17.03.2021

Was bedeuten Kurzarbeit oder Home-Office für die Steuer?

Wegen der aktuellen Corona-Krise haben die Sozialpartner sehr rasch ein neues Kurzarbeitsmodell verhandelt, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Sie sind jetzt auf Kurzarbeit oder arbeiten von zu Hause aus? Dann hat das auch steuerliche Auswirkungen. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengestellt.

Wie wirkt sich meine Kurzarbeit steuerlich aus?

Bei Kurzarbeit erhalten Sie zwischen 80 und 90 Prozent Ihres bisherigen Nettobezugs. Von Ihrem neuen Bruttobezug zieht Ihnen Ihre Arbeitgeberin bzw. Ihr Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnsteuer ab. Sie müssen sich also nicht selbst um Ihre Abgaben kümmern. Die Kurzarbeit alleine führt nicht zu einer Steuernachzahlung beim Finanzamt. Ausnahme: Wenn Sie etwas dazuverdienen, kann es sehr wohl zu Nachzahlungen kommen.


Was ist, wenn ich neben meiner Kurzarbeit etwas dazuverdiene?

Sie haben wegen Ihrer Kurzarbeit Zeit und helfen aus, wo es jetzt an Arbeitskräften mangelt? Das ist auch aus steuerrechtlicher Sicht möglich. Allerdings müssen Sie alle Löhne und Gehälter, die Sie während eines Jahres beziehen, zusammenrechnen.

Ist Ihr Jahreseinkommen geringer als 12.000 Euro, dann fällt dafür keine Lohnsteuer an. Wenn Sie jedoch mehr als 12.000 Euro verdienen, müssen Sie nächstes Jahr eine ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) beim Finanzamt einreichen. Dann müssen Sie mit einer Steuernachforderung rechnen.

Nähere Informationen zum Zuverdienst finden Sie hier

Sie möchten sich selbst ausrechnen, wie viel Sie ungefähr nachzahlen müssen?
Hier finden Sie unseren Zuverdienstrechner

Beim Zuverdienstrechner sehen Sie den monatlichen Nachzahlungsbetrag.

  • Unser Tipp: Legen Sie für jeden Monat, in dem Sie etwas dazu verdienen, diesen Betrag zur Seite.  

  • Achtung: Eine genaue Berechnung ist nicht möglich. Der ausgewiesene Nachzahlungsbetrag ist daher nur ein Richtwert. Denn die Höhe der Nachzahlung hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Höhe Ihres gesamten Jahreseinkommens oder der bereits bezahlten Lohnsteuer.
  • Auch Ihre Ausgaben, die Sie bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung berücksichtigen können, beeinflussen die Höhe der Nachzahlung.

Erhalte ich den Familienbonus bei Kurzarbeit und in welcher Höhe?

Während der Kurzarbeit wird von Ihrem Gehalt weiterhin Lohnsteuer abgezogen. Daher haben Sie grundsätzlich auch weiterhin Anspruch auf den Familienbonus. Durch Ihren geringeren Bruttobezug verringert sich auch die Lohnsteuer. Daher kann es sein, dass sich der Familienbonus während Ihrer Kurzarbeit nicht mehr oder nicht mehr zur Gänze auswirkt. Aber letztlich ist Ihr gesamtes Jahreseinkommen dafür maßgeblich! Ist Ihr Jahreseinkommen für den vollen Familienbonus hoch genug, erhalten Sie mit der ANV die Differenz erstattet. 

Tipp

Ändern Sie beim Familienbonus vorläufig noch nichts! Sie können die Höhe Ihres Jahreseinkommens noch nicht absehen. Stellt sich am Jahresende heraus, dass beim Familienbonus eine andere Aufteilung günstiger ist – dann können Sie das bei der ANV noch immer ändern.

Was ist mit meiner Dienstwohnung oder meinem Firmenauto?

Sie haben eine Dienstwohnung oder ein Firmenauto, das Sie auch privat nutzen können? Wenn Sie in Kurzarbeit sind oder im Home-Office arbeiten, ändert sich daran nichts. In jedem Monat, in dem Sie den Gegenstand nutzen können, muss der Sachbezug bei der Lohn- bzw. Gehaltsverrechnung angesetzt werden. 

Steuerliche Regelungen bei Homeoffice

Die Ausgangslage

Wer von zuhause aus arbeitet, hat höhere Kosten für Strom, Heizung, Internet und ähnliches. Manchmal ist es auch notwendig, sich einen Laptop oder Büromöbel selbst anzuschaffen.

