckstück nur ein wenig matt geworden? Mir ist ein Vergleich aus der Automobilindustrie lieber. Wir haben unter den Vorarlberger Lehrbetrieben den Mercedes, aber wir haben eben auch Trabis. Jetzt müssen wir in dieser sehr großen Breite die Qualität der Ausbildung erhöhen. Natürlich sind die Bedingungen in kleinen Betrieben sehr viel schwieriger. Dafür entwickeln wir das Modell der Ausbildungsunterstützer. Die müssen in die Betriebe gehen, die Lage analysieren und mit dem Ausbildungsverantwortlichen eine qualitativ hohe Ausbildung schaffen.
  • Warum ist Ihnen die Zwischenprüfung so wichtig? Oft gibt es die Vorstellung, dass man dem Gesellen einfach einen Lehrling mit auf den Weg gibt, und nach dreieinhalb Jahren fällt ein fertiger Facharbeiter aus dem Betrieb. Aber so einfach ist das nicht. Die Ausbildner brauchen selber Ausbildung und die Lehrlinge zur
    Hälfte der Zeit die Information, wo sie wirklich stehen.

Die Lehre braucht Qualität

AK-Präsident Hubert Hämmerle findet die Suche nach Schuldigen entbehrlich – „Lösungen gefragt“.

AK erfocht wichtige Impulse für die Lehre

Land, Sozialpartner und AMS sind sich einig: Die Lehre muss aufgewertet werden.

Vorarlberger Lehrlingsmodell

In einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren kannst du als Lehrling beide Abschlüsse erwerben: die Lehrabschlussprüfung und die Berufsreifeprüfung.

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