6.10.2017
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Dating übers Internet: Bezahlen für das Nichts

Die von der AK Vorarlberg aufgedeckte Praxis bei den Portalen von „HQ Entertainment Network“ ist die
Spitze des Eisbergs – Fragwürdige Rolle eines Vorarlberger Geschäftsmanns und Parteien-Finanziers.

BETRUGSVERDACHT. Die AK Vorarlberg zieht mit Strafanzeigen gegen das auf Dating-Internetportale spezialisierte „HQ Entertainment Network“ und die Intercon Media GmbH zu Felde. Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer werfen HQ im Zusammenhang mit Sexkontaktseiten schweren Betrug vor. Und das WAP-Billing der Intercon entpuppte sich mehr als einmal als Abofalle. In beiden Fällen profitiert ein Nenzinger Geschäftsmann, der zugleich die neos finanziell unterstützt. Die neos wiederum wollen den gesetzlich geregelten Schutz der Konsumenten abschaffen.
Aber der Reihe nach. 

Erfundene Kontakte in der Nähe

Mehrere Portale von HQ erwecken den Eindruck, User könnten bei Anmeldung Frauen, Männer oder Paare real treffen. Der Schein trügt, so Mag. Paul Rusching vom AK-Konsumentenschutz, der nach zahlreichen Beschwerden von Opfern den Versprechen genauer auf den Grund ging. „Auf den Seiten erscheinen automatisch Bilder von angeblichen Kontakten, die sich in der Nähe des Users, also zum Beispiel ,bei Feldkirch‘ oder ,im Montafon‘ befinden. Sucht man nach diesen Bildern im Internet, taucht mindestens die Hälfte dieser Bilder gleichzeitig auf einschlägigen Seiten in Dänemark, in der Schweiz, in ganz Europa auf.“ Es kann sich somit nicht um reale Personen „in deiner Umgebung“ handeln. Es sind Fake-Profile bzw. sogenannte CUser, das sind von HQ erstellte und betriebene Profile.

Millionengewinne für Betreiber

Damit lässt sich ganz schön Geld verdienen: Allein 2015 hat das Unternehmen über elf Millionen Euro Gewinn an seine Gesellschafter ausgeschüttet. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der HQ werden solche Fake-Profile sogar erwähnt. Die AGB verheißen aber auch Kommunikation mit realen Menschen und eventuell reale Treffen. Das hat freilich seinen Preis. Wer sich anmeldet, muss für die Services bezahlen. Die Anzeige der AK Vorarlberg führt stellvertretend fünf Fälle an, in denen Männer zwischen 25 und 900 Euro bezahlen sollten. Zu Treffen mit realen Personen ist es dabei nie gekommen.

Abwicklung über die Schweiz

Am Beginn steht ein Lockangebot um wenige Euro. Damit sind bereits Kontodaten samt Zustimmung für Abbuchungen in der Hand von HQ. Das Finanzielle wird dann jedoch über eine in der Schweiz registrierte Webbilling AG abgewickelt, erklärt Rusching. Die Firma ist Konsumentenschützern schon seit Jahren im Zusammenhang mit anderen Unternehmen bekannt, sie ist quasi das Inkassobüro vieler unseriöser Plattformen. Eben auch von HQ Entertainment Network.

Anfällig für Abo-Fallen

Bei einem der Beteiligten, der über das Firmenkonstrukt mitverdient, handelt es sich nach AK-Recherchen um einen Nenzinger Geschäftsmann. Er beschäftigt die AK Vorarlberg nicht zum ersten Mal. Im Mai haben die Konsumentenschützer eine Anzeige wegen Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs eingebracht, in der es um WAP-Billing durch seine Firma Intercon Media GmbH & Co. KG geht. WAP-Billing ist die Bezahlung von Internetservices über die Handyrechnung – Ein System, das für Abo-Fallen anfällig ist. Intercon wies 2014 einen Bilanzgewinn von rund 3,8 Millionen Euro aus.

Die erwähnten beachtlichen Gewinne lassen auf eine hohe Dunkelziffer von Betroffenen schließen. Bei so heiklen Angeboten wie Sex- und Dating-Portalen spielt bei vielen Scham eine Rolle. „Es gibt keinen Grund dafür, sondern es ist wichtig, dieser Abzocke den Garaus zu machen“, sagt Paul Rusching und ruft weitere Betroffene auf, sich beim AK-Konsumentschutz zu melden. Eines hat sich nämlich auch gezeigt: Den Betreibern ist alles andere als an Aufsehen gelegen. „Immer dann, wenn wir von der AK intervenierten, konnten die Fälle zugunsten der Konsumenten bereinigt werden.“ Der Vorarlberger Geschäftsmann bestreitet sämtliche Vorwürfe. Die Anzeigen liegen bei den zuständigen Staatsanwaltschaften, bis zur Klärung gilt die Unschuldsvermutung. 

Leider kein Einzelfall: Es gibt jede Menge Fake-Kontakte

Bei der AK häufen sich Beschwerden über C-Date und andere Anbieter.

ABZOCKE. Die Masche ist im Grunde immer dieselbe. Zahlreiche dubiose Anbieter preisen auf Internet-Portalen „reale Kontakte“ mit dem anderen Geschlecht an. Fräulein X und Herr Y würden sich ohnehin „in der Nähe“ befinden und sehnsüchtig darauf warten, dem Kunden zu dienen. C-Date ist eines dieser Portale und nicht das einzige, das allein von der Firma Interdate SA betrieben wird. Sie sitzt in Luxemburg, womit bereits das erste Problem verbunden ist. Fühlt sich ein Kunde geprellt oder will einfach nur sein „Abo“ kündigen, antwortet C-Date ausschließlich auf Englisch. „Für manche Konsumenten ist das durchaus schwierig“, sagt Dr. Franz Valandro, Konsumentenschützer der AK Vorarlberg.

In Österreich verboten

Das Hauptproblem allerdings ist, dass C-Date „Abos“ für seine angeblichen Dienste ohne vorigen Hinweis automatisch verlängert. Im Gegensatz zu Deutschland ist das in Österreich untersagt. Valandro: „Auch wenn ein Konsument nachweislich von Österreich aus eine dieser Seiten aufruft und diese Seiten sogar eine ,.at‘-Endung haben, stellt sich der Seitenbetreiber stur. Die Firma geht gar nicht darauf ein oder verweist auf angebliches Recht, das für Österreich jedoch nicht gilt.“ Spätestens ab diesem Zeitpunkt baut C-Date Druck auf und beauftragt das Inkassobüro Abilita GmbH in Regensburg, die – unrechtmäßigen – Forderungen einzutreiben. Dieses Inkassobüro ist Konsumentenschützern in anderen Zusammenhängen nur zu gut bekannt.

Teures Nicht-Vergnügen

Bei den Forderungen geht es keineswegs um Kinkerlitzchen. Ein „Premium“-Angebot bei C-Date kostet 39,90 Euro – pro Monat! Auf ein halbes Jahr abgeschlossen, verlangt C-Date rund 250 Euro für bestimmte Dienstleistungen.
Müßig, das extra zu betonen: Noch bei keinem der Konsumenten, die sich ratsuchend an die AK Vorarlberg gewendet haben, war auch nur ein einziges reales Treffen zustande gekommen.


Über 11 Millionen Euro „abgezockt“

Die AK Vorarlberg hat das Datingportalunternehmen HQ Entertainment Network bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien angezeigt.

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