26.6.2014
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Öffentlich gefördert, aber trotzdem undurchsichtig teuer

Energiesparen und angepeilte Energieautonomie Vorarlbergs schön und gut. Die hehren Ziele dürfen allerdings nicht mit einer Verschleierungstaktik realisiert werden, die buchstäblich auf Kosten der Konsumenten geht. 

Die laufenden Kosten sind bei einer Nahwärmeheizung zum Teil erheblich höher als bei anderen Heizsystemen. Diese schmerzliche Erfahrung mussten die Wohnungskäufer einer 2012 bezogenen Wohnanlage in Hard machen, nachdem sie die Abrechnung fürs vorige Jahr erhielten. Einer der Wohnungskäufer erhielt für seine 94,63 Quadratmeter große Wohnung eine Abrechnung für Heizung und Warmwasser über 1570,23 Euro. Da seine alte, mit Erdwärme beheizte Wohnung nur rund zwei Quadratmeter kleiner war, konnte er den direkten Vergleich anstellen: Er hatte für dieselbe Leistung zuletzt (für 2011) nur 436,04 Euro bezahlt, also nicht einmal ein Drittel. 

Zudem kamen einige Ungereimtheiten ins Spiel. Mehreren Kaufinteressenten wurde vom Bauträger zugesichert, dass ein im Betrieb sehr kostengünstiges Heizsystem – neben Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung – eingebaut werde. Tatsächlich wurden zunächst auch Erdwärmepumpen eingeplant und sogar baubehördlich bewilligt. Im Zuge der Errichtung wurde dann aber auf Nahwärme umgestellt, ohne dass die bereits in Vorverträgen vereinbarten Kaufpreise der Wohnungen dadurch günstiger ausgefallen wären. Damit nicht genug. AK-Konsumentenschützerin Dr. Ulrike Stadelmann: „Zwar wurde in den Kaufverträgen geregelt, dass nunmehr von den Käufern ein Wärmeliefervertrag mit einem Biomasse-Heizkraftwerk zu übernehmen ist, auf die dadurch zu erwartenden höheren laufenden Heizkosten wurde jedoch angeblich nicht hingewiesen.“ Bei einer Wärmepumpe wären diese auch bei der Neubauwohnung erheblich niedriger ausgefallen. 

Nicht auskunftsfreudig

Da das Land die Nahwärmeversorgung nicht nur forciert, sondern auch massiv fördert, wird die Problematik in Zukunft die AK-Konsumentenschützer noch öfter beschäftigen, befürchtet Stadelmann: „Nahwärme klingt unglaublich gut, doch die wahren Kosten sind völlig undurchsichtig. Schon 2012 hat die AK Vorarlberg versucht, sich einen Überblick über die Endverbraucherpreise zu verschaffen. Von 29 angeschriebenen Biomasse-Nahwärmekraftwerken gaben lediglich sieben Auskunft. Dasselbe versuchte heuer die AK Steiermark, auch sie erhielt unter 200 Anbietern lediglich von 17 eine Preisinformation. Da fragt man sich schon, warum.“ 

Unkontrollierte Lieferanten

Der Blick ins Kleingedruckte gibt eine Ahnung. Die sehr unterschiedlichen Preisgleitklauseln sind für Laien schwer verständlich und kaum nachvollziehbar. Die vereinbarten Indizes wie der Energiepreisindex sind selbst übers Internet nur schwer auffindbar. Die AK Vorarlberg fordert daher, dass Tarife, Preisanpassungen, aber auch Vertragsklauseln staatlich kontrolliert werden. „Es ist nicht einzusehen, dass nur die Gas- und Stromenergieversorger der staatlichen Kontrolle unterliegen, dass Öllieferanten Preise veröffentlichen müssen, die stark geförderten Biomasse-Nahwärmelieferanten aber keine Preise angeben müssen, sondern sich hinter sogenannten Vollkosten, die sie nicht offenlegen, verschanzen können.“  

Eine Wohnung mit Nahwärmeanschluss sollte in der Anschaffung gegenüber einer vergleichbaren Wohnung mit Erdwärmepumpe bei gleicher Lage eigentlich günstiger sein, da sich der Bauträger die Kosten der Wärmepumpe samt Erdbohrungen und Erdsonden erspart. Das Land vergibt sogar einkommensunabhängige Einmalzuschüsse. Förderungswürdig sind Bauträger, aber auch Wohnungseigentümer. 

Im aktuellen Fall erhielten die neuen Wohnungsbesitzer keine Anschlussförderung. Sie hatten von dieser Möglichkeit ebenso keine Ahnung wie über die tatsächlichen Folgekosten ihres vermeintlich günstigen Nahwärme-Heizanschlusses.   

Forderungen der AK Vorarlberg

Der aktuelle Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig Preistransparenz im Zusammenhang mit Biomasse-Heizkraftwerken ist.  

Die AK Vorarlberg fordert daher
  • dass Biomasse-Nahwärmekraftwerke die Anschluss-, Mess-, Grund- und Arbeitspreise, aber auch allfällige sonstige Kosten, die gegenüber den Endverbrauchern in Rechnung gestellt werden, offenlegen und veröffentlichen müssen, und
  • dass künftige Preiserhöhungen überwacht werden.

 


 

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