30.11.2016
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Schlankheitsmittel auf dem Prüfstand: Auf Dauer ohne Wirkung

Die Zahl der übergewichtigen Menschen steigt stetig und damit auch der Markt für Gewichtsreduktionsmittel aller Art. Die Gesundheits- und Ernährungswissenschafterin Mag. Angelika Stöckler hat für die AK Vorarlberg 21 „Schlankheitsdrinks“ unter die Lupe genommen. 

Schlankmacher. Sie sollen ohne viel Zubereitungsaufwand gut sättigen, die Fettverbrennung ankurbeln und nahezu mühelos schlank machen. Ganz schön viel, was da an Erwartung zusammenkommt. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Jeder zweite der von Gesundheits- und Ernährungswissenschafterin Mag. Angelika Stöckler auf Zusammensetzung und Wirkung hin untersuchten Drinks zur Gewichtsreduktion kann die Versprechen nicht einlösen.

Schlankheitsmittel im Test © AK

Was es wirklich braucht

Betrachten wir den angestrebten Effekt zuerst einmal nüchtern durch die Faktenbrille. Um ein Kilogramm Körperfett abzubauen, müssen 7500 kcal weniger zugeführt oder zusätzlich verbraucht werden: Gesunde Möglichkeiten dazu sind z.B. ein Monat lang täglich eine halbe Stunde schnell gehen oder im Ausdauerbereich trainieren oder 250 kcal pro Tag beim Essen und Trinken einsparen. Stöckler: „Denken Sie daran: Eine gesunde und dauerhafte Gewichtsabnahme braucht Zeit! Schnelle Erfolge sind meist von kurzer Dauer.“

Hohe Erwartungen unangebracht

Die landläufig als Schlankheitsmittel, Formula-Diät, Schlankheitspulver oder Shakes zur Gewichtsreduktion bekannten Mittel werden korrekt als „Lebensmittel für kalorienarme Ernährung zur Gewichtsverringerung“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um Produkte mit einer besonderen Zusammensetzung, die, sofern sie gemäß den Anweisungen des Herstellers verwendet werden, die tägliche Nahrungsmittelration ganz oder teilweise ersetzen.

Diese speziellen „Lebensmittel“ sind aufgrund ihrer Zusammensetzung von maximal 400 kcal pro Mahlzeit geeignet, eine Gewichtsabnahme zu unterstützen. Die Shakes zur Gewichtsreduktion erleichtern manchen Menschen den Einstieg ins Abnehmen. Doch Angelika Stöckler warnt vor zu hohen Erwartungen: „Mahlzeiten durch ,Schlankheitsdrinks‘ zu ersetzen bewirkt in der Regel eine Gewichtsabnahme, doch keine Veränderung ungünstiger Essgewohnheiten. Damit ist die Gefahr verbunden, nach der Reduktionsphase bald wieder das Ausgangsgewicht zu erreichen. Wird nicht gleichzeitig eine langfristige Veränderung ungünstiger Gewohnheiten vorgenommen, stellt sich der berüchtigte Jojo-Effekt ein.

Vor- und Nachteile

Als Vorteile sehen viele Anwender, dass die angebotenen Produkte bei wenig Kalorien alle lebenswichtigen Vitamine sowie Mineralstoffe enthalten und mit wenig Aufwand trinkfertig sind. Nachteile sind der eintönige Geschmack sowie das fehlende Genuss- und Gesellschaftserlebnis des Essens. Dazu kommt, dass keinerlei Lerneffekt zur Verbesserung ungünstiger Nahrungsauswahl und nachteiliger Ess- und Trinkgewohnheiten gegeben ist (siehe oben).

Was die Zusammensetzung der für die AK Vorarlberg untersuchten Produkte angeht, ähneln sie sich. Meist handelt es sich um ein Eiweiß-Zucker-Fett-Pulver, das mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, aromatisiert, mit Trennmitteln versetzt und mit Süßungsmitteln geschmacklich aufgepeppt ist. Gemischt mit Wasser oder Milch und in vielen Fällen etwas Pflanzenöl entsteht ein Drink, der eine oder mehrere Mahlzeiten pro Tag ersetzen kann. Aus Platzgründen beschränkt sich die Tabelle unten auf einen groben Überblick mit einer qualifizierten Einschätzung der Ernähungswissenschafterin. Weitere Details zu den Produkten (Zusätze, Vitamin- und Mineralstoffangaben etc.) sowie eine die ausführliche Expertise hat die AK Vorarlberg auf ihrer Webseite zum Herunterladen bereitgestellt.

Kein dauerhafter Ersatz

Einige wichtige Punkte sollen an dieser Stelle aber nicht vorenthalten werden:

  • Die angeführten Produkte können eine gesunde Ernährungsweise nicht ersetzen.
  • Sie sollten daher nur vorübergehend verwendet werden. Wird die übliche Ernährung komplett dadurch ausgetauscht, dann ohne ärztliche Begleitung keinesfalls länger als drei Wochen!
  • Eiweißshakes sind ungeeignet als Mahlzeitenersatz.
  • Auffallend ist, dass die preiswertesten Produkte viel Zucker als Füllstoff enthalten und daher aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht für die Gewichtsreduktion geeignet sind.  

Fazit

Konsumenten, die sich zur Gewichtsabnahme für ein Fertigprodukt als Ersatz ihrer Mahlzeiten entscheiden, sollten gezielt Produkte auswählen, die als „Mahlzeitenersatz für eine gewichtskontrollierende Ernährung“ gekennzeichnet sind. Die Gefahr einer Verwechslung mit Nahrungsergänzungsmitteln, die den Eindruck eines Schlankheitsmittels erwecken, jedoch die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen nicht sichern, ist hoch.

Für eine anhaltende Sättigung und zur Unterstützung der Darmtätigkeit ist es ratsam, Produkte mit geringen Zuckergehalt und einem höheren Anteil an Ballaststoffen zu bevorzugen. Da viele Produkte ähnlich zusammengesetzt sind, lohnt sich ein Preisvergleich auf jeden Fall.

Zahlreichen Produkten ist L-Carnitin zugesetzt, landläufig als Fatburner bekannt. Doch der Stoff kann leider kein überschüssiges Fett verbrennen.

Gesundes Frühstück

Fünf leckere Rezepte für ein gesundes Frühstück hat Ernährungswissenschafterin Angelika Stöckler für uns zusammengestellt.

AK-Test: Cerealien

Zuckerbomben als Start in den Tag - Verpackungsangaben halten der Realität nicht immer stand.

Zeichen-Wirrwarr bei Lebensmitteln

Ein Gütesiegel hier, eine Herkunftsbezeichnung da: In der Bro­schü­re „Pro­dukt­kenn­zeich­nung“ er­fah­ren Sie, was die Zeichen wirklich be­deu­ten.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen
Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK