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Thomas Cook-Pleite - was jetzt zu tun ist

Update:

Thomas Cook: Die Frist läuft ab

Nach der Insolvenz der Reiseveranstaltergruppe Thomas Cook ist für Betroffene, die eine Pauschalreise über die Thomas Cook Austria AG gebucht hatten, nun Eile geboten. Um eventuelle Forderungen geltend zu machen, läuft am 17. November beim Abwickler AWP P&C S.A., Niederlassung für Österreich, die Frist ab. Aus Beweisgründen rät die Arbeiterkammer zur schriftlichen Geltendmachung mittels Einschreiben. Für Kunden, die eine Pauschalreise bei den deutschen (!) Veranstaltern Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, Bucher Reisen & Öger Tours GmbH in Deutschland gebucht haben, ist als Abwickler die Kaera AG zuständig. Alle Daten dazu über europakonsument.at abrufbar. 

Die Pleite eines Reiseveranstalters in dieser Größenordnung ist beispiellos. Denn zur Thomas-­Cook-Gruppe gehören unter anderem bekannte Marken wie Neckermann und Öger Tours und nicht zuletzt Condor als konzerneigene Fluggesellschaft. 

Die Verunsicherung war und ist noch immer groß. Dr. Karin Hinteregger, Leiterin des Konsumentenschutzes der AK Vorarlberg, über die ersten Tage nach der Thomas-Cook-Pleite und die Möglichkeiten der Konsumenten.

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Insolvente Reiseveranstalter

Datum: 03.10.2019,

Das Telefon stand schon am ersten Morgen nicht mehr still. 

Was konnten Sie Betroffenen sagen?

Dr. Karin Hinteregger: Der erste Rat war, Ruhe zu bewahren und keine voreiligen Schritte zu setzen. Denn eine Insolvenz alleine berechtigt mich als Konsumenten nicht zum stornofreien Rücktritt. Ich muss abwarten, ob die Reise stattfinden kann. Uns war klar, dass es einige Tage dauert, bis zum Beispiel feststeht, ob auch Tochtergesellschaften, über die gebucht wurde, in die Pleite schlittern. Sämtliche Reiseveranstalter in der EU müssen gegen Insolvenz abgesichert sein. Findet eine Reise wegen Insolvenz des Veranstalters definitiv nicht statt, greift dieser gesetzliche Schutz, der die Zahlungen der Konsumenten absichert, zum Beispiel durch eine Versicherung des Reiseveranstalters. Diese benennt dann einen sogenannten Abwickler.


Betrüger auf dem Plan!

Betrüger versuchen offenbar, mit Datenklau aus der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook Profit zu schlagen. Es wird vor gefälschten E-Mails mit dem Betreff „Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise“ gewarnt. In der E-Mail werden persönliche Daten verlangt, u. a. von Reisepass, Kreditkarte.

Dank der gesetzlichen Regeln sind bei Pauschalreisen die Zahlungen abgesichert. 

Dr. Karin Hinteregger

Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz

Was ist dessen Aufgabe?

Er ist die Anlaufstelle für die Betroffenen. An ihn muss ich mich wenden, um meine Ansprüche anzumelden. In den Buchungsunterlagen steht, wer im konkreten Fall der erste Ansprechpartner ist.

Was gilt es dabei zu beachten?

Wichtig ist, zu schauen, bei welchem Reiseveranstalter Sie gebucht haben. Davon hängt der Abwickler ab: Für Neckermann Österreich, als Beispiel, ist ein anderer Abwickler zuständig als für Neckermann Deutschland. Das bedeutet auch, dass die Frist für die Anmeldung der Ansprüche unterschiedlich ist. Sie beträgt acht Wochen und läuft ab Insolvenzantrag. Die erste Frist läuft am 17. November ab. Am besten sollte man natürlich sofort reagieren. Auf der Homepage des Europäischen Verbraucherzentrums findet man laufend aktualisiert alle notwendigen Informationen.

Europakonsument

Ist mein Geld verloren?

Nein. Bei einer Pauschalreise – und nur dann! – muss alles bisher Gezahlte rückerstattet werden. Aber es kann dauern. 

Wenn ich keine Pauschalreise gebucht habe, sondern nur den Flug oder nur das Hotel, welche Möglichkeiten habe ich dann? 

Dann ist nicht der Abwickler zuständig, dann muss ich eine Forderung beim zuständigen Masseverwalter des Insolvenzverfahrens anmelden. 

Das Gleiche gilt, wenn eine Fluglinie bankrott geht.

Richtig. Wenn eine Airline insolvent wird, wie es erst diese Woche bei Adria Airways der Fall war, gibt es keine Absicherung gegen Insolvenz. Die Betroffenen sind auf das normale Insolvenzverfahren angewiesen. Erfahrungsgemäß gibt es allerdings eine sehr geringe Quote.

Besonders aufreibend war und ist die Situation für jene, die am Urlaubsort von der Insolvenz überrascht wurden.

An dieser Stelle müssen die heimischen Reisebüros gelobt werden, die alles unternommen haben, um zu helfen, Rücktransporte organisiert haben und zum Teil in Vorleistung gegangen sind. Denn grundsätzlich ist nicht das Reisebüro, sondern der Reiseveranstalter bzw. der Abwickler verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ich als Urlauber nach Hause komme. Wenn das nicht klappt und ich gezwungen bin, mich selbst darum zu kümmern, und Auslagen habe, dann kann ich den Anspruch beim Abwickler anmelden. Auf jeden Fall: sich alles belegen lassen und alles fristgerecht einreichen. 


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Für persönliche Beratungen bitten wir um vorherige Terminvereinbarung.

Betrüger auf dem Plan!

Betrüger versuchen offenbar, mit Datenklau aus der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook Profit zu schlagen. Es wird vor gefälschten E-Mails mit dem Betreff „Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise“ gewarnt. In der E-Mail werden persönliche Daten verlangt, u. a. von Reisepass, Kreditkarte.

Dank der gesetzlichen Regeln sind bei Pauschalreisen die Zahlungen abgesichert. 

Dr. Karin Hinteregger

Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz

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