Roaming: Kein Ende mit dem Schweiz-Problem

Magenta lässt die Vorarlberger Kunden weiter im Stich. A1 blieb eine Antwort schuldig, nur „Drei“ bietet die Möglichkeit das Schweizer Netz im Handy sperren zu lassen, um Schockrechnungen zu vermeiden.

Es vergeht so gut wie kein Tag in der Konsumentenberatung der AK Vorarlberg, an dem nicht mindestens ein Konsument verzweifelt um Hilfe bittet: Die Handyrechnung weist – oft unerklärliche – Kosten für die Benützung eines Schweizer Mobilfunknetzes aus. „Einmal sind es relativ geringe Beträge von 10, 20 Euro, aber immer wieder landen bei uns Fälle, in denen ein Netzbetreiber hunderte oder mehrere tausend Euro in Rechnung stellt“, berichtet Dr. Franz Valandro, der gemeinsam mit Mag. Paul Rusching und Mag. Lisa Natter im AK-Konsumentenschutz für Telekom-Beschwerden zuständig ist.
Das Problem ist sattsam bekannt: Die Schweiz unterliegt als Nicht-EU-Land der Roamingverordnung und die Tarife sind, vor allem für die Internetnutzung, schlicht horribel. Waren es ursprünglich vor allem Fälle, bei denen Konsumenten, ohne es zu merken, im Vorarlberger Grenzgebiet in ein Schweizer Netz „gerieten“, so nimmt die Zahl jener Beschwerden zu, in denen Konsumenten angeblich aktiv die 60-Euro-Sperre aufgehoben hätten, die eine Mehrbelastung über diesen Betrag hinaus verhindern soll.

Angeblich. Beweis schuldig

Darauf berufen sich die Telekomanbieter mit Datum und Uhrzeit. „Dann steht Aussage gegen Aussage“, so Valandro: „Erst in einem Gerichtsverfahren müsste die entsprechende Dokumentation vorgelegt werden. Einen Prozess scheuen die Netzbetreiber allerdings wie der Teufel das Weihwasser.“ Unter Klags­androhung kommt es dann in vielen Fällen zu einem Vergleich oder dazu, dass auf die Forderung verzichtet wird. Denn vor Gericht müsste auch die Kostenstruktur aufgedeckt werden. Wie viel die Schweizer Kollegen den österreichischen Handynetz-Anbietern tatsächlich verrechnen, ist eines der großen Geheimnisse der Branche.

Nicht haltbar ist in diesem Zusammenhang die Ausrede, dass es technisch nicht möglich wäre, speziell für den Fall Schweiz eine automatische Sperre einzurichten. Damit argumentieren A1 und Magenta (früher T-Mobile). Dabei macht „Drei“ vor, dass es geht. Zwar nur auf Antrag des Konsumenten, aber immerhin. Laut Regulierungsbehörde RTR wäre das auch bei A1 möglich, bestätigen konnte das bis Redaktionsschluss der Netzbetreiber trotz mehrfacher AK-Nachfrage jedoch nicht.

Laufende Interventionen

Der Ärger mit dem Schweiz-Pro­blem ist daher vorläufig leider noch immer nicht zur Gänze aus der Welt geschafft. Die AK Vorarlberg lässt allerdings nicht locker, geht allen Fällen nach und interveniert laufend bei den Netzbetreibern für die Betroffenen. Der AK-Konsumentenschutz arbeitet in besonders krassen Fällen mit dem Bregenzer Rechtsanwalt Dr. Helgar Schneider zusammen, der dafür ein ausgewiesener Spezialist ist. Zum Beispiel sollte Karl-Heinz U. (Name geändert) für 223,44 MB den stolzen Preis von 3409,17 Euro an A1 bezahlen. U., auf den der Handyvertrag läuft, und sein Sohn waren gemeinsam auf Urlaub gewesen. Als sie in der Schweiz aus dem Flugzeug gestiegen waren, hatte der Sohn zwei SMS erhalten, wonach ihm der Verbrauch von 40 Euro bzw. die Erreichung des Kostenlimits von 60 Euro mitgeteilt worden war. Beide können allerdings ausschließen, dass sie die Sperre aufheben ließen, denn dazu wäre über eine Online-Maske die Eingabe des Kundenkennworts notwendig. A1 bot als „Kulanz“ zuerst eine Reduktion um 1200 Euro an, verzichtete am Ende aber bis auf 60 Euro auf die Forderung.

Problem mit allen Drittländern

Das Problem besteht freilich bei allen Drittländern, wie etwa den beliebten Urlaubsdestinationen Ägypten oder Türkei. Wegen der Nachbarschaft zur europäischen „Roaming-Insel“ Schweiz ist diese Kostenfalle für Vorarlberger besonders relevant. Die AK Vorarlberg hat den Gesetzgeber mehrfach dazu aufgefordert, für strengere praxisbezogene Regulierungen zu sorgen. 

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