25.5.2018
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Zauberwort All in: Wie toll ist das wirklich?

Dies ist nur ein Beispiel, aber es spricht Bände: Nina M. arbeitet schon lange und gerne im Außendienst. Da sie ein sehr großes Gebiet abzudecken hat, ist sie fast nur unterwegs. Sie verbringt unzählige Stunden in ihrem Firmenfahrzeug.

Da sie auch eine Vorgabe hat, wie viele Kundenbesuche sie durchschnittlich durchführen soll, ist ihr beruflicher Alltag durchgeplant, ihre Arbeitstage sind lang. Dafür verdient sie im Vergleich zu anderen Alterskolleginnen und -kollegen in derselben Branche, die nicht im Außendienst tätig sind, recht gut. Umso mehr wundert sie sich, als sie anlässlich eines Termins bei ihrer AK feststellt, dass sie eigentlich unter dem Kollektivvertragssatz bezahlt ist.

Einfach übersehen

Das ist zwar nicht zulässig, Nina hat es jedoch gar nicht bemerkt. Sie hat nämlich eine sogenannte All-in-Vereinbarung. Das bedeutet in ihrem Fall, dass mit dem Gesamtbetrag, den sie bekommt, neben dem Grundgehalt auch alle Überstunden, Reisezeiten usw. abgedeckt sein sollen.

Zwar steht in Ninas Vertrag auch das KV-Mindestgehalt angegeben, nachdem die Gesamtsumme aber höher ist, war sie der Meinung, das sei für sie nicht relevant und sie verdiene sowieso weitaus mehr. Im Zuge der Beratung erfährt sie nun staunend, wie viele Stunden sich maximal in diesem Betrag ausgehen können. Tatsächlich fallen bei ihr schon sehr viel mehr Stunden an.

Versäumnis des Chefs

Ninas Chef wäre eigentlich verpflichtet, jährlich zu berechnen, wie viel Ninas geleistete Stunden tatsächlich wert sind. Der ihr dafür zustehende Betrag ist dabei mit der bezahlten Summe zu vergleichen (das nennt sich Deckungsrechnung). Wenn sich dabei ergibt, dass nicht alles, was ihr zusteht, in der bezahlten Summe „Platz hat“, ist eine Nachzahlung fällig. Das ist freilich nie passiert. 

Mit dieser Erfahrung steht Nina M. nicht alleine. Bei vielen alten All-in-Verträgen ist nicht einmal das geltende Kollektivvertragsgehalt oder das Grundgehalt angegeben. Für neuere Verträge, die nach dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurden, ist wenigstens gesetzlich geregelt, dass immer dann, wenn neben dem Grundgehalt auch etwas anderes (zum Beispiel Überstunden) pauschal abgegolten sein soll, das Grundgehalt zwingend anzugeben ist. Wenn dies nicht eingehalten wird, dann besteht ein Anspruch auf das Gehalt einschließlich branchen- und ortsüblicher Überzahlung, das am Arbeitsort vergleichbaren Arbeitnehmern von vergleichbaren Arbeitgebern zusteht. So steht es im Gesetz.

Veranstaltung

„All in“ unter der Lupe

Die Rechtsexperten der AK widmen dem Thema „All in“ im Juni einen Schwerpunkt mit Vortrag und außertourlichen Beratungszeiten. 


Donnerstag, 7. Juni 2018

18.30 Uhr: Vortrag „All In =  unendlich arbeiten?“

von Elisabeth Martin, Arbeitsinspektion Bregenz

19.30 bis 20 Uhr: Beratung; Terminvereinbarung erforderlich unter 050/258 2500


Weitere Beratungstermine

14.6., 21.6. und 28.6. in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz jeweils 17, 17.30, 18, 18.30 Uhr, nur nach telefonischer Terminvereinbarung unter 050/258 2500

Welche Ansprüche gibt es?

Dieses „vergleichbare Gehalt samt üblicher Überzahlungen“ ist aber für den einzelnen Arbeitnehmer ein total abstrakter Begriff und nicht einfach zu beurteilen. Im Streitfall muss diese Frage durch entsprechende Gutachten geklärt werden. Wichtig für den Einzelnen ist es, zu wissen, welche Ansprüche (zum Beispiel Zulagen, Zuschläge etc.) ihm überhaupt zustehen, was die konkrete Vereinbarung wirklich umfasst und was korrekterweise überhaupt umfasst sein darf. 

In diesem Zusammenhang sollten Arbeitnehmer unbedingt auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der Arbeitszeitaufzeichnungen achten, rät Dr. Brigitte Hutterer, Rechtsexpertin der AK Vorarlberg. Empfehlenswert ist es auch, gerade Pauschalvereinbarungen schon vor der Unterzeichnung kritisch zu hinterfragen.
Ihren AK-Mitgliedern steht die AK Vorarlberg für die Vertragsprüfungen, aber auch bei anderen Fragen zu solchen Vereinbarungen gerne zur Verfügung.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK