3.7.2015
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In Arbeit: Der Mensch ohne Bargeld

Das Bargeld soll abgeschafft werden, fordern renommierte Ökonomen. Die im Juni losgetretene Diskussion hat nicht nur die Euro-Krise zum Hintergrund. Mehrere Staaten sind bereits hurtig unterwegs in Richtung völliger Geldtransparenz ihrer Bürger.

BEZAHLEN. Man mag skeptisch sein, ob Bargeld tatsächlich eines Tages abgeschafft wird. Doch seit vor Monatsfrist mit Kenneth Rogoff und Peter Bofinger zwei international renommierte Wirtschaftswissenschaftler laut über die angeblichen Vorzüge nachgedacht haben, reißt die Diskussion über eine bargeldlose Gesellschaft nicht ab. Die Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat, Banken und nicht zuletzt jeden einzelnen Bürger sind heftig umstritten.

Bargeld sei unzeitgemäß, unpraktisch, unhygienisch, eigentlich richtig eklig. Von der einen Seite wird tief in die emotionale Kiste gegriffen. Die andere kontert, es gebe keinen wirklichen Grund, an der jahrhundertelang bewährten Form des Bezahlens zu rütteln. Argumente, mit einem Bargeldverbot dunklen Machenschaften – Stichwörter Geldkoffer und Schwarzarbeit – den Garaus zu machen, seien unhaltbar und fadenscheinig. Vielmehr strebten Staaten und Finanzwesen den gläsernen Menschen an. Ist erst einmal jede noch so kleine Bezahlung  elektronisch erfolgt, wird jegliche Transaktion nachvollziehbar und letzten Endes kontrollierbar.

Ganz banale Fragen

Die Abschaffung des Bargelds wirft ganz banale Fragen auf. Wie bringt man dem eigenen Kind den Wert des Geldes bei? Wie und wo, bitte, soll ein Vierjähriger den Stand seines Taschengeldes ablesen? Wie zahle ich der Nachbarin das Geld zurück, das sie für mich auslegt hat, weil ich nicht zu Hause sein konnte, als das Nachnahmepaket erwartet wurde? Was ist mit alten Menschen, kommen sie zurecht, wenn es nur noch Plastikgeld & Co gibt? Probleme mit der Geldeinteilung haben selbst Jüngere. Wird es bargeldlos, also rein virtuell, tatsächlich einfacher? Zweifel sind angebracht und die Frage, was bei einem Ausfall der „Systeme“ passiert, ist unbeantwortet.

Kalte Enteignung

„Der Kampf gegen das Bargeld hat begonnen“, titelte die „Neue Zürcher Zeitung“, die alles andere als für ihre Aufgeregtheit bekannt ist. Sie und die meisten anderen Kommentatoren sehen den Zeitpunkt nicht als zufällig, an dem die Diskussion auf breiter Front losgetreten wurde. Die Staatskassen sind leer, es braucht effektivere Mittel, Steuerbetrug zu verhindern. Vor allem aber: Die Wirtschaft kommt nicht und nicht in Fahrt, die Instrumente der Nationalbanken und Finanzminister, die Wirtschaft anzukurbeln, nähern sich gefährlich ihrem Ende. Als eine Möglichkeit, die bis zu einem gewissen Grad wirkt, werden Negativzinsen angesehen. Doch in einer Bargeld-Gesellschaft funktioniert das schlecht. Wenn Geschäftsleute und einfache Bürger ihr Guthaben von der Bank abziehen und Bares lieber unters Kopfkissen stecken, fehlt es im Wirtschaftskreislauf. Ist das Bargeld hingegen abgeschafft, wird über Negativzinsen kalt enteignet, ohne dass sich jemand dagegen wehren könnte.

Eine Frage der Freiheit

Vom russischen Dichter Dostojewski stammt das Zitat: Geld ist geprägte Freiheit. „Heute sollte man wohl ergänzen: Bargeld ist geprägte Freiheit“, resümmierte die Wochenzeitung „Die Zeit“. Diese Freiheit, da darf man sich nichts vormachen, setzen die Konsumenten schon länger selbst aufs Spiel. Sie arbeiten unbewusst an der schleichenden Abschaffung des Bargeldes fleißig mit. Mit jedem Einkauf per Bankomat-, Kredit- und Kundenkarte, online im Internet oder übers Handy. Und demnächst mit der Armbanduhr.

Bereits geübte Bargeld-Abtrünnige sind die Skandinavier. Dort ist in bestimmten Supermarktketten das Bezahlen mit Bargeld gar nicht mehr möglich. Bargeld bereitet Umstände. Finnland führte die kleinsten Centmünzen erst gar nicht ein. 

Euro-Schokoladetafeln © Heidel, heidel.com

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