Diese Kosten können bislang nur sehr eingeschränkt bei der Arbeitnehmerveranlagung (ANV) geltend gemacht werden.

Auch ist es dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin bisher nur möglich, die Ausstattung wie Computer und Bürosessel steuerfrei zur Verfügung zu stellen. 

Erhalten Sie Kostenersätze ausbezahlt, dann sind diese bislang steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Das bringt die Neuregelung

Seit April 2021 gibt es fürs Homeoffice einige steuerliche Begünstigungen. Erhalten Sie hier einen Überblick über die Neuregelung, die für die Jahre 2021 bis 2023 gilt. 

Kostenersatz des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin

Der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin muss Ihnen die Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Erhalten Sie keine Arbeitsmittel, dann muss ein Kostenersatz gezahlt werden. Das gilt auch für Ausgaben für Strom, Heizung, Internet etc. 

Diese Kostenersätze können bis zu drei Euro pro Arbeitstag im Homeoffice steuer- und sozialversicherungsfrei ausbezahlt werden, und für maximal 100 Tage im Kalenderjahr. Das heißt, Sie können bis zu 300 Euro pro Jahr steuerfrei bezahlt bekommen.

Musterbrief

Finden Sie hier einen Musterbrief, um Ihre Ansprüche einfordern zu können!

Neue Werbungskostenregelung für das Homeoffice ab 2021

Kosten für das Arbeitszimmer und digitaler Arbeitsmittel

Ab 2021 werden Sie pro Arbeitstag, den Sie im Home-Office verbringen, pauschal drei Euro als Werbungskosten geltend machen können. Das gilt für maximal 100 Tage im Jahr. D.h. Sie werden pauschal  bis zu 300 € im Jahr absetzen können. Mit diesen pauschalen Werbungskosten sind die Kosten für das Arbeitszimmer, d.h. Strom, Heizung, anteilige Miete und digitaler Arbeitsmittel (Internet, Telefon, Computer) abgedeckt.

Achtung!

Diese Homeoffice-Pauschale gilt erst ab der Arbeitnehmerveranlagung 2021. Mit dem Steuerausgleich für das Jahr 2020 können Sie es noch nicht beantragen.  
Haben Sie höhere tatsächliche Kosten im Homeoffice? Zum Beispiel, weil Sie ein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer haben? Dann können Sie statt dem Pauschale die tatsächlichen Kosten geltend machen. 
Ein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer liegt nur dann vor, wenn das Arbeitszimmer ausschließlich beruflich genutzt wird und den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt. Stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber bzw. Ihre Arbeitgeberin grundsätzlich ein Büro zur Verfügung und können Sie es nur vorübergehend wegen Corona nicht nutzen, dann sind die Kosten des Arbeitszimmers nicht absetzbar. 

Erhalten Sie steuerfreie Kostenersätze vom Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin bezahlt, müssen Sie diese von Ihren Werbungskosten abziehen. Die Werbungskosten, die die steuerfreien Kostenersätze übersteigen, können Sie jedoch geltend machen.

Ein Beispiel

Der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin kann bis zu 3 € pro Homeoffice-Tag abgabenfrei ausbezahlen. Erhalten Sie jedoch zum Beispiel nur 2 € pro Homeoffice-Tag, dann können Sie die Differenz zu den 3 € als Werbungskosten absetzen.

Kosten für Schreibtisch und Bürosessel

Auch Büromöbel konnten bisher nur unter der Voraussetzung eines steuerlichen Arbeitszimmers geltend gemacht werden. Nun werden Sie die Möglichkeit haben, die Kosten für ergonomische Büromöbel, das sind insbesondere der Schreibtisch und Bürosessel, steuerlich geltend zu machen. Anerkannt werden Ihnen bis zu 300 € im Jahr. Voraussetzung dafür ist, dass Sie im Jahr an mindestens 26 Tagen ausschließlich im Homeoffice arbeiten.

Sind die Anschaffungskosten der Möbel höher als 300 €, können Sie den übersteigenden Betrag in das Folgejahr mitnehmen. In diesem Fall können Sie im darauffolgenden Jahr wieder bis zu 300 € absetzen. Ein solcher Übertrag ist bis zum Jahr 2023 möglich. 

