21.9.2015
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Was das Frühstück aus dem Karton (nicht) hält

CEREALIEN. Cerealie steht für Getreidefrucht und in Verbindung mit dem Frühstück gelten entsprechende Produkte gemeinhin als gesunde Ernährung. Ein Anspruch, dem Fertigkompositionen aus dem Supermarkt nicht in allen Details gerecht werden.  

Viele der Frühstückscerealien, die mit bunten Verpackungen und oft mit coolen Spielzeugbeigaben locken, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Zuckerbomben. Die Industrie spielt die wahre Auswirkung der Zusammensetzungen herunter. Vor allem die meist angegebene durchschnittliche Portionsgröße von 30 Gramm stellt sich als unrealistisch heraus. 

Der Trick mit der Portionsgröße

Wundern Sie sich nicht, dass die Packungen so schnell leer sind. Denn die aufgedruckten Portionsangaben sind viel zu knapp bemessen. Eine Packung mit 300 g Cornflakes ergibt durchschnittlich nur sechs statt der angeführten zehn Portionen.

Auf einem Abenteuersportcamp wurden 53 Kinder zwischen 5 und 13 Jahren von der AK Vorarlberg zum Test eingeladen und aufgefordert, sich so viel zu nehmen, wie sie üblicherweise zu Hause verzehren. Dann wurde gewogen. „Es ging nicht um den Geschmack, sondern um die Portionsgröße und daraus abzuleitende gesundheitliche Aspekte“, erklärt die Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin Angelika Stöckler. „Schon die Sechsjährigen füllten ihre Müslischalen mit durchschnittlich 40 Gramm.

Mit zunehmendem Alter wächst klarerweise der Appetit. Dementsprechend werden auch die Portionen größer und betrugen bei unseren Zehnjährigen bereits durchschnittlich  60 Gramm.“

Die erste Portion zählt

Dazu kommt, dass sich jedes fünfte Kind mit einer zweiten Portion bediente, einige sogar mit einer dritten. Natürlich lag das auch am Angebot von 36 unterschiedlichen Sorten – deshalb kam nur die jeweils erste Portion in die Auswertung.

So oder so: Gerade die „empfohlenen“ Miniportionen erwecken den Anschein, der Zuckergehalt liege im unteren Bereich. Eine Portion decke zwei bis 23 Prozent der akzeptablen Tagesmenge Zucker – „klingt eigentlich ganz gut“, sagt Stöckler, „bedenkt man allerdings, dass auch auf den ,Kinderpackungen‘ für Erwachsene gültige Referenzwerte verwendet werden, so ergibt sich ein anderes Bild.“
Ein schneller Zuckerschub, wie ihn der Großteil der getesteten Produkte auslöst, bringt kurzfristig Energie, gefolgt von einer Unterzuckerung, die sich mit Konzentrationsproblemen, Unruhe und allgemeinem Unwohlsein bemerkbar macht.

Der Trick mit der Milchangabe

Um ein möglichst perfektes Bild bei den auf den Frühstückspackungen angegebenen Nährwerten zu erzielen, wird die Rechnung auf den Packungen üblicherweise nicht mit Vollmilch, sondern mit Magermilch gemacht. 

Mit ihrer (ersten) Portion aus Cerealien und Milch nahmen die Kinder durchschnittlich 277 kcal zu sich. Das liegt im Rahmen, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch beim Fettgehalt. Sehr stark variiert auch der Ballaststoffgehalt der Produkte. Leider ist nur bei 14 der 36 Produkte ein Hinweis auf Vollkorngetreide zu finden, das anhaltende Sättigung, Verdauungsunterstützung und Stabilisierung des Blutzuckerspiegels bewirken würde. Dafür sorgen oft zugesetzte Farbstoffe und Aromen für intensiven Geschmack.

Nach Herzenslust

Kinder durften selbst entscheiden – und zulangen

FRÜHSTÜCKSTEST. Für diesen Mittwochmorgen hatte sich die Turnhalle der Mittelschule Feldkirch-Oberau in ein riesiges Frühstückszimmer verwandelt. Mehr als 50 Mädchen und Buben langten herzhaft zu, nachdem Ernährungsexpertin Angelika Stöckler und Sandra Leichte von der AK-Konsumentenberatung fein säuberlich abgewogen und notiert hatten, was das Jungvolk da an Cornflakes und Cerealien in die Schüssel geschaufelt hatte.

Die AK Vorarlberg hatte zum großen Cornflakestest geladen. Und Mütter wie Elena Schatzmann sahen belustigt zu, wie da nach Herzenslust gelöffelt wurde. Ihre Söhne Diego (6) und Manuel (9) machten keine Ausnahme. Auch wenn sie normalerweise zum Frühstück Brot und Wurst bzw. Nutella bevorzugen.
Anders im Haushalt von Kerstin Holzer-Hertnagel. Deren siebenjähriger Sohn Maximilian ist der Versuchung der Cornflakes schon lang erlegen. Aber die Mama passt beim Einkauf auf, „vor allem auf den Zuckergehalt“. Zu Hause schneidet sie dann allerlei Obst hinein, denn ohne die Früchte aus dem eigenen Garten „geht bei Maximilian gar nichts“. Der pflanzt lange schon seinen eigenen Salat an, erzählt die Mama, und der junge Mann nickt kräftig.

Testergebnisse Cerealien


Was die Ampelfarben bedeuten © AK, AK


Gesundes Frühstück

Fünf leckere Rezepte für ein gesundes Frühstück hat Ernährungswissenschafterin Angelika Stöckler für uns zusammengestellt.

Versteckte Fette

Dass Speck kein Diätessen ist, weiß jeder. Wie viel Fett aber auch in scheinbar gesunden Lebensmitteln und Knabbereien stecken kann, ist überraschend.

E-Nummern

Lebensmittel-Zusatzstoffe sind zwar von Amts wegen ungiftig, aber nicht immer unbedenklich.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK