28.7.2015
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Nähen blieb Dreh- und Angelpunkt

SEGELMACHERIN. Die vielen Bootsbesitzer am Bodensee setzen auf die Fingerfertigkeit der 42-jährigen Veronika Felder und ihrer – wenigen – Kollegen. Segelmacher sind Mangelware. Den anspruchsvollen Beruf kann man, zumindest in Österreich, nicht lernen. Die Wälderin fand über Umwege zu ihrem abwechslungsreichen Job bei der Harder Firma „Segel und mehr“.

AKtion: Nach der Textilschule ar­beiteten Sie 13 Jahre lang als Ände­rungsschneiderin. Wie kam es zum Wechsel zur Segelmacherin?

Veronika Felder: Ich wusste, dass ich einmal etwas anderes machen wollte. Das war dann die Lehre als Raumausstatterin … 

Da müssten Sie ja bei Lehrbeginn schon relativ alt gewesen sein.

Felder: Ja, 32. 

Das ist sehr außergewöhlich.

Felder: Eigentlich sollte man erst ab 20 eine Lehre machen und bis dahin Verschiedenes ausprobieren können. Mit 14, 15 Jahre weiß ja keiner, was er will. Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen.

Was gab den Ausschlag zur Raum­ausstatterin?

Felder: Die Abwechslung! Die verschiedenen Materialien … man kann es mit Schneidern verbinden. Ich hätte auch im zweiten Lehrjahr einsteigen können, aber ich wollte alles von Grund auf wissen. Ich entschied mich für die volle Lehrzeit. Dann der Sprung zur Segelmacherin.

Ist das auch artverwandt?

Felder: Schon. Mit Nähmaschinen kenne ich mich aus.  

Was muss ich mir als Laie unter diesem Beruf vorstellen?

Felder: Ich hatte selbst keine Ahnung! Aber mit der Zeit lernt man die ganzen Fachausdrücke und sieht, wenn man auf dem Boot arbeitet, wovon die Leute sprechen. Es geht um alles, was am Boot Näharbeiten erfordert. Polsterungen, Vorhänge, ganz unterschiedliche Hauben und Abdeckungen und natürlich Reparaturen von Segeln. Nach einer Regatta kommen sie mit einem zwei Meter langen Riss mittendurch … 

Das klingt vor allem nach Hand­arbeit. Denn mit einer Maschine kommt man bei den Dimensionen wohl schwer zugange, oder?

Felder: Nein, nein. Wir haben einen großen Tisch mit fünf Maschinen, der ist 3,5 Meter breit und 13 Meter lang. Da schiebe ich das Segel von einer Maschine zur anderen. Wenn der Riss mittendrin ist, ist’s halt a Gwurschtl.

Der Mensch als Wirtschaftsfaktor: Wofür geben Sie gerne Geld aus?

Felder: Kulturelles, Konzerte, Musik. Da gibt es so vieles, oft weiß ich gar nicht, was ich zuerst machen will. 

Welche Hobbys pflegen Sie?

Felder: Alles, was mit Natur zu tun hat. Ich bin früher sehr viel in die Berge gegangen, heute etwas weniger, seit ich in Dornbirn wohne. Zuhause sind eine komplette Ski- und Tourenausrüstung, Schlafsack, Rollerblades …

Sie müssten sich ein Jahr lang nicht um Ihren Lebensunterhalt küm­mern. Was würden Sie tun?

Felder: Wahrscheinlich reisen. Mir fehlt noch so vieles …

Sie könnten ja einmal um die Welt segeln.

Felder: Das wäre eine Idee (schmunzelt). Den Segelschein habe ich in der Zwischenzeit gemacht.

Beruf Segelmacher © AK, AK


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