23.3.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Roaming-Gebühren ade: Alles doch nur Bluff?

Mitte Juni tritt die neue EU-Roamingverordnung in Kraft, die Konsumentenschützer europaweit hart erkämpft haben. Die Kurzform: Die Roaming-Gebühren fallen weg. Das Missverständnis bei vielen Konsumenten: Innerhalb der EU kann ab diesem Zeitpunkt grenzenlos telefoniert, gesurft und gesimst werden. Das suggerieren auch erste Werbekampagnen der Netzbetreiber. Und das ist falsch. 

Warum? Roaming wird doch abgeschafft …

Roaming beschreibt den technischen Prozess, automatisiert ein fremdes Betreibernetz zu nutzen. 
Dafür zahlen die Telekomgesellschaften auch in Zukunft einander Geld. Per Verordnung abgeschafft werden „nur“ die Gebühren, die dafür noch bis 15. Juni von den Konsumenten verlangt werden. Die EU nennt das „Roam like at home“ (ungefähr: tu‘s wie zu Hause). Das ist jedoch kein Freibrief, wie mehrere der folgenden
Punkte für Handy- oder Tablet-Nutzer deutlich machen.

Ich befinde mich im EU-Ausland, dann …  

„Wenn ich durchschnittlicher Roaming-Konsument bin, d. h. ich fahre zwei bis drei Wochen in der EU auf Urlaub, dann telefoniere ich, dann SMSe ich, dann nutze ich Daten wie zu Hause ohne Überraschungen“, sagt Mag. Johannes Gungl, Geschäftsführer der zuständigen Regulierungsbehörde RTR im AKtion-Gespräch: „Bei wirklichen Heavy-Usern wie Pendlern oder Geschäftsleuten, die wirklich viel unterwegs sind, da ist noch Vorsicht geboten.“ Auch vor der intensiven Nutzung von Streaming (Filme, Musik etc.) warnt Gungl vorerst. Denn Tarif ist nicht gleich Tarif.

Gilt „unlimitiert“ auch im EU-Ausland?

Nein. Hier wird eine Grenze eingezogen, die sich nach einer Formel berechnet. Ein Beispiel: Die Grundgebühr beträgt 20 €, diese wird durch den Preis dividiert, den die Netzbetreiber einander für 1 GB verrechnen dürfen (bis 2018 7,7 €, sinkt bis 2022 auf 2,5 €), ergibt 2,59, und das wird mal 2 genommen. Als Resultat kommt 5,19 heraus. Dieser „unlimitierte“ Tarif würde 5,19 GB kostenlose Datennutzung im Ausland ermöglichen. „Es ist alles nicht sehr transparent für den Kunden“, befindet auch Regulator Gungl.

Wenn ich von Österreich ins EU-Ausland telefoniere, dann …

Hier gibt‘s vermutlich das größte Missverständnis zum Roaming: Auslandsgespräche haben damit nichts zu tun und sind von der EU-Verordnung nicht betroffen, betont Gungl. Vom Heimatland ins Ausland zu telefonieren bleibt teuer. Das gilt auch übers Eck: „Wenn ich in Deutschland bin und nach London telefoniere, ist das zwar Roaming, aber ich zahle dafür denselben Preis, wie wenn ich zuhause wäre.“ 

Wenn also Roaming die nationalen Netzbetreiber Geld kostet, das sie den Kunden nicht mehr weiterverrechnen können:  

Werden die Preise für Handy tarife steigen? 

Die Antworten der von der AKtion angefragten Tarifanbieter fallen unterschiedlich aus. Nur „HoT“ legt sich fest: „Bestehende Tarife werden nicht verteuert.“ Doch auch die Hofer-Marke will die endgültige EU-Roaming-Verordnung abwarten und Auswirkungen auf zukünftige Tarife prüfen. Natürlich stellen sich umgekehrt Fragen zu bestehenden Tarifen mit inkludierten Roaming-Einheiten.

Muss mein Tarif mit inkludiertem Roaming ab 15. Juni billiger werden?