Die 300 € für ergonomische Büromöbel werden zusätzlich zu den pauschalen Werbungskosten bis zu 300 € jährlich zustehen, in Summe werden daher bis zu 600 € pro Jahr als Werbungskosten für das Homeoffice möglich sein.

Was gilt für die ArbeitnehmerInnenveranlagung 2020?

Die Neuregelung gilt erst ab der Arbeitnehmerveranlagung 2021. D.h. für letztes Jahr sind noch die bisherigen Regelungen anzuwenden.

Kosten des Arbeitszimmers

Für die ArbeitnehmerInnenveranlagung 2020 gilt noch die Arbeitszimmerregelung. Anteilige Strom- und andere Betriebskosten können Sie nur dann geltend machen, wenn Sie ein steuerliches Arbeitszimmer haben. Haben Sie grundsätzlich ein Büro beim Arbeitgeber und arbeiten nur wegen Corona von zuhause aus, sind diese Kosten nicht absetzbar.

Kosten für digitale Arbeitsmittel

Müssen Sie Ihren privaten PC oder Ihr privates Telefon nutzen, dann können Sie die Kosten dafür anteilig absetzen. Auch Internetkosten können im Ausmaß der beruflichen Nutzung geltend gemacht werden.

Nähere Informationen dazu finden Sie unter Werbungskosten

Kosten für Schreibtisch und Bürosessel

Büromöbel sind grundsätzlich nur für ein steuerliches Arbeitszimmer absetzbar. Allerdings soll die Neuregelung betreffend die Absetzbarkeit ergonomischer Büromöbel auch Anschaffungen in 2020 umfassen. Für die ArbeitnehmerInnenveranlagung 2020 ist neu, dass bis zu 150 € an Werbungskosten für ergonomisches Büromobiliar (wie zum Beispiel Schreibtisch, Schreibtischsessel und Tischlampe) ohne Anrechnung auf das Werbungskostenpauschale geltend gemacht werden können. Jedoch müssen zumindest 26 Tage im Jahr ausschließlich zu Hause im Homeoffice gearbeitet worden sein.

Insgesamt können für die Jahre 2020 und 2021 300 € geltend gemacht werden. Machen Sie mit der ArbeitnehmerInnenveranlagung 2020 bereits 150 € für Büromöbel geltend, können Sie 2021 ebenfalls nur 150 € absetzen. Haben Sie 2020 jedoch noch keine Möbel gekauft, sondern erst 2021, bleibt ihnen für die ArbeitnehmerInnenveranlagung 2021 der volle absetzbare Betrag von 300 €.

Sind die Anschaffungskosten höher als der maximal absetzbare Betrag, werden Sie den übersteigenden Betrag in das Folgejahr mitnehmen können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie auch im Folgejahr zumindest 26 Tage ausschließlich im Homeoffice verbracht haben.

Ein Beispiel

  • Vanessa M. hat im Jahr 2020 einen Bürostuhl um 400 € gekauft.
  • 150 € davon kann sie 2020 absetzen.
  • 150 € kann sie 2021 absetzen.
  • Die verbleibenden 100 € kann sie im Jahr 2022 geltend machen.
  • Voraussetzung ist, dass sie in allen Jahren zumindest 26 Tage im Homeoffice gearbeitet hat. 

Tipp

Haben Sie sich bereits 2020 einen Bürosessel oder Schreibtisch gekauft, können Sie die Kosten dafür ab April 2021 in der Arbeitnehmerveranlagung mit dem Formular L1 HO geltend machen. 

Haben Sie Ihren "Steuerausgleich" 2020 bereits gemacht und noch absetzbare Büromöbel? Dann können Sie die Büromöbel nachträglich geltend machen. Hierfür geben Sie auch das Formular L1 HO beim Finanzamt ab und dann erhalten Sie einen neuen Bescheid, bei dem die Möbel steuerlich berücksichtigt werden. 

Steht mir das Pendlerpauschale während Kurzarbeit oder Homeoffice zu?

Haben Sie bereits vor der Kurzarbeit oder dem coronabedingten Homeoffice Anspruch auf ein Pendlerpauschale gehabt, dann haben Sie das auch weiterhin, und zwar bis 30.06.2021. Ab Juli 2021 muss nach derzeitigem Rechtsstand tatsächlich im entsprechenden Ausmaß gependelt werden. Nähere Informationen zum Pendlerpauschale finden Sie hier.


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