22.1.2016
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Hunderte Vorarlberger in der Erotik-Falle

Es klingt unglaublich, mit welcher Unverfrorenheit eine tschechische Firma Internet-User abzockt. Sie macht sich dabei die Scham zunutze, über die Nutzung einschlägiger Angebote zu sprechen.

VERHÄNGNISVOLL. Die Schilderungen der betroffenen Konsumenten sind glaubhaft. Die Sachverhaltsdarstellungen decken sich. In kurzer Zeit ist ihre Zahl allein bei der AK Vorarlberg dreistellig angewachsen.
Es kann jeden treffen. Die Konsumenten berichten, beim Surfen sei willkürlich ein Pop-up mit Werbung für Internetplattformen erotischen Inhalts am Bildschirm erschienen. Das Pop-up zu schließen, reichte noch lange nicht aus: Es kam die Information, man habe durch Drücken eines Play-Buttons einen Vertrag abgeschlossen. Später erhielten die Konsumenten per Post eine Zahlungsaufforderung der Firma Lintel Star s.r.o. in Prag über 79,90 Euro. Für den ersten Monat …

Offensichtlich wertet die tschechische Firma Angaben wie IP-Adresse des Computers oder die Mobilfunknummer des Handys aus, auf denen gesurft wurde, um an die Adressen der „Kunden“ zu gelangen. Mehrere Konsumenten berichten aber auch, sie seien von der Firma telefonisch kontaktiert worden. Sollten die Dienste nicht gewünscht werden, schicke man gerne die Kündigungsunterlagen auf dem Postweg zu. Wer somit guten Glaubens seine Anschrift bekannt gab, fand wenig später die erste Zahlungsaufforderung im Briefkasten. Von Kündigungsunterlagen keine Spur!

Hintermänner in London

Die Argumentation von Lintel Star ist immer die gleiche: Der Konsument habe sich auf einer Internetplattform mit pornografischem Inhalt des Seitenbetreibers „Pulsira Limited“ in Großbritannien angemeldet; es sei ein Vertrag auf unbestimmte Zeit abgeschlossen worden; die Nutzung der besagten Dienste sei für die ersten 72 Stunden kostenlos und gehe danach automatisch in einen kostenpflichtigen Zugang über.

„Der angebliche Vertragsabschluss ist rechtlich gleich in mehreren Punkten problematisch“, erklärt AK-Konsumentenschützer Dr. Franz Valandro, „verschiedene gesetzliche Bestimmungen werden einfach missachtet.“ So ist die sogenannte Button-Lösung nicht umgesetzt. Sie verpflichtet den Unternehmer, dem Konsumenten klar und in hervorgehobener Weise bestimmte Informationen zur Verfügung zu stellen, unmittelbar bevor dieser seine Bestellung übers Internet abgibt. Eine Bestätigung über den angeblichen Vertragsabschluss erhält der Konsument ebenfalls nicht. Auf das zwingende Rücktrittsrecht wird der Konsument nicht hingewiesen, ein Widerrufsformular steht weder auf der Webseite zur Verfügung, noch wird es an die Konsumenten übermittelt. Weiters unterlässt die Firma eine Aufklärung über die Zahlungspflicht der Leistung und die automatische Verlängerung des Vertrages.

Bis zu 900 Euro gefordert

Es kommt aber noch dicker. Nunmehr sehen sich Personen, die auf die bisherigen Forderungen der Firma Lintel Star nicht reagiert haben, mit der zweiten Rechnungswelle konfrontiert. Und zwar über eine Jedermann Inkasso GmbH, deren Forderungen bis zu 900 Euro reichen.

Spätestens jetzt sollten auch Betroffene, die tatsächlich einen Zugang zu den Erotik-Seiten wollten, ihre mögliche Scham überwinden und sich beraten lassen. Valandro: „Wir empfehlen die Schlichtungsstelle www.ombudsmann.at, sie wird von der AK unterstützt und hat am meisten Erfahrung mit internationalen Firmenkonstruktionen, wie es hier der Fall ist.“

Betrüger im Netz

Immer wieder melden sich geschädigte Konsumenten bei der AK Vorarlberg, die bei Online-Geschäften übers Ohr gehauen wurden.

Risiken bei Apps

Abzocke, Da­ten­klau, Viren: Was mit Apps alles schief laufen kann. Und wie man sich davor schützt.

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