Bestehende Tarife müssen umgestellt „und Kunden darüber informiert werden, was ,Roam like at home‘ für sie bedeutet“, sagt Gungl. Der Kunde muss nicht aktiv werden, am Zug ist der Betreiber. Will ein Kunde im alten Vertrag bleiben – weil dieser vielleicht Freiminuten in ein Nicht-EU-Land inkludiert und ihm das wichtiger ist –, dann muss der Betreiber den Kunden informieren, welche Vorteile ihm entgehen. Ist eine Tarifänderung für einen Kunden nicht ausschießlich begünstigend, so steht ihm ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Die relevanten Netzbetreiber drücken sich noch um konkrete Antworten. Eindeutig war lediglich „bob“, wo überhaupt keine Tarife Roaming inkludieren.  

Ist ein Tarif ohne Roaming denn überhaupt erlaubt?

Ja. Es gibt keine Verpflichtung, Roaming anbieten zu müssen. Das Handy bleibt in diesem Fall im Ausland gesperrt – außer man kauft ein (teures) Roaming-Paket hinzu. 

Gibt es schon jetzt Tarife, die „fit“ für den 15. Juni sind?

Aus Sicht der Netzbetreiber schon. Alle Befragten machen glauben, dass zum Inkrafttreten der EU-Verordnung keine neuen Tarife notwendig sein werden. Einige Anbieter hätten ohnehin erst im Jänner oder Februar neue Tarife lanciert. Dass dabei jedes Wort auf die Goldwaage zu legen ist, musste Anton C. erfahren. Er hatte in einem Dornbirner Elektromarkt einen neuen „Top“-Tarif von Drei abgeschlossen: 19 Euro, „unlimitiert österreichweit und in allen anderen EU-Ländern“. Mit der ersten Monatsrechnung forderte Drei 205 €. Was war geschehen? Herr C. hatte guten Glaubens von Österreich ins Ausland telefoniert (siehe weiter vorne). Ob ein Tarif Telefonieren „in alle“ oder „in allen EU-Ländern“ inkludiert – finanziell ein gewaltiger Unterschied. Im Elektromarkt war man bei der Reklamation von Anton C. noch immer davon überzeugt, auch Auslandsgespräche wären inkludiert. Jetzt kümmert sich der AK-Konsumentenschutz um den Fall.  

Ich hole mir einfach eine Billig-SIM-Card aus dem Ausland!

Abgesehen davon, dass das im Normalfall nicht mehr notwendig ist – im Rahmen einer Fairness-Politik schiebt die EU einem „SIM-Karten-Schacher“ (Gungl) den Riegel vor. Ein Ausländer kann ab 15. Juni dazu angehalten
werden, eine „stabile Bindung“ zu dem Land nachzuweisen, in dem er die SIM-Karte kaufen will, zum Beispiel durch eine Melde-, Studien- oder Arbeitsbestätigung. 

Das Schweizer Netz bleibt ein Problem


GRENZFÄLLE. Die neue Roaming-Regelung hat keinen Einfluss auf die Schweiz. Auch nach dem 15. Juni kann es deshalb exorbitant teuer werden, in einem Schweizer Netz zu landen. Speziell beim Surfen: In der Regel kostet jedes einzelne verbrauchte MB 15 Euro – die Schweizer veranschlagen nämlich ein Gigabyte Datenvolumen mit 16.000 Franken! „Nicht nachvollziehbar“, befindet auch der RTR-Regulator Johannes Gungl. Eine Änderung dieser Praxis bei den Schweizer Netzbetreibern ist momentan nicht absehbar. Gungl rät deshalb: „Vorsichtig sein, Roaming ausschalten, kontrollieren, ob ich nicht in ein Schweizer Netz falle.“  


Smartphone für’s Kind

Kinder und Jugendliche sind im Umgang mit Smartphones unerfahren – das kann zu unerwartet hohen Handyrechnungen führen. Treffen Sie also Vorkehrungen.

AK App "Frag uns"

Services der Arbeiterkammer für unterwegs: Arbeitsrechts-App, Brutto-Netto-Rechner, Bankenrechner, Zeitspeicher oder Jobclips.

Ein­kau­fen im In­ter­net

Shop­ping im Web lockt mit bil­li­gen An­ge­bo­ten. Doch nicht alle An­bie­ter sind seriös.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen
Